Kann die Kabi­nen­luft im Flug­zeug krank machen?

Nein, Kabi­nen­luft im Flug­zeug kann nicht krank machen. Meint jeden­falls das Arbeits­ge­richt Köln, das jetzt zwei Flug­be­glei­te­rin­nen einen Anspruch auf Scha­dens­er­satz gegen ihren Arbeit­ge­ber wegen einer Kabi­nen­luft­kon­ta­mi­na­ti­on (sog. fume event bzw. smell event) ver­sag­te.

Kann die Kabi­nen­luft im Flug­zeug krank machen?

Auf einem Flug von Köln nach Ber­lin im Jahr 2016 sol­len die Klä­ge­rin­nen für ca. 45 Minu­ten einer Kabi­nen­luft­kon­ta­mi­na­ti­on aus­ge­setzt gewe­sen sein, bei der ein che­mi­scher Geruch fest­ge­stellt wur­de. Die­sen haben sie vor dem Arbeits­ge­richt mit dem Geruch von „nas­sen Socken“ ver­gli­chen. Die Außen­luft soll bei der Durch­lei­tung durch die Trieb­wer­ke in die Kabi­ne (sog. Zapf­luft) ver­un­rei­nigt wor­den sein. Ein ähn­li­cher Vor­fall war bei dem Flug­zeug bereits am Tag zuvor auf­ge­tre­ten. Die Luft­ver­un­rei­ni­gung soll bei den kla­gen­den Flug­be­glei­te­rin­nen u.a. zu Übel­keit und Schwin­del­ge­füh­len, aber auch zu andau­ern­den neu­ro­lo­gi­schen bzw. kogni­ti­ven Beein­träch­ti­gun­gen geführt haben, wes­halb sie Scha­dens­er­satz ver­lang­ten.

Die Flug­be­glei­te­rin­nen waren mit ihrer Kla­ge nicht erfolg­reich. Das Arbeits­ge­richt Köln war der Ansicht, dass sie nicht gem. § 104 SGB VII nach­wei­sen konn­ten, dass die Flug­li­nie vor­sätz­lich gehan­delt hät­te. Die Rege­lung des § 104 SGB VII beschränkt die Haf­tung des Arbeit­ge­bers im Bereich der gesetz­li­chen Unfall­ver­si­che­rung auf Vor­satz. Auf­grund einer tech­ni­schen Über­prü­fung nach dem Geruchser­eig­nis am Tag zuvor, und auf­grund eines fol­gen­den unpro­ble­ma­ti­schen Flu­ges habe die Flug­li­nie nicht mit einem sol­chen smell event rech­nen müs­sen. Ob ein Zusam­men­hang zwi­schen fume events /​smell events und Gesund­heits­schä­den über­haupt wis­sen­schaft­lich nach­weis­bar wäre und ob sich ein sol­cher bei den Arbeit­neh­me­rin­nen rea­li­siert hat, muss­te des­halb nicht ent­schie­den wer­den.

Arbeits­ge­richt Köln, Urteil vom 10. Okto­ber 2018 – 7 Ca 3099/​17 und 7 Ca 3743/​17