Zuge­winn­aus­gleich – und die illoya­le Ver­mö­gens­min­de­rung

Der Tat­be­stand einer illoya­len Ver­mö­gens­min­de­rung ist nur dann schlüs­sig dar­ge­legt, wenn der in Rede ste­hen­de Betrag nicht im Rah­men einer ord­nungs­ge­mä­ßen Lebens­füh­rung ver­braucht wor­den sein kann 1.

Zuge­winn­aus­gleich – und die illoya­le Ver­mö­gens­min­de­rung

Nach § 1378 Abs. 1 BGB schul­det der Ehe­gat­te, der den höhe­ren Zuge­winn erwirt­schaf­tet hat, dem Ehe­gat­ten mit dem gerin­ge­ren Zuge­winn die Hälf­te des Über­schus­ses als Aus­gleich. Zuge­winn ist der Betrag, um den das End­ver­mö­gen eines Ehe­gat­ten das Anfangs­ver­mö­gen über­steigt (§ 1373 BGB).

Nach § 1375 Abs. 2 Satz 1 Nr. 2 BGB wird dem End­ver­mö­gen eines Ehe­gat­ten der Betrag hin­zu­ge­rech­net, um den die­ses Ver­mö­gen dadurch ver­min­dert ist, dass ein Ehe­gat­te nach Ein­tritt des Güter­stands Ver­mö­gen ver­schwen­det hat. Dabei ist unter Ver­schwen­dung das ziel­lo­se und unnüt­ze Aus­ge­ben von Geld in einem Maße zu ver­ste­hen, das in kei­nem Ver­hält­nis zu den Ein­kom­mens- und Ver­mö­gens­ver­hält­nis­sen des Ehe­gat­ten stand. Ein groß­zü­gi­ger Lebens­stil oder ein Leben über die Ver­hält­nis­se reicht dage­gen nicht aus 2.

Die Dar­le­gungs- und Beweis­last für das Vor­han­den­sein von End­ver­mö­gen obliegt grund­sätz­lich dem Aus­gleichs­gläu­bi­ger. Bereits unter der Gel­tung des frü­he­ren Zuge­winn­aus­gleichs­rechts traf den nicht beweis­be­las­te­ten Aus­gleichs­schuld­ner jedoch pro­zes­su­al die Oblie­gen­heit, eine schlüs­sig behaup­te­te illoya­le Ver­mö­gens­min­de­rung sub­stan­ti­iert zu bestrei­ten, weil die vor­ge­tra­ge­nen Tat­sa­chen sei­ne eige­nen Hand­lun­gen betref­fen. Das ist auch seit dem Inkraft­tre­ten des neu­en Zuge­winn­aus­gleichs­rechts nicht anders zu beur­tei­len 3.

Eine schlüs­sig behaup­te­te illoya­le Ver­mö­gens­min­de­rung setzt jedoch behaup­te­te Geld­aus­ga­ben in einer Höhe vor­aus, die ein illoya­les Über­schrei­ten des den Ein­kom­mens- und Ver­mö­gens­ver­hält­nis­sen des Ehe­gat­ten Ange­mes­se­nen als mög­lich erschei­nen las­sen. Das ist nur dann der Fall, wenn der Betrag, des­sen Ver­bleib unge­klärt ist, außer Ver­hält­nis zu den Ein­kom­mens- und Ver­mö­gens­ver­hält­nis­sen steht und sich des­halb die Mög­lich­keit einer illoya­len Ver­schwen­dung auf­drängt. Um das beur­tei­len zu kön­nen, muss der Tatrich­ter des­halb die Ein­kom­mens- und Ver­mö­gens­ver­hält­nis­se ermit­teln und den nicht auf­ge­klär­ten Betrag dazu in Bezie­hung set­zen.

In dem hier vom Bun­des­ge­richts­hof ent­schie­de­nen Fall stand mit der Abhe­bung eines Betra­ges von 4.336 € aus dem Bau­spar­gut­ha­ben ein unauf­ge­klär­ter Betrag im Raum, der umge­legt auf die Zeit­span­ne von vier­ein­halb Mona­ten zwi­schen dem Datum der Abhe­bung am 26.04.2006 und dem Stich­tag am 14.09.2006 monat­lich rund 1.000 € beträgt.

Ein sol­cher Betrag könn­te nur dann den Ver­dacht einer ver­schwen­de­ri­schen Aus­ga­be begrün­den, wenn er in dem Zeit­raum zwi­schen der Abhe­bung und der Zustel­lung des Schei­dungs­an­trags nicht im Rah­men einer ord­nungs­ge­mä­ßen Lebens­füh­rung ver­braucht wor­den sein kann. Nur dann wäre der objek­ti­ve und sub­jek­ti­ve Tat­be­stand einer Hand­lung im Sin­ne von § 1375 Abs. 2 Satz 1 Nr. 2 BGB schlüs­sig dar­ge­legt 4 und wäre die sekun­dä­re Dar­le­gungs- und Beweis­last über den Ver­bleib des Gel­des aus­ge­löst.

Ob die Schwel­le der ver­schwen­de­ri­schen Lebens­füh­rung durch den Ver­brauch des in Rede ste­hen­den Betra­ges über­schrit­ten wor­den sein kann, ist zunächst anhand der kon­kre­ten Ein­kom­mens- und Ver­mö­gens­ver­hält­nis­se zu prü­fen.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 20. Mai 2015 – XII ZB 314/​14

  1. im Anschluss an BGH, Beschluss vom 12.11.2014 – XII ZB 469/​13 , Fam­RZ 2015, 232[]
  2. BGH, Beschluss vom 12.11.2014 – XII ZB 469/​13 , Fam­RZ 2015, 232 Rn. 13 mwN[]
  3. BGH, Beschluss vom 12.11.2014 – XII ZB 469/​13 , Fam­RZ 2015, 232 Rn. 14, 18 mwN[]
  4. vgl. BGH, Beschluss vom 12.11.2014 – XII ZB 469/​13 , Fam­RZ 2015, 232 Rn.19[]