Die frist­lo­se Kün­di­gung wegen Vor­teils­an­nah­me

Eine außer­or­dent­li­che Kün­di­gung ist wirk­sam, wenn Leis­tun­gen in erheb­li­chem wirt­schaft­li­chen Wert ent­ge­gen­ge­nom­men wor­den sind, auf die der Arbeit­neh­mer – wie er wuss­te – kei­nen Anspruch hat­te.

Die frist­lo­se Kün­di­gung wegen Vor­teils­an­nah­me

Mit die­ser Begrün­dung hat das Lan­des­ar­beits­ge­richt Baden-Würt­tem­berg in dem hier vor­lie­gen­den Fall die frist­lo­se Kün­di­gung des Prä­si­den­ten bei der Toch­ter­ge­sell­schaft von Mer­ce­des-Benz in Ame­ri­ka für recht­mä­ßig erach­tet und damit die Ent­schei­dung des Arbeits­ge­richts Stutt­gart 1 bestä­tigt, das die Kün­di­gungs­schutz­kla­ge abge­wie­sen hat­te. Der heu­te 58-jäh­ri­ge Klä­ger war seit 1975 bei der Beklag­ten beschäf­tigt und ab Mit­te der 80er Jah­re für die­se in füh­ren­der Posi­ti­on im Aus­land (Kana­da, Aus­tra­li­en, USA) tätig gewe­sen. Für sei­ne Tätig­keit als Prä­si­dent bei der Toch­ter­ge­sell­schaft der Beklag­ten in Ame­ri­ka (im Fol­gen­den: MB USA) ab dem 01. Sep­tem­ber 2006 wur­de ihm eine Dienst­vil­la miet­frei zur Ver­fü­gung gestellt.

Wäh­rend der Tätig­keit des Klä­gers in den USA wur­den an der Dienst­vil­la ver­schie­de­ne bau­li­che Maß­nah­men vor­ge­nom­men, dar­un­ter u. a. die Instal­la­ti­on einer Home-Enter­tain­ment-Anla­ge für fast 90.000 $, der Ein­bau eines Fit­ness­raums mit ver­spie­gel­ten Wän­den im Kel­ler und der Umbau der Wasch­kü­che, um eine neue Wasch­ma­schi­ne und einen neu­en Trock­ner instal­lie­ren zu kön­nen. Der Klä­ger hat des Wei­te­ren Rech­nun­gen für die Anschaf­fung von Bet­ten über insg. ca. 6.150 $ bei MB USA ein­ge­reicht und dar­auf­hin einen Betrag von ca. 9.400 $ erstat­tet bekom­men.

Die Beklag­te stützt ihre außer­or­dent­li­che und hilfs­wei­se ordent­li­che Kün­di­gung vom 20. Okto­ber 2011 dar­auf, dass der Klä­ger die­se Maß­nah­men ver­an­lasst bzw. sie zumin­dest nicht unter­bun­den habe. Er habe um sei­nes eige­nen Vor­teils wil­len die ihm als obers­tes Organ der Toch­ter­ge­sell­schaft der Beklag­ten oblie­gen­de Pflicht, deren Ver­mö­gens­in­ter­es­sen wahr­zu­neh­men, in schwer­wie­gen­der Wei­se ver­letzt. Der Klä­ger ist der Auf­fas­sung, dass die Vor­wür­fe kei­ne Kün­di­gung recht­fer­tig­ten. Die ihm von der Beklag­ten vor­ge­wor­fe­nen Maß­nah­men sei­en von ande­ren Per­so­nen ent­schie­den bzw. vor­ge­schla­gen wor­den. Nach erfolg­lo­ser Kün­di­gungs­schutz­kla­ge hat der Klä­ger Beru­fung ein­ge­legt.

In sei­ner Urteils­be­grün­dung hat das Lan­des­ar­beits­ge­richt Baden-Würt­tem­berg aus­ge­führt, dass es die außer­or­dent­li­che Kün­di­gung für wirk­sam erach­tet, weil der Klä­ger Leis­tun­gen in erheb­li­chem wirt­schaft­li­chen Wert ent­ge­gen­ge­nom­men hat, auf die er – wie er wuss­te – kei­nen Anspruch hat­te.

Lan­des­ar­beits­ge­richt Baden-Würt­tem­berg, Urteil 11. Juli 2013 -3 Sa 129/​12

  1. ArbG Stutt­gart, Urteil vom 15.11.2012 – 23 Ca 8738/​11[]