Ras­sis­ti­sche Moti­ve in der Straf­zu­mes­sung

Frem­den­feind­li­che Beweg­grün­de und Zie­le sind im Rah­men der Straf­zu­mes­sung zu berück­sich­ti­gen.

Ras­sis­ti­sche Moti­ve in der Straf­zu­mes­sung

In dem hier vom Bun­des­ge­richts­hof ent­schie­de­nen Revi­si­ons­ver­fah­ren hat­te erst­in­stanz­lich die Staats­schutz­kam­mer des Land­ge­richts Koblenz den Ange­klag­ten wegen gemein­schäd­li­cher Sach­be­schä­di­gung sowie Ver­sto­ßes gegen das Uni­form­ver­bot nach dem Ver­samm­lungs­ge­setz ver­ur­teilt und dabei von Stra­fe abge­se­hen [1]. Zuvor hat­te es das Ver­fah­ren wegen der gegen den Ange­klag­ten erho­be­nen Vor­wür­fe der mit­glied­schaft­li­chen Betei­li­gung an einer kri­mi­nel­len Ver­ei­ni­gung ein­ge­stellt. Auf die Revi­si­on der Staats­an­walt­schaft hat der Bun­des­ge­richts­hof das Urteil im Straf­aus­spruch auf­ge­ho­ben und die Sache an das Land­ge­richt zurück­ver­wie­sen:

Nach den vom Land­ge­richt getrof­fe­nen Fest­stel­lun­gen besprüh­ten der Ange­klag­te und sei­ne Kom­pli­zen in der Nacht vom 19. auf den 20. Juli 2011, um Pro­pa­gan­da für ihre poli­ti­sche Anschau­ung zu betrei­ben, vier Schul­ge­bäu­de mit zahl­rei­chen Graf­fi­ti­pa­ro­len an, so etwa mit „Hit­ze­frei statt Völ­ker­brei“, „Die Deut­sche Jugend wehrt sich“ und „Bad G. bleibt deutsch“. In den spä­ten Abend­stun­den des 8. Novem­ber 2011 betei­lig­te sich der Ange­klag­te an dem sog. „Marsch der Unsterb­li­chen“, einer damals neu­en Akti­ons­form der rech­ten Sze­ne. Hin­ter einem Ban­ner mit der Auf­schrift „Volks­tod stop­pen“ mar­schier­ten die Teil­neh­mer mit bren­nen­den Fackeln durch eine Innen­stadt und skan­dier­ten Paro­len, unter ande­rem „frei, sozi­al und natio­nal“. Abspra­che­ge­mäß tru­gen sie wei­ße Gesichts­mas­ken und dunk­le Klei­dungs­stü­cke, die auf­grund der Licht­ver­hält­nis­se ein­heit­lich schwarz wirk­ten. Der Auf­marsch erweck­te den Ein­druck einer Mili­tär­for­ma­ti­on und erin­ner­te an Fackel­zü­ge des „Drit­ten Reichs“.

Der für Staats­schutz­straf­sa­chen zustän­di­ge 3. Straf­se­nat des Bun­des­ge­richts­hofs hat die Straf­zu­mes­sung als durch­grei­fend rechts­feh­ler­haft bean­stan­det, weil die Staats­schutz­kam­mer kei­ne Gesamt­ab­wä­gung der straf­zu­mes­sungs­re­le­van­ten Umstän­de vor­ge­nom­men hat. Viel­mehr hat sie allein straf­mil­dern­de Gesichts­punk­te in den Blick genom­men, ins­be­son­de­re die Belas­tun­gen für den Ange­klag­ten infol­ge der lan­gen Ver­fah­rens­dau­er und die mit der Unter­su­chungs­haft ver­bun­de­nen beson­de­ren Nach­tei­le. Dage­gen hat sie eine frem­den­feind­li­che Tat­mo­ti­va­ti­on des Ange­klag­ten unbe­rück­sich­tigt gelas­sen. Wie die Vor­schrift des § 46 Abs. 2 StGB in der Fas­sung vom 12. Juni 2015 nun­mehr aus­drück­lich regelt, sind ras­sis­ti­sche, frem­den­feind­li­che oder sons­ti­ge men­schen­ver­ach­ten­de Beweg­grün­de und Zie­le indes regel­mä­ßig straf­zu­mes­sungs­recht­lich beacht­lich. Das gilt auch für Taten, die bereits vor dem Inkraft­tre­ten des Geset­zes­än­de­rung began­gen wur­den, weil die­se ledig­lich klar­stel­len­de Bedeu­tung hat­te. Berück­sich­ti­gung kann aller­dings nicht die Gesin­nung als sol­che fin­den. Die Ein­stel­lung des Täters ist viel­mehr nur dann von Bedeu­tung, wenn sie in der Tat zum Aus­druck kommt. Dies war hier nach den Fest­stel­lun­gen der Fall.

Über die Rechts­fol­gen der Taten muss infol­ge­des­sen durch eine ande­re Straf­kam­mer des Land­ge­richts neu ent­schie­den wer­den.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 20. August 2020 – – 3 StR 40/​20

  1. LG Koblenz, Urteil vom 16. Juli 2919 – 2090 Js 29752/​10 12 KLs[]