Zuschuss zum Mut­ter­schafts­geld

Berech­nung der Höhe des Zuschus­ses zum Mut­ter­schafts­geld erfolgt bei pri­vat kran­ken- und pfle­ge­ver­si­cher­ten Arbeit­neh­mern gemäß § 14 Abs. 1 Satz 1 MuSchG. Bei der Ermitt­lung des Unter­schieds­be­tra­ges gemäß § 14 Abs. 1 Satz 1 MuSchG ist der gesetz­li­che Arbeit­ge­ber­zu­schuss zur pri­va­ten Kran­ken- und Pfle­ge­ver­si­che­rung des Arbeit­neh­mers nicht zu berück­sich­ti­gen. Auch ist bei der Berech­nung des Zuschus­ses zum Mut­ter­schafts­geld die Vor­schrift des § 23c SGB IV auf pri­vat kran­ken- und pfle­ge­ver­si­cher­te Arbeit­neh­mer nicht anwend­bar.

Zuschuss zum Mut­ter­schafts­geld

Gemäß den §§ 14 Abs. 1 S. 1 3. Alt., 13 Abs. 2 MuSchG erhal­ten Frau­en, die nicht Mit­glied einer gesetz­li­chen Kran­ken­kas­se sind, wäh­rend des bestehen­den Arbeits­ver­hält­nis­ses für die Zeit der Mut­ter­schutz­fris­ten der §§ 3 Abs. 2, 6 Abs. 1 MuSchG sowie für den Ent­bin­dungs­tag von ihrem Arbeit­ge­ber einen Zuschuss in Höhe des Unter­schieds­be­trags zwi­schen 13,00 EUR und ihrem um die gesetz­li­che Abzü­ge ver­min­der­ten durch­schnitt­li­chen kalen­der­täg­li­chen Arbeits­ent­gelt. Gemäß § 14 Abs. 1 S. 2 MuSchG berech­net sich die­ser Zuschuss bei monat­li­cher Abrech­nung des Arbeits­ent­gelts aus den letz­ten drei abge­rech­ne­ten Kalen­der­mo­na­ten. Dabei bleibt gemäß § 14 Abs. 1 S. 4 MuSchG ein­ma­lig gezahl­tes Arbeits­ent­gelt im Sin­ne des § 23 a SGB IV außer Betracht.

Unter Net­to­ge­halt wird das um die gesetz­li­chen Abzü­ge, d.h. die vom Arbeit­neh­mer zu tra­gen­den Sozi­al­ver­si­che­rungs­bei­trä­ge und die auf die Bezü­ge ent­fal­len­de Lohn­steu­er ver­min­der­te Brut­to­ar­beits­ent­gelt ver­stan­den 1.

Durch die Kom­bi­na­ti­on von Mut­ter­schafts­geld und Zuschuss wird die (wer­den­de) Mut­ter wäh­rend der gene­rel­len Beschäf­ti­gungs­ver­bo­te kurz vor und nach der Ent­bin­dung finan­zi­ell so abge­si­chert, dass für sie kein Anreiz besteht, unter Inkauf­nah­me von gesund­heit­li­chen Gefähr­dun­gen zum Zwe­cke der Exis­tenz­si­che­rung zu arbei­ten 2. Zuschuss und Mut­ter­schafts­geld sol­len die Arbeit­neh­me­rin wäh­rend der Schutz­fris­ten wirt­schaft­lich dadurch absi­chern, dass bei­de Leis­tun­gen grund­sätz­lich zusam­men die Höhe des Net­to­ver­diens­tes im Bezugs­zeit­raum errei­chen 3.

Rich­tig ist zwar, dass die Arbeit­ge­be­rin wohl in aller Regel an pri­vat kran­ken- und pfle­ge­ver­si­cher­te Arbeit­neh­me­rin­nen im Ver­gleich zu gesetz­lich pflicht­ver­si­cher­ten Arbeit­neh­me­rin­nen einen höhe­ren Zuschuss zum Mut­ter­schafts­geld leis­ten muss. Eine Bes­ser­stel­lung der pri­vat Kran­ken­ver­si­cher­ten, auf die die Arbeit­ge­be­rin sich zudem noch beru­fen könn­te, liegt jedoch nicht vor. Gera­de weil es nicht uner­heb­li­che struk­tu­rel­le Unter­schie­de im Sys­tem der pri­va­ten und gesetz­li­chen Kran­ken­ver­si­che­rung gibt, sind die­se Kran­ken­ver­si­che­run­gen mit­ein­an­der kaum ver­gleich­bar. Grund­sätz­lich haben sie zunächst nur die Tat­sa­che gemein, dass sie vor Krank­heits- und Pfle­ge­ri­si­ken des Ver­si­cher­ten Schutz bie­ten sol­len. Bei den Fra­gen, in wel­chem Umfang der Schutz zu wel­chen Kos­ten und Bedin­gun­gen gewährt wird, unter­schei­den die bei­den Ver­si­che­rungs­ar­ten sich nicht nur in uner­heb­li­chem Umfang. Im Hin­blick dar­auf und im Hin­blick auf die gesetz­li­che Pflicht­ver­si­che­rungs­gren­ze hat der Gesetz­ge­ber die­se unter­schied­li­chen Ver­si­che­rungs­for­men in § 14 Abs. 1 S. 1 MuSchG unter­schieds­los bei der Fra­ge der Rege­lung des Zuschus­ses zum Mut­ter­schafts­geld auf­ge­nom­men und unter­schieds­los die Höhe der Berech­nung des Zuschus­ses gere­gelt. Der Grund­ge­dan­ke des Mut­ter­schafts­gel­des und des Zuschus­ses zum Mut­ter­schafts­geld, das mit dem gesetz­li­chen Mut­ter­schutz ver­folg­te Ziel, die im Arbeits­ver­hält­nis ste­hen­de Mut­ter und das wer­den­de Kind vor arbeits­platz­be­ding­ten Gefah­ren, Über­for­de­rung und Gesund­heits­schä­di­gung zu schüt­zen, soll durch die Kom­bi­na­ti­on von Mut­ter­schafts­geld und Zuschuss zum Mut­ter­schafts­geld so abge­si­chert wer­den, dass für die Mut­ter kein Anreiz besteht, unter Inkauf­nah­me von gesund­heit­li­chen Gefähr­dun­gen zum Zwe­cke der Exis­tenz­si­che­rung zu arbei­ten 4. Es soll also der Ver­dienst­aus­fall aus­ge­gli­chen wer­den und zwar unab­hän­gig davon, wie die Arbeit­neh­me­rin kran­ken- und pfle­ge­ver­si­chert ist. Wer inso­weit die finan­zi­el­len Las­ten trägt, ist vom Gesetz­ge­ber durch die Bestim­mun­gen der §§ 13 Abs. 1, Abs. 2 und 14 Abs. 1 MuSchG gere­gelt. Die­se Las­ten tra­gen zum Teil die gesetz­li­che Kran­ken­ver­si­che­rung, zum Teil die Arbeit­neh­me­rin selbst, zum Teil der Arbeit­ge­ber und zum Teil das Bun­des­ver­si­che­rungs­amt. Die­se vom Gesetz getrof­fe­ne Ent­schei­dung, die auch zwi­schen gesetz­lich und pri­vat kran­ken­ver­si­cher­ten Arbeit­neh­mern dif­fe­ren­ziert, ändert an Sinn und Zweck des MuSchG und dem Bestre­ben, die­sem Sinn und Zweck zum Durch­bruch zu ver­hel­fen, nicht. Inso­weit ist auch § 23 c SGB IV auf pri­vat kran­ken- und pfle­ge­ver­si­cher­te Arbeit­neh­me­rin­nen nicht ent­spre­chend anwend­bar. § 23 c SGB IV regelt allein und aus­schließ­lich Fra­gen der Bei­trags­hö­he für die gesetz­li­che Ver­si­che­rung.

Soweit die Arbeit­ge­be­rin die Ent­schei­dun­gen des Bun­des­ar­beits­ge­richts 5 zur Begrün­dung ihrer Ansich­ten her­an­zieht, ergibt sich nichts ande­res. Aus der Ent­schei­dung vom 31.08.2005 ergibt sich ledig­lich, dass unter dem Begriff „Net­to­ge­halt“ in einem Tarif­ver­trag das um die gesetz­li­che Abzü­ge, d.h. die vom Arbeit­neh­mer zu tra­gen­den Sozi­al­ver­si­che­rungs­bei­trä­ge und Lohn­steu­er ver­min­der­te Brut­to­ar­beits­ent­gelt zu ver­ste­hen ist und die Zuschüs­se des Arbeit­ge­bers zu den pri­va­ten Ver­si­che­run­gen der Arbeit­neh­mer kei­ne Gehalts­be­stand­tei­le dar­stel­len und nicht zum Brut­to­ar­beits­ent­gelt zäh­len. Die BAG-Ent­schei­dung vom 26. März 2003 legt eine kon­kre­te tarif­ver­trag­li­che Rege­lung in einem kon­kre­ten Fall so aus, dass die Tarif­ver­trags­par­tei­en den Begriff des „Net­to­be­trags“ nicht als „Net­to­ar­beits­ent­gelt“, son­dern als Ergeb­nis eines (Gesamt-) Abrech­nungs­vor­gangs ver­stan­den haben. Das BAG führt inso­weit gera­de aus, dass die­se tarif­ver­trag­li­che Rege­lung – anders als ver­gleich­ba­re Rege­lun­gen – nicht zwi­schen pri­vat ver­si­cher­ten und gesetz­lich ver­si­cher­ten Arbeit­neh­mern unter­schei­det. Auch in der Ent­schei­dung vom 5. Novem­ber 2003 hat das Bun­des­ar­beits­ge­richt auf die kon­kre­te tarif­ver­trag­li­che Rege­lung abge­stellt, die ‑soweit ersicht­lich- kei­ne Dif­fe­ren­zie­rung zwi­schen pri­vat und gesetz­lich Kran­ken­ver­si­cher­ten ent­hal­ten hat.

Hin­ge­gen ist der Arbeit­ge­ber­zu­schuss zur pri­va­ten Kran­ken- und Pfle­ge­ver­si­che­rung der Arbeit­neh­me­rin gemäß §§ 257 Abs. 1 SGB V und 106 SGB VI nicht zum um die gesetz­li­che Abzü­ge ver­min­der­ten Brut­to­ar­beits­ent­gelt der Arbeit­neh­me­rin hin­zu­zu­rech­nen. Zu den für die Berech­nun­gen des Net­to­ar­beits­ent­gelts maß­geb­li­chen Leis­tun­gen des Arbeit­ge­bers zäh­len die nach § 257 Abs. 2 SGB V und § 61 Abs. 2 SGB XI einem pri­vat kran­ken­ver­si­cher­ten Arbeit­neh­mer gewähr­ten Bei­trags­zu­schüs­se des Arbeit­ge­bers nicht. Die­se stel­len kein Brut­to­ar­beits­ent­gelt und kei­nen Gehalts­be­stand­teil dar, son­dern bil­den das Gegen­stück zu dem in § 249 Abs. 1 SGB V und § 58 Abs. 1, 3 SGB XI gesetz­lich vor­ge­schrie­be­nen Arbeit­ge­ber­an­teil für in der gesetz­li­chen Kran­ken- und sozia­len Pfle­ge­ver­si­che­rung ver­si­che­rungs­pflich­ti­ge Beschäf­tig­te. Sie sol­len höher ver­die­nen­de Arbeit­neh­mer bei der Ver­schaf­fung eines aus­rei­chen­den Kran­ken­ver­si­che­rungs­schut­zes für sich und ihre Ange­hö­ri­gen unter­stüt­zen und eine Hil­fe bei der Finan­zie­rung der gesetz­lich vor­ge­schrie­be­nen Pfle­ge­ver­si­che­rung sein. Der Arbeit­ge­ber hin­ge­gen soll in glei­cher Wei­se wirt­schaft­lich an den Ver­si­che­rungs­bei­trä­gen betei­ligt wer­den, wie dies bei einem gesetz­lich ver­si­che­rungs­pflich­ti­gen Arbeit­neh­mer der Fall ist. Es han­delt sich des­halb jeweils um eine auf öffent­lich-recht­li­cher Grund­la­ge beru­hen­de Bei­trags­leis­tung des Arbeit­ge­bers, die er neben dem Gehalt zu erbrin­gen hat (BAG vom 31.08.2005 -5 AZR 6/​05 – aaO Rn. 12 mwN). Die­ser Auf­fas­sung schließt sich die erken­nen­de Kam­mer voll­in­halt­lich an. Die­se Zuschüs­se sind dem­nach kein Brut­to­ge­halts­be­stand­teil und des­halb auch bei der Berech­nung des Zuschus­ses zum Mut­ter­schafts­geld gemäß § 14 Abs. 1 S. 1 MuSchG, der das Arbeits­ent­gelt als Berech­nungs­grund­la­ge aus­weist, nicht zu berück­sich­ti­gen.

Lan­des­ar­beits­ge­richt Baden-Würt­tem­berg, Urteil vom 24. Novem­ber 2011 – 21 Sa 82/​11

  1. BAG vom 31.08.2005 – 5 AZR 6/​05, EzA TVG Bau­in­dus­trie § 4 Nr. 122 Rn. 11; BAG GS vom 07.03.2001 – GS 1/​00, AP BGB § 288 Nr. 4[]
  2. BVerfG vom 18.11.2003 – 1 BvR 2003 in AP MuSchG 1968 § 14 Nr. 23 C 2. b. bb. der Grün­de[]
  3. BAG vom 01.06.1988 -5 AZR 464/​87, AP MuSchG 1968 § 14 Nr. 8 II. 2. der Grün­de[]
  4. BVerfG aaO[]
  5. BAG vom 26.03.2003 – 5 AZR 186/​02; vom 05.11.2003 – 5 AZR 682/​02; und vom 31.08.2005 -5 AZR 6/​05[]