Die im Aus­land erfolg­te Pri­vat­schei­dung

Die sich in einem behörd­li­chen oder gericht­li­chen Ver­fah­ren stel­len­de Vor­fra­ge der Aner­ken­nung einer im Aus­land erfolg­ten Pri­vat­schei­dung aus­län­di­scher Staats­an­ge­hö­ri­ger ist inzi­dent zu prü­fen. Die vor­he­ri­ge Durch­füh­rung eines zuläs­si­gen Aner­ken­nungs­ver­fah­rens kann von den Betei­lig­ten inso­weit nicht ver­langt wer­den.

Die im Aus­land erfolg­te Pri­vat­schei­dung

Nach § 36 Abs. 1 Satz 1 Halb­satz 1 PStG kann, wenn ein Deut­scher im Aus­land gebo­ren ist, der Per­so­nen­stands­fall auf Antrag im Gebur­ten­re­gis­ter beur­kun­det wer­den. Antrags­be­rech­tigt sind nach § 36 Abs. 1 Satz 4 Nr. 1 PStG bei einer Geburt vor allem die Eltern des Kin­des sowie das Kind selbst. Im Fall der wirk­sa­men Aner­ken­nung der Vater­schaft durch einen deut­schen Staats­an­ge­hö­ri­gen ergibt sich die deut­sche Staats­an­ge­hö­rig­keit des betrof­fe­nen Kin­des bei Aner­ken­nung nach der Geburt auch rück­wir­kend aus §§ 3 Abs. 1 Nr. 1, 4 Abs. 1 StAG 1.

In die­sem Zusam­men­hang ist die Wirk­sam­keit der aus­län­di­schen Pri­vat­schei­dung der Mut­ter als Vor­fra­ge inzi­dent zu prü­fen.

Das Ber­li­ner Kam­mer­ge­richt 2 ist davon aus­ge­gan­gen, dass sich das deut­sche Recht (§ 1594 Abs. 2 BGB) und das ägyp­ti­sche Recht hin­sicht­lich der durch Aner­ken­nung begrün­de­ten Vater­schaft inso­weit ent­spre­chen, als nach bei­den Rechts­ord­nun­gen aus der gesetz­li­chen Vater­schaft des mit der Mut­ter des Kin­des ver­hei­ra­te­ten Man­nes gegen­über der Aner­ken­nung durch einen ande­ren Mann eine Sperr­wir­kung folgt. Die inso­weit zum ägyp­ti­schen Recht getrof­fe­nen Fest­stel­lun­gen sind von der Rechts­be­schwer­de nicht ange­grif­fen wor­den. Da auf die­ser Grund­la­ge bei­de hier in Betracht kom­men­den Rechts­ord­nun­gen zum sel­ben Ergeb­nis gelan­gen, konn­te das Beschwer­de­ge­richt offen­las­sen, wel­che Rechts­ord­nung gemäß Art.19 EGBGB Anwen­dung fin­det.

Das Kam­mer­ge­richt hat sei­ner Ent­schei­dung in zuläs­si­ger Wei­se zugrun­de gelegt, dass die Ehe der Kin­des­mut­ter vor Geburt des Kin­des wirk­sam geschie­den wur­de. Zur Beur­tei­lung die­ser Vor­fra­ge bedurf­te es ent­ge­gen der Auf­fas­sung der Rechts­be­schwer­de kei­nes vor­ge­schal­te­ten Aner­ken­nungs­ver­fah­rens gemäß § 107 Abs. 1 Satz 1 FamFG.

Der Durch­füh­rung eines Aner­ken­nungs­ver­fah­rens hät­te aller­dings noch nicht ent­ge­gen­ge­stan­den, dass es sich bei der in Ägyp­ten voll­zo­ge­nen Schei­dung um eine soge­nann­te Pri­vat­schei­dung han­delt.

Nach der noch zu Art. 7 § 1 Abs. 1 Satz 1 Fam­RÄndG ergan­ge­nen Recht­spre­chung des Bun­des­ge­richts­hofs fal­len Pri­vat­schei­dun­gen im Aner­ken­nungs­ver­fah­ren jeden­falls dann unter den Begriff der Ent­schei­dun­gen, wenn dar­an eine aus­län­di­sche Behör­de ent­spre­chend den von ihr zu beach­ten­den Nor­men in irgend­ei­ner Form, und sei es auch nur regis­trie­rend, mit­ge­wirkt hat 3. Da mit der Über­nah­me der Rege­lung in § 107 FamFG inso­weit kei­ne inhalt­li­che Ände­rung ver­bun­den war, gilt dies unver­än­dert für die bestehen­de Rechts­la­ge.

Dem steht auch die Recht­spre­chung des Gerichts­hofs der Euro­päi­schen Uni­on 4 nicht ent­ge­gen. Denn der Uni­ons­ge­richts­hof hat nur zur Anwend­bar­keit der Ver­ord­nung (EU) Nr. 1259/​2010 (Rom III-VO) ent­schie­den und eine sol­che unter Berück­sich­ti­gung der Ver­ord­nung (EG) 2201/​2003 (Brüs­sel IIa-VO) ver­neint. Dies steht einer Aner­ken­nung im Ver­fah­ren nach § 107 FamFG nicht im Weg.

Die Durch­füh­rung des Aner­ken­nungs­ver­fah­rens war hier jedoch nicht zwin­gend.

Ver­ein­zelt wird in Recht­spre­chung und Lite­ra­tur ange­nom­men, dass das Aner­ken­nungs­ver­fah­ren im Fall von Pri­vat­schei­dun­gen auch bei Aus­lands­schei­dun­gen gemäß § 107 Abs. 1 Satz 2 FamFG vor­ran­gig durch­ge­führt wer­den müs­se und sich eine Inzident­fest­stel­lung der Wirk­sam­keit der Schei­dung ver­bie­te 5.

Das trifft indes nicht zu. Der Gesetz­ge­ber hat in § 107 Abs. 1 FamFG eine dif­fe­ren­zie­ren­de Rege­lung getrof­fen, wel­che im Hei­mat­staat der Ehe­gat­ten durch­ge­führ­te Aus­lands­schei­dun­gen vom obli­ga­to­ri­schen Aner­ken­nungs­ver­fah­ren aus­nimmt. Wäh­rend nach § 107 Abs. 1 Satz 1 FamFG Ent­schei­dun­gen nur aner­kannt wer­den, wenn die Lan­des­jus­tiz­ver­wal­tung fest­ge­stellt hat, dass die Vor­aus­set­zun­gen für die Aner­ken­nung vor­lie­gen, hängt die Aner­ken­nung nach § 107 Abs. 1 Satz 2 FamFG nicht von einer Fest­stel­lung der Lan­des­jus­tiz­ver­wal­tung ab, wenn ein Gericht oder eine Behör­de des Staa­tes ent­schie­den hat, dem bei­de Ehe­gat­ten zur Zeit der Ent­schei­dung ange­hört haben. Eine unter­schied­li­che Bedeu­tung des Begriffs der Ent­schei­dung in § 107 Abs. 1 Satz 1 und Satz 2 FamFG besteht ent­ge­gen der Auf­fas­sung der Rechts­be­schwer­de 6 nicht. Viel­mehr schließt eine Ein­be­zie­hung von Pri­vat­schei­dun­gen in die Aner­ken­nung von Ent­schei­dun­gen nach § 107 Abs. 1 Satz 1 FamFG not­wen­di­ger­wei­se auch eine Ein­be­zie­hung in den Anwen­dungs­be­reich von § 107 Abs. 1 Satz 2 FamFG ein.

Allein die all­ge­mei­ne Ziel­set­zung des Aner­ken­nungs­ver­fah­rens, wel­che in der Ver­mei­dung der Gefahr sich wider­spre­chen­der Ent­schei­dun­gen besteht, recht­fer­tigt es nicht, die bei­den Tat­be­stän­de gemäß § 107 Abs. 1 FamFG ent­ge­gen der aus­drück­li­chen gesetz­li­chen Rege­lung gleich­zu­stel­len. Ob ein Aner­ken­nungs­ver­fah­ren durch­ge­führt wird, unter­liegt in Fäl­len des § 107 Abs. 1 Satz 2 FamFG der frei­en Ent­schei­dung der geschie­de­nen Ehe­gat­ten als Antrags­be­rech­tig­ten. Anders als in Fäl­len nach § 107 Abs. 1 Satz 1 FamFG besteht mit­hin kein Zwang zur Durch­füh­rung des Aner­ken­nungs­ver­fah­rens, so dass den Betei­lig­ten auch eine Inzi­den­tEnt­schei­dung über die Aner­ken­nung nicht ver­wei­gert wer­den darf. Dass dabei die Stan­des­äm­ter mit­un­ter schwie­ri­ge Fra­gen des aus­län­di­schen Rechts beur­tei­len müs­sen, ist nicht unge­wöhn­lich. Das Gesetz erwar­tet dies auch in ande­ren Zusam­men­hän­gen 7 und trägt bestehen­den Schwie­rig­kei­ten dadurch Rech­nung, dass es den Stan­des­äm­tern die Befug­nis ein­räumt, in Zwei­fels­fäl­len nach § 49 Abs. 2 PStG eine Ent­schei­dung des Gerichts her­bei­zu­füh­ren.

Das Kam­mer­ge­richt hat in der Vor­in­stanz ent­spre­chend die­sen Maß­stä­ben die Vor­fra­ge der Schei­dung inzi­dent geprüft und auf die Schei­dung, die kei­nen Aus­lands­be­zug auf­ge­wie­sen hat, zutref­fend das ägyp­ti­sche Recht ange­wen­det.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 28. Novem­ber 2018 – XII ZB 217/​17

  1. vgl. BVerfG Fam­RZ 2014, 449 Rn. 10 mwN; SG Dort­mund Urteil vom 25.10.2017 S 35 AS 1278/​16 WA 38 f.[]
  2. KG, Beschluss vom 04.04.2017 1 W 447/​16, StAZ 2018, 24[]
  3. BGH, Beschluss BGHZ 82, 34 = Fam­RZ 1982, 44, 45[]
  4. EuGH, Urteil vom 20.12 2017 Fam­RZ 2018, 169 Sah­youni[]
  5. OLG Nürn­berg Fam­RZ 2017, 360; OLG Frank­furt Fam­RZ 2005, 989; Zöller/​Geimer ZPO 32. Aufl. § 107 FamFG Rn. 7[]
  6. vgl. auch OLG Frank­furt Fam­RZ 2005, 989[]
  7. vgl. BGH, Beschluss BGHZ 210, 59 = Fam­RZ 2016, 1251 Rn. 22[]