BAföG – und das ver­scho­be­ne Eltern­ver­mö­gen

Eine Dar­le­hens­ab­re­de, die ein min­der­jäh­ri­ges Kind mit einem Eltern­teil ohne die Geneh­mi­gung des Fami­li­en­ge­richts trifft, ist zivil­recht­lich unwirk­sam.

BAföG – und das ver­scho­be­ne Eltern­ver­mö­gen

Nach der Recht­spre­chung des Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richts 1 han­delt der Aus­zu­bil­den­de grund­sätz­lich rechts­miss­bräuch­lich, wenn er im Hin­blick auf eine kon­kret geplan­te oder schon begon­ne­ne Aus­bil­dung, für die Aus­bil­dungs­för­de­rung in Anspruch genom­men wer­den soll, um eine Anrech­nung von Ver­mö­gen zu ver­mei­den, Ver­mö­gen an einen Drit­ten unent­gelt­lich über­trägt, ohne eine des­sen Wert ent­spre­chen­de Gegen­leis­tung zu bekom­men, anstatt es für sei­nen Lebens­un­ter­halt und sei­ner Aus­bil­dung ein­zu­set­zen. Hier­auf beruht die Fra­ge­stel­lung in Zei­le 121 des amt­li­chen Antrags­vor­drucks für die Bewil­li­gung von Aus­bil­dungs­för­de­rungs­leis­tun­gen. Ein gewich­ti­ges Indiz für die Absicht des Aus­zu­bil­den­den, durch die Ver­mö­gens­über­tra­gung eine Anrech­nung von Ver­mö­gen zu ver­mei­den, liegt vor, wenn die Ver­mö­gens­über­tra­gung zeit­nah zur Bean­tra­gung von Aus­bil­dungs­för­de­rung erfolgt 2. Danach ist Vor­aus­set­zung für die Annah­me des Rechts­miss­brauchs ein ziel- und zweck­ge­rich­te­tes, fina­les Han­deln des Aus­zu­bil­den­den, mit dem allei­ni­gen Ziel, in den Genuss von Aus­bil­dungs­för­de­rungs­leis­tun­gen zu gelan­gen. Gibt es für die Ver­fü­gung über die For­de­rung und /​oder den Ver­brauch der ange­leg­ten Gel­der eine nach­voll­zieh­ba­re, wirt­schaft­lich sinn­vol­le Begrün­dung, schei­det die Annah­me eines Rechts­miss­brau­ches aus. Ohne Erfolg beruft sich die Antrag­stel­le­rin hier auf eine Dar­le­hens­ver­ein­ba­rung zwi­schen ihr und ihrem Vater.

Für die Fra­ge, ob ein behaup­te­tes Dar­le­hen recht­lich anzu­er­ken­nen ist, ist allein maß­geb­lich, ob ein Dar­le­hens­ver­trag zivil­recht­lich wirk­sam abge­schlos­sen wor­den ist und dies von dem inso­weit dar­le­gungs­pflich­ti­gen Aus­zu­bil­den­den auch nach­ge­wie­sen wer­den kann. Weil und soweit der für den Aus­zu­bil­den­den för­de­rungs­recht­lich güns­ti­ge Umstand, ob und in wel­chem Umfang er Schul­den hat, sei­ne Sphä­re betrifft, obliegt ihm bei der Auf­klä­rung der erfor­der­li­chen Tat­sa­chen eine gestei­ger­te Mit­wir­kungs­pflicht; die Nicht­er­weis­lich­keit der Tat­sa­chen geht zu sei­nen Las­ten. Um der Gefahr des Miss­brauchs zu begeg­nen, ist Vor­aus­set­zung für die Annah­me einer Dar­le­hens­ab­re­de zwi­schen nahen Ange­hö­ri­gen, dass sich die Dar­le­hens­ge­währ auch anhand der tat­säch­li­chen Durch­füh­rung klar und ein­deu­tig von einer ver­schlei­er­ten Schen­kung oder einer ver­deck­ten, auch frei­wil­li­gen Unter­halts­ge­wäh­rung abgren­zen lässt 3. Die Dar­le­hens­ver­ein­ba­rung zwi­schen der Antrag­stel­le­rin und ihrem Vater ist weder zivil­recht­lich wirk­sam noch auf­grund der unkla­ren Durch­füh­rung der Ver­ein­ba­rung von einer ver­schlei­er­ten Schen­kung abzu­gren­zen.

Da vor­lie­gend die Zah­lung der Dar­le­hens­sum­me auf das Kon­to der Antrag­stel­le­rin im Jahr 2008 erfolg­te und der Erfül­lung einer Dar­le­hens­ge­wäh­rungs­pflicht ihres Vaters die­nen soll­te, behaup­tet die Antrag­stel­le­rin den Abschluss eines Dar­le­hens­ver­tra­ges vor den Zeit­punk­ten der Ein­zah­lun­gen auf ihr Kon­to. Zu die­sem Zeit­punkt war sie noch min­der­jäh­rig, da sie ihr 18. Lebens­jahr erst am 29.12.2008 voll­ende­te. Zu die­sem Zeit­punkt konn­te sie recht­lich einen Dar­le­hens­ver­trag mit ihrem Vater nicht wirk­sam schlie­ßen. Dem steht nicht allein das – durch nach­träg­li­che Geneh­mi­gung außer Kraft zu set­zen­de – Ver­bot des Insich­ge­schäfts nach § 181 BGB ent­ge­gen, son­dern vor allem die Rege­lun­gen in §§ 1643 Abs. 1 i.V.m. 1822 Nr. 8 BGB. Gemäß § 1643 Abs. 1 BGB bedür­fen die Eltern zu Rechts­ge­schäf­ten für das Kind der Geneh­mi­gung des Fami­li­en­ge­richts in den Fäl­len, in denen nach § 1821 und nach § 1822 Nr. 1, 3, 5, 8 bis 11 ein Vor­mund der Geneh­mi­gung bedarf. Gemäß § 1822 Nr. 8 BGB bedarf der Vor­mund der Geneh­mi­gung des Fami­li­en­ge­richts zu Auf­nah­me von Geld auf den Kre­dit des Mün­dels. Wenn also das min­der­jäh­ri­ge Kind mit einer Kre­dit­ver­bind­lich­keit belas­tet wer­den soll, bedarf es also einer fami­li­en­ge­richt­li­chen Geneh­mi­gung. Ohne die­se ist das Rechts­ge­schäft unwirk­sam. Eine sol­che ver­mag die Antrag­stel­le­rin nicht vor­zu­le­gen, behaup­tet sie auch nicht. Der Ver­trag war und ist damit zivil­recht­lich unwirk­sam und damit aus­bil­dungs­för­de­rungs­recht­lich unbe­acht­lich 4.

Hin­zu kam im hier ent­schie­de­nen Fall: Die angeb­li­che Dar­le­hens­ab­re­de ist auch nicht klar und ein­deu­tig. Unklar ist, wor­auf auch die Antrags­geg­ne­rin abstellt, wie­so die Rück­zah­lung des Dar­le­hens erst 2011 erfolgt. Das Dar­le­hen war nach Aus­sa­ge der Antrag­stel­le­rin für eine grö­ße­re Anschaf­fung gedacht, die die Antrag­stel­le­rin dann aber nicht wei­ter ver­folgt haben will. Zunächst bleibt völ­lig unklar, was die Antrag­stel­le­rin hat anschaf­fen wol­len. Nach­dem sich die­se Anschaf­fungs­ab­sicht zer­schla­gen hat­te, hät­te die Antrag­stel­le­rin Grün­de dafür dar­le­gen müs­sen, dass, und vor allem war­um, die­ser Pro­zess drei Jah­re gedau­ert hat. Der­ar­ti­ge ver­nünf­ti­ge und nach­voll­zieh­ba­re Grün­de ver­moch­te sie nicht dar­zu­le­gen. Sie hat dar­über hin­aus auch nicht plau­si­bel machen kön­nen, wie­so sie auf die ver­meint­li­che Dar­le­hens­ge­wäh­rung in Höhe von 21.500, 00 Euro ledig­lich 20.650, 00 Euro hat zurück­zah­len müs­sen. Wenn sie inso­weit aus­führt, dies habe sie allein der Groß­zü­gig­keit ihres Vaters zu ver­dan­ken, spricht dies ins­ge­samt viel­mehr eher für einen Schen­kungs­vor­gang als für ein Dar­le­hen.

Ver­wal­tungs­ge­richt Göt­tin­gen, Beschluss vom 7. Juli 2014 – 2 B 211/​14

  1. BVerwG, Urtei­le vom 14.03.2013 -5 C 10/​12, NVwZ-RR 2013, 689; und vom 13.01.1983 – 5 C 103/​80, DVBl.1983, 846; eben­so VG Göt­tin­gen, Urteil vom 07.08.2012 ‑2 A 153/​11
  2. vgl. BVerwG, Urteil vom 14.03.2013, a.a.O.; Bay­ri­scher VGH, Urteil vom 28.01.2009 -12 B 08.824
  3. BVerwG, Urteil vom 04.09.2008 – 5 C 30.07 – DVBl.2009, 125
  4. vgl. zu einem ähn­li­chen Fall, VG Chem­nitz, Urteil vom 25.05.2009 -4 K 285/​05