Kin­der­geld und Grund­si­che­rung

Kin­der­geld der Eltern ist nach einem Urteil des Bun­des­so­zi­al­ge­richts bei den Grund­si­che­rungs­leis­tun­gen ihres voll­jäh­ri­gen, voll erwerbs­ge­min­der­ten Kin­des nicht anzu­rech­nen.

Kin­der­geld und Grund­si­che­rung

In dem jetzt vom BSG ent­schie­de­nen Fall war die 1982 gebo­re­ne Klä­ge­rin dau­er­haft voll erwerbs­ge­min­dert und schwer­pfle­ge­be­dürf­tig. Sie lebt bei ihren Eltern und wird von die­sen betreut. Für ihr Zim­mer im Ein­fa­mi­li­en­haus ihres Vaters zahlt sie Mie­te. Ihre Mut­ter erhält Kin­der­geld in Höhe von monat­lich 154 ?. Der beklag­te Land?kreis rech­ne­te bei den der Klä­ge­rin gewähr­ten Grund­si­che­rungs­leis­tun­gen (bis Dezem­ber 2004 nach dem Gesetz über die bedarfs­ori­en­tier­te Grund­si­che­rung im Alter und bei Erwerbs­min­de­rung ‑ GSiG ‑ und ab 1. Janu­ar 2005 nach dem Vier­ten Kapi­tel des Zwölf­ten Buches Sozi­al­ge­setz­buch – SGB XIISozi­al­hil­fe) das Kin­der?geld als Ein­kom­men der Klä­ge­rin an.

Der 9b. Senat des Bun­des­so­zi­al­ge­richts hat die bei­den Urtei­le der Vor­in­stanz bestä­tigt, wonach die Kür­zung der Grund­si­che­rungs­leis­tun­gen der Klä­ge­rin rechts­wid­rig ist. Die strei?tige Ein?kommensanrechnung in Höhe von 154 ? monat­lich schei­det aus. Das Kin­der­geld ist Einkom?men der Mut­ter. Die Klä­ge­rin konn­te sich das Kin­der­geld auch nicht nach § 74 Einkom?mensteuer?gesetz an sich selbst aus­zah­len las­sen, da ihr Lebens­un­ter­halt nach den tat?richterlichen Fest?stellungen durch eige­nes Ein­kom­men und Natu­ral­leis­tun­gen der Eltern in vol­lem Umfang gedeckt ist. Da Unterhalts?ansprüche der Klä­ge­rin gegen ihre Eltern bei der Bemes­sung der Grundsicherungsleis?tungen unbe?rücksichtigt blei­ben, sind die Eltern nicht zur Unterhaltsleis?tung ver­pflich­tet, soweit die Klä­ge­rin Grund?sicherungsleistungen bean­spru­chen kann. In dem Umfang, in dem die Eltern der Klä?gerin deren Lebens­un­ter­halt aus Mit­teln bestrei­ten, die die­se selbst zum Fami­li­en­haus­halt bei­steu­ert, wen­den sie ihr kei­ne geld­wer­ten Vor­tei­le zu, die bei ihr als Ein­kom­men berück­sich­tigt wer­den könn?ten. Soweit die Eltern dar­über hin­aus Natural?leistungen erbrin­gen, decken die­se gera­de nicht den Grundsicherungs?bedarf der Klä­ge­rin, für den der Beklag­te auf­zu­kom­men hat.

Bun­des­so­zi­al­ge­richt, Urtei­le vom 8. Febru­ar 2007 – B 9b SO 6/​06 R und B 9b SO 5/​06 R