Täto­wie­rung als Kunst?

Ist das Täto­wie­ren eine künst­le­ri­sche Tätig­keit? Mit die­ser Fra­ge hat­te sich jetzt das Bun­des­so­zi­al­ge­richt zu beschäf­ti­gen. Hin­ter­grund die­ses Streits ist das Künst­ler­so­zi­al­ver­si­che­rungs­ge­setz, in des­sen Ver­si­che­rungs­sys­tem ein Täto­wie­rer auf­ge­nom­men wer­den woll­te.

Täto­wie­rung als Kunst?

Der Klä­ger begehrt die Fest­stel­lung der Ver­si­che­rungs­pflicht nach dem Künst­ler­so­zi­al­ver­si­che­rungs?gesetz für sei­ne Tätig­keit als selbst­stän­di­ger Täto­wie­rer. Der Klä­ger hat den Beruf des gra­fi­schen Zeich­ners erlernt und war als Ange­stell­ter bei ver­schie­de­nen Wer­be­agen­tu­ren beschäf­tigt. Ab 1994 war er neben­be­ruf­lich auch als Täto­wie­rer tätig. Seit April 2001 übt er die­se Tätig­keit als Haupt­be­ruf selbst­stän­dig aus. Sei­nen Antrag von März 2001, die Ver­si­che­rungs­pflicht nach dem Künstlersozial?versicherungsgesetz festzu?stellen, lehn­te die beklag­te Künst­ler­so­zi­al­kas­se ab, weil ein Täto­wie­rer kei­ne künst­le­ri­schen Leistun?gen oder Wer­ke erbrin­ge. Im Kla­ge­ver­fah­ren hat der Klä­ger gel­tend ge?macht, er übe eine künstleri?sche Tätig­keit aus, weil er sei­nen Kun­den unter Berück­sich­ti­gung ihrer indi­vi­du­el­len Per­sön­lich­keit Vor­schlä­ge zur bild­ne­ri­schen und farb­li­chen Gestal­tung ihres Kör­pers unter­brei­te. Die Moti­ve ent?wickle und ent­wer­fe er völ­lig frei.

Das Bun­des­so­zi­al­ge­richt hat die Revi­si­on des Klä­gers zurück­ge­wie­sen. Das Lan­des­so­zi­al­ge­richt hat die Kla­ge auf Fest­stel­lung der Versicherungs?pflicht des Klä­gers nach dem Künst­ler­so­zi­al­ver­si­che­rungs­ge­setz zu Recht abge­wie­sen. Das Tätowie?ren ist trotz einer krea­ti­ven Kom­po­nen­te eine "hand­werk­li­che Tätig­keit" im wei­te­ren Sin­ne, weil der Schwer­punkt auf dem Ein­satz manuell‑technischer Fähig­kei­ten liegt. Die Tätig­keit wird nicht schon dadurch "künst­le­risch", dass im Ein­zel­fall nicht nach vor­han­de­nen Mus­tern oder Scha­blo­nen gearbei?tet, son­dern das Motiv selbst gestal­tet wird. Ein Täto­wie­rer wird erst dann zum "bil­den­den Künst­ler" im Sin­ne des Künst­ler­so­zi­al­ver­si­che­rungs­ge­set­zes, wenn er mit sei­nen Arbei­ten in Fach­krei­sen der Kunst Aner­ken­nung erlangt hat, wor­an es hier fehlt. Eine hohe Wert­schät­zung bei Berufs­kol­le­gen und Kun­den reicht nicht aus.

Bun­des­so­zi­al­ge­richt, Urteil vom 28. Febru­ar 2007 ‑ B 3 KS 2/​07 R