Fami­li­en­pfle­ge­zeit

Arbei­ten und gleich­zei­tig Ange­hö­ri­ge pfle­gen: Das bringt vie­le Berufs­tä­ti­ge an die Gren­zen ihrer Belast­bar­keit. Zukünf­tig soll hier die so genann­te Fami­li­en­pfle­ge­zeit für Abhil­fe sor­gen und es den Betrof­fe­nen ermög­li­chen, ihre Arbeits­zeit zu redu­zie­ren ohne all­zu hohe Ein­kom­mens­ein­bu­ßen hin­zu­neh­men. Einen ent­sp­ch­re­chen­den Geset­zes­ent­wurf hat die Bun­des­re­gie­rung jetzt in das Gesetz­ge­bungs­ver­fah­ren ein­ge­bracht. Das Gesetz soll Anfang 2012 in Kraft tre­ten.

Fami­li­en­pfle­ge­zeit

Gere­gelt wird zunächst ein Anspruch auf Arbeits­zeit­ver­kür­zung: Die geplan­te Fami­li­en­pfle­ge­zeit sieht vor, dass Beschäf­tig­te ihre Arbeits­zeit auf bis zu 15 Stun­den ver­rin­gern kön­nen, wenn sie einen nahen Ange­hö­ri­gen pfle­gen. Mög­lich ist das über einen Zeit­raum von maxi­mal zwei Jah­ren. Den eigent­li­chen Ver­trag über die Fami­li­en­pfle­ge­zeit schlie­ßen die betrof­fe­nen Beschäf­tig­ten mit ihrem Arbeit­ge­ber. Das Gesetz bie­tet ledig­lich den Rah­men, den Arbeit­ge­ber und Beschäf­tig­te aus­fül­len. Die Men­schen kön­nen so auf betrieb­li­cher Ebe­ne indi­vi­du­ell und fle­xi­bel reagie­ren.

Finan­ziert wer­den soll dies durch einen "Gehalts­vor­schuss" des Arbeit­ge­bers: Um die Ein­kom­mens­ein­bu­ßen, die durch die Redu­zie­rung der Arbeits­zeit ent­ste­hen, abzu­fe­dern, erhal­ten sie eine Lohn­auf­sto­ckung. Wer zum Bei­spiel von einer Voll­zeit auf eine Halb­zeit­stel­le redu­ziert, erhält 75% sei­nes letz­ten Brut­to­ein­kom­mens. Nach der Pfle­ge­pha­se wird die Arbeit wie­der im vol­len Umfang auf­ge­nom­men. Die Beschäf­tig­ten bekom­men aber wei­ter­hin nur ihr abge­senk­tes Gehalt, so lan­ge, bis der Gehalts­vor­schuss des Arbeit­ge­bers "abge­ar­bei­tet" ist.

Um die Belas­tung der Arbeit­ge­ber durch die Pfle­ge­zeit etwas abzu­fe­dern, stellt ihnen der Bund mit Hil­fe der staat­li­chen KfW-Ban­ken­grup­pe ein zins­lo­ses Dar­le­hen für die Auf­sto­ckung des Gehalts zur Ver­fü­gung. Die­ses Dar­le­hen zah­len die Arbeit­ge­ber dann zurück, wenn die Beschäf­tig­ten wie­der voll arbei­ten, aber wei­ter nur ein redu­zier­tes Gehalt erhal­ten. Es bleibt für den Arbeit­ge­ber aller­dings noch das Risi­ko, dass sein Arbeit­neh­mer sich nach der Fami­li­en­pfle­ge­zeit (ver­trags­wid­rig) wei­gert, die Arbeit wie­der auf­zu­neh­men.

Beschäf­tig­te, die die Fami­li­en­pfle­ge­zeit in Anspruch neh­men, müs­sen für die­sen Zeit­raum eine Ver­si­che­rung abschlie­ßen, um die die Risi­ken einer Berufs – und Erwerbs­un­fä­hig­keit für ihren Arbeit­ge­ber zu mini­mie­ren. Die Kos­ten dafür sol­len bei etwa 10 bis 15 € im Monat lie­gen.