Sucht und Hang

Für einen Hang ist nach stän­di­ger Recht­spre­chung aus­rei­chend eine ein­ge­wur­zel­te, auf psy­chi­sche Dis­po­si­ti­on zurück­ge­hen­de oder durch Übung erwor­be­ne Nei­gung, immer wie­der Rausch­mit­tel zu kon­su­mie­ren, wobei die­se Nei­gung noch nicht den Grad einer phy­si­schen Abhän­gig­keit erreicht haben muss.

Sucht und Hang

Ein über­mä­ßi­ger Genuss von Rausch­mit­teln im Sin­ne des § 64 StGB ist jeden­falls dann gege­ben, wenn der Betref­fen­de auf Grund sei­ner psy­chi­schen Abhän­gig­keit sozi­al gefähr­det oder gefähr­lich erscheint 1.

Inso­weit kann dem Umstand, dass durch den Rausch­mit­tel­kon­sum bereits die Gesund­heit, Arbeits- und Leis­tungs­fä­hig­keit des Betref­fen­den erheb­lich beein­träch­tigt ist, zwar indi­zi­el­le Bedeu­tung für das Vor­lie­gen eines Han­ges zukom­men 2.

Wenn­gleich sol­che Beein­träch­ti­gun­gen in der Regel mit über­mä­ßi­gem Rausch­mit­tel­kon­sum ein­her­ge­hen dürf­ten, schließt deren Feh­len jedoch nicht not­wen­di­ger­wei­se die Beja­hung eines Han­ges aus 3.

Dies zu Grun­de gelegt, drängt sich das Vor­lie­gen eines Han­ges schon ange­sichts eines fest­ge­stell­ten poly­va­len­ten Sucht­mit­tel­miss­brauchs auf, wel­cher deut­lich auf eine trei­ben­de Nei­gung hin­deu­tet, Alko­hol und Betäu­bungs­mit­tel im Über­maß zu kon­su­mie­ren.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 14. Okto­ber 2015 – 1 StR 415/​15

  1. vgl. BGH, Urteil vom 10.11.2004 – 2 StR 329/​04, NStZ 2005, 210; Urteil vom 15.05.2014 – 3 StR 386/​13[]
  2. vgl. BGH, Beschluss vom 01.04.2008 – 4 StR 56/​08, NStZ-RR 2008, 198; Beschluss vom 14.12 2005 – 1 StR 420/​05, NStZ-RR 2006, 103[]
  3. BGH, Beschluss vom 01.04.2008 – 4 StR 56/​08, NStZ-RR 2008, 198; Beschluss vom 02.04.2015 – 3 StR 103/​15[]