Aus­kunft von der Samen­bank

Eine Samen­bank muss auch einem min­der­jäh­ri­gem Kind Aus­kunft über die Daten des Samen­spen­ders ertei­len.

Aus­kunft von der Samen­bank

So hat jetzt das Amts­ge­richt Wed­ding die Betrei­be­rin einer Samen­bank dazu ver­ur­teilt, einem min­der­jäh­ri­gen Kind, das durch sei­ne recht­li­che Eltern ver­tre­ten wird, Aus­kunft über die Iden­ti­tät eines Samen­spen­ders zu geben, d.h. alle rele­van­ten Daten wie Namen, Geburts­da­tum, Per­so­nal­aus­weis­num­mer und Anschrift zum Zeit­punkt der Samen­spen­de zu nen­nen.

Die Eltern des min­der­jäh­ri­gen Kin­des hat­ten im Febru­ar 2008 mit der beklag­ten Samen­bank-Betrei­be­rin einen Ver­trag geschlos­sen, um ihren Kin­der­wunsch zu rea­li­sie­ren. Danach ver­pflich­te­te sich die Beklag­te, auf Anfor­de­rung des behan­deln­den Gynä­ko­lo­gen Spen­der­sa­men zu lie­fern. Die Eltern ver­zich­te­ten mit nota­ri­el­ler Ver­ein­ba­rung vom 29. Febru­ar 2008 gegen­über dem natür­li­chen Vater und dem behan­deln­den Arzt dar­auf, dass ihnen die Iden­ti­tät des Spen­ders preis­ge­ge­ben wer­de. Bei der Mut­ter des Kin­des wur­de in zeit­li­chem Zusam­men­hang mit die­sem Datum eine künst­li­che hete­ro­lo­ge Inse­mi­na­ti­on durch­ge­führt; das Kind wur­de am 20. Dezem­ber 2008 gebo­ren.

Die Eltern des Kin­des haben sowohl in eige­nem Namen als auch als gesetz­li­che Ver­tre­ter des Kin­des in des­sen Namen Kla­ge erho­ben, um von der Beklag­ten die Iden­ti­tät des Samen­spen­ders zu erfah­ren. Zwi­schen den Par­tei­en war strei­tig, ob das Kind mit dem von der Beklag­ten gelie­fer­ten Spen­der­sa­men gezeugt wor­den ist.

Das Amts­ge­richt Wed­ding wies zwar die Kla­ge ab, soweit sie auf Hin­ter­le­gung der Aus­kunft bei einem Notar gerich­tet war, da ein Anspruch auf eine bestimm­te Art und Wei­se der Aus­kunfts­er­tei­lung nicht bestehe. Die hilfs­wei­se erho­be­ne Kla­ge des Kin­des in eige­nem Namen, ihm (direkt) Aus­kunft über die Iden­ti­tät des Samen­spen­ders zu geben, hat­te dage­gen Erfolg.

Das Amts­ge­richt Wed­ding führ­te aus, es bestehe eine Son­der­ver­bin­dung zwi­schen dem Kind und der beklag­ten Samen­bank. Nach der höchst­rich­ter­li­chen Recht­spre­chung ent­fal­te der Behand­lungs­ver­trag zwi­schen Wunsch­el­tern und einer Kli­nik für Repro­duk­ti­ons­me­di­zin eine Schutz­wir­kung für das zu zeu­gen­de Kind. Nichts Ande­res kön­ne für einen Ver­trag mit einer den Spen­der­sa­men lie­fern­den Samen­bank gel­ten. Aus die­ser Son­der­ver­bin­dung lei­te sich der Aus­kunfts­an­spruch ab.

Es sei fer­ner davon aus­zu­ge­hen, dass ein kon­kre­tes Bedürf­nis des Kin­des bestehe, Infor­ma­tio­nen über die Iden­ti­tät des Samen­spen­ders zu erhal­ten. Dafür sei ein Min­dest­al­ter nicht erfor­der­lich, son­dern die Eltern könn­ten im Rah­men ihres Eltern­rechts in eige­ner Ver­ant­wor­tung ent­schei­den, wann und unter wel­chen Umstän­den sie das Kind von sei­ner Her­kunft in Kennt­nis set­zen.

Auf­grund der durch­ge­führ­ten Beweis­auf­nah­me, in der die behan­deln­de Gynä­ko­lo­gin als Zeu­gin ver­nom­men wor­den ist, sei das Gericht davon über­zeugt, dass das kla­gen­de Kind durch den von der Beklag­ten gelie­fer­ten Spen­der­sa­men gezeugt wor­den sei.

Der Beklag­ten sei auch zuzu­mu­ten, Aus­kunft zu ertei­len. Das ver­fas­sungs­recht­lich geschütz­te Recht des Kin­des auf Kennt­nis der eige­nen Abstam­mung über­wie­ge die grund­recht­lich geschütz­ten Inter­es­sen der Beklag­ten. Zwar ste­he dem Samen­spen­der das Recht auf infor­ma­tio­nel­le Selbst­be­stim­mung zu, ande­rer­seits habe er sich bewusst mit einem maß­geb­li­chen Bei­trag an der Zeu­gung mensch­li­chen Lebens betei­ligt und tra­ge dafür eine sozia­le und ethi­sche Ver­ant­wor­tung. Die ärzt­li­che Schwei­ge­pflicht ste­he der Aus­kunft eben­falls nicht ent­ge­gen, da die Eltern des Kin­des selbst mit ihrer eige­nen Kla­ge ihr Ein­ver­ständ­nis gege­ben hät­ten. Es sei nicht erfor­der­lich, vor­ran­gig den behan­deln­den Arzt in Anspruch zu neh­men, zumal die beklag­te Samen­bank eher Infor­ma­tio­nen über die Iden­ti­tät ertei­len kön­nen als der ärzt­li­che Behand­ler. Schließ­lich bestün­den auch kei­ne Anhalts­punk­te dafür, dass die Beklag­te die Aus­kunft nicht ertei­len kön­ne.

Amts­ge­richt Wed­ding, Urteil vom 27.04.2017 – 13 C 259/​16