Kün­di­gungs­schutz für den Geschäfts­füh­rer

Gemäß § 1 Abs. 1 KSchG ist – nach Ablauf der War­te­frist – die Kün­di­gung des Arbeits­ver­hält­nis­ses gegen­über einem Arbeit­neh­mer rechts­un­wirk­sam, wenn sie sozi­al unge­recht­fer­tigt ist. Der per­so­nel­le Gel­tungs­be­reich des Geset­zes ist folg­lich auf Arbeit­neh­mer beschränkt.

Kün­di­gungs­schutz für den Geschäfts­füh­rer

Mate­ri­ell-recht­lich ist Arbeit­neh­mer, wer auf­grund eines pri­vat­recht­li­chen Ver­trags im Diens­te eines ande­ren zur Leis­tung wei­sungs­ge­bun­de­ner, fremd­be­stimm­ter Arbeit in per­sön­li­cher Abhän­gig­keit ver­pflich­tet ist 1. Das Wei­sungs­recht kann Inhalt, Durch­füh­rung, Zeit, Dau­er und Ort der Tätig­keit betref­fen. Arbeit­neh­mer ist nach § 84 Abs. 1 Satz 2, Abs. 2 HGB der­je­ni­ge Mit­ar­bei­ter, der nicht im Wesent­li­chen frei sei­ne Tätig­keit gestal­ten und sei­ne Arbeits­zeit bestim­men kann 2. Der Grad der per­sön­li­chen Abhän­gig­keit hängt auch von der Eigen­art der jewei­li­gen Tätig­keit ab. Letzt­lich kommt es für die Beant­wor­tung der Fra­ge, wel­ches Rechts­ver­hal­ten im kon­kre­ten Fall vor­liegt, auf eine Gesamt­wür­di­gung aller maß­geb­li­chen Umstän­de des betref­fen­den Falls an. Der jewei­li­ge Ver­trags­typ ergibt sich dabei aus dem wirk­li­chen Geschäfts­in­halt, nicht aus der Bezeich­nung ihres Ver­trags­ver­hält­nis­ses durch die Par­tei­en 3.

In dem hier vom Bun­des­ar­beits­ge­richt ent­schie­de­nen Fall waren ursprüng­li­che Grund­la­ge der ver­trag­li­chen Bezie­hung zwi­schen den Par­tei­en der "Geschäfts­füh­rer­ver­trag" vom 13.08.2003 und das "Pro­to­koll zur Gesell­schaf­ter­ver­samm­lung" vom 31.01.2006. Nach § 1 Nr. 1 des Ver­trags führt der Klä­ger die Geschäf­te der Beklag­ten mit der erfor­der­li­chen Sorg­falt "nach Maß­ga­be der Geset­ze, die­ses Ver­tra­ges und des Gesell­schafts­ver­tra­ges". Nach Nr. 2 der Abre­de ist der Klä­ger als Geschäfts­füh­rer "in der Gestal­tung sei­ner Arbeits­zeit frei". In § 6 heißt es: "Der Geschäfts­füh­rer hat Anspruch auf einen Jah­res­ur­laub von 30 Arbeits­ta­gen. Kann der Geschäfts­füh­rer sei­nen Jah­res­ur­laub nicht neh­men, weil die Inter­es­sen der Gesell­schaft ent­ge­gen­ste­hen, so ist der Urlaubs­an­spruch abzu­gel­ten. Die Urlaubs­ab­gel­tung bemisst sich nach der Höhe des Fest­ge­halts". Dies sind Rege­lun­gen, die den "Geschäfts­füh­rer­ver­trag" vom 13.08.2003 pri­ma facie als Dienst­ver­trag iSv. § 611 BGB und nicht – was recht­lich mög­lich wäre 4 – als Arbeits­ver­trag aus­wei­sen.

Bun­des­ar­beits­ge­richt, Urteil vom 31. Juli 2014 – 2 AZR 422/​13

  1. BAG 15.02.2012 – 10 AZR 301/​10, Rn. 13; 14.03.2007 – 5 AZR 499/​06, Rn. 13[]
  2. BAG 25.05.2005 – 5 AZR 347/​04, zu I der Grün­de mwN, BAGE 115, 1[]
  3. BAG 20.05.2009 – 5 AZR 31/​08, Rn.19[]
  4. EuGH 11.11.2010 – C‑232/​09 – [Dano­sa] Slg. 2010, I‑11405; BAG 26.05.1999 – 5 AZR 664/​98, zu III 1 der Grün­de[]