Der Arbeit­ge­ber­zu­schuss zum auch dienst­lich genutz­ten Pri­vat-PKW – und der Kinderunterhalt

Für die unter­halts­recht­li­che Bewer­tung eines vom Arbeit­ge­ber gewähr­ten Zuschus­ses für die dienst­li­che Nut­zung eines vom Arbeit­neh­mer selbst anzu­schaf­fen­den Pkw (sog. „Car Allo­wan­ce“) ist zu klä­ren, ob der grund­sätz­lich unter­halts­recht­lich zu berück­sich­ti­gen­de Zuschuss für den dienst­li­chen Gebrauch des Pkw auf­ge­braucht wird. Von den kon­kret bzw. pau­schal bemes­se­nen Kos­ten sind nur die­je­ni­gen antei­lig abzu­set­zen, die durch die dienst­li­che Nut­zung ver­an­lasst sind.

Der Arbeit­ge­ber­zu­schuss zum auch dienst­lich genutz­ten Pri­vat-PKW – und der Kinderunterhalt

Die Fra­ge, wie die so genann­te „Car Allo­wan­ce“, also ein vom Arbeit­ge­ber gewähr­ter Zuschuss für die dienst­li­che Nut­zung eines vom Arbeit­neh­mer selbst anzu­schaf­fen­den Pkw, unter­halts­recht­lich zu beur­tei­len ist, ist – soweit ersicht­lich – bis­lang in der unter­halts­recht­li­chen Recht­spre­chung und Lite­ra­tur noch nicht beantwortet.

Bei einem vom Arbeit­ge­ber zur Ver­fü­gung gestell­ten Dienst­wa­gen geht es allein um die Bewer­tung, wel­cher Sach­wert dem Unter­halts­pflich­ti­gen durch die Mög­lich­keit der pri­va­ten Nut­zung zufließt, ohne dafür die ent­spre­chen­den Kos­ten auf­brin­gen zu müs­sen [1].

Hier ist hin­ge­gen zu klä­ren, ob der grund­sätz­lich unter­halts­recht­lich zu berück­sich­ti­gen­de Zuschuss von monat­lich 1.000 € für den dienst­li­chen Gebrauch des Pkw auf­ge­braucht wird. Des­we­gen sind von den kon­kret bzw. pau­schal bemes­se­nen Kos­ten nur die­je­ni­gen antei­lig abzu­set­zen, die durch die dienst­li­che Nut­zung ver­an­lasst sind.

Die Bemes­sung der dienst­lich ver­an­lass­ten Auf­wen­dun­gen nach § 287 ZPO ist in ers­ter Linie Sache des Tatrich­ters. Sie ist rechts­be­schwer­de­recht­lich nur dar­auf­hin über­prüf­bar, ob der Tatrich­ter erheb­li­ches Vor­brin­gen der Betei­lig­ten unbe­rück­sich­tigt gelas­sen, Rechts­grund­sät­ze der Bemes­sung ver­kannt, wesent­li­che Bemes­sungs­fak­to­ren außer Betracht gelas­sen oder sei­ner Schät­zung unrich­ti­ge Maß­stä­be zugrun­de gelegt hat [2].

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Auskunftsanspruch des Scheinvaters

Dem wird die hier ange­foch­te­ne Ent­schei­dung des Ober­lan­des­ge­richts Düs­sel­dorf [3] nicht in jeder Hin­sicht gerecht. Dass das Ober­lan­des­ge­richt von den Ein­künf­ten des Vaters monat­lich die Kos­ten für das Auto in Form der Lea­sing­ra­te, der Kraft­fahr­zeug­ver­si­che­rung und ‑steu­er sowie einer Kilo­me­ter­pau­scha­le abge­zo­gen hat, ist im Ansatz von Rechts wegen nicht zu bean­stan­den, auch wenn eine pau­scha­le Berück­sich­ti­gung im Umfang der dienst­lich ver­an­lass­ten Fahr­leis­tung mög­lich gewe­sen wäre [4]. Dabei bewegt es sich auch unter Beach­tung der Angrif­fe der Rechts­be­schwer­de der Toch­ter noch im tatrich­ter­li­chen Ermes­sen, wenn das Ober­lan­des­ge­richt hin­sicht­lich der berufs­be­ding­ten Fahrt­kos­ten zusätz­lich eine gerin­ge­re Kilo­me­ter-Pau­scha­le von 0, 20 € in Ansatz gebracht hat. Aller­dings hat es nicht erwo­gen – was die Rechts­be­schwer­de der Toch­ter zu Recht ein­wen­det –, dass der Vater das Fahr­zeug auch pri­vat nut­zen konn­te. Des­halb hät­te es die Beträ­ge für die Kraft­fahr­zeug­ver­si­che­rung, die ‑steu­er und die Lea­sing­ra­te nicht ohne wei­te­re Prü­fung des Umfangs der pri­va­ten Nut­zung voll­stän­dig vom Ein­kom­men abzie­hen dürfen.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 21. Okto­ber 2020 – XII ZB 201/​19

  1. vgl. BGH, Urteil BGHZ 177, 272 = FamRZ 2008, 1739 Rn. 64 f.; Hol­thu­sen FamRZ 2020, 71, 72 mwN[]
  2. vgl. BGH Urteil vom 17.12.2019 – VI ZR 315/​18 , NJW 2020, 1001 Rn. 12 mwN[]
  3. OLG Düs­sel­dorf, Beschluss vom 11.04.2019 – II‑7 UF 151/​18[]
  4. vgl. Wendl/​Dose Das Unter­halts­recht in der fami­li­en­rich­ter­li­chen Pra­xis 10. Aufl. § 1 Rn. 135 ff.[]

Bild­nach­weis:

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Der Unterhalt für die erwachsene Tochter