Die Kos­ten der Bart­haar­ent­fer­nung bei Trans­se­xu­el­len

Kran­ken­kas­sen haben bei Trans­se­xu­el­len die Kos­ten für eine Bart­haar­ent­fer­nung zu über­neh­men.

Die Kos­ten der Bart­haar­ent­fer­nung bei Trans­se­xu­el­len

Mit die­ser Begrün­dung hat das Sozi­al­ge­richt Han­no­ver einem tran­se­xu­el­len Klä­ger Recht gege­ben und die gesetz­li­che Kran­ken­kas­se dazu ver­pflich­tet, die Kos­ten für eine Nadel­epi­la­ti­ons­be­hand­lung zur Ent­fer­nung von Bart­haa­ren bei einem Trans­se­xu­el­len durch eine ent­spre­chend qua­li­fi­zier­ten Kos­me­ti­ker zu über­neh­men hat. Geklagt hat­te eine im Jah­re 1972 als Mann gebo­re­nen Frau aus Han­no­ver, der im Jah­re 2015 ärzt­li­cher­seits Trans­se­xua­li­tät attes­tiert wur­de. Star­ker Bart­wuchs berei­te­te der Klä­ge­rin in der Bewäl­ti­gung der neu­en Rol­le Schwie­rig­kei­ten. Am Nach­mit­tag war eine Nach­ra­sur mit der Ent­fer­nung und Neu­auf­tra­gung eines Camou­fla­ge-Make-Ups not­wen­dig. Eine Behand­lung mit­tels Nadel­epi­la­ti­on durch einen Haut­arzt, der den aus­ge­präg­ten Haar­wuchs im Gesicht bestä­tig­te, führ­te bei der Klä­ge­rin zu einem deut­lich ver­schlech­ter­ten ent­zünd­li­chen Haut­bild. Die Kran­ken­kas­se lehn­te die Kos­ten­über­nah­me ab, da sie als gesetz­li­che Kran­ken­ver­si­che­rung dem Arzt­vor­be­halt unter­lie­ge.

In sei­ner Ent­schei­dung hat das Sozi­al­ge­richt Han­no­ver auf die Recht­spre­chung des Bun­des­so­zi­al­ge­richts abge­stellt, wonach trans­se­xu­el­le Ver­si­cher­te gegen die gesetz­li­che Kran­ken­ver­si­che­rung Anspruch auf geschlechts­an­glei­chen­de Behand­lungs­maß­nah­men ein­schließ­lich chir­ur­gi­scher Ein­grif­fe in gesun­de Orga­ne zur Min­de­rung ihres psy­chi­schen Lei­dens­drucks haben, um sich dem Erschei­nungs­bild des ange­streb­ten ande­ren Geschlechts deut­lich anzu­nä­hern. Im vor­lie­gen­den Fall lie­ge wegen des Feh­lens kon­kre­ti­sie­ren­der Rechts­grund­la­gen für die hier strei­ti­ge Bar­tent­fer­nung ein Sys­tem­man­gel vor, der dazu füh­re, dass die Klä­ge­rin nicht auf die Inan­spruch­nah­me von Ver­trags­ärz­ten beschränkt sei. Berück­sich­tigt hat das Sozi­al­ge­richt dabei auch, dass die ärzt­li­che Behand­lung einer­seits zu einem deut­lich ver­schlech­ter­ten ent­zünd­li­chen Haut­bild führ­te und ande­rer­seits, dass die Nadel­epi­la­ti­on bei der Klä­ge­rin durch eine Elek­tro­lo­gis­tin ein wesent­lich bes­se­res Haut­bild ohne ent­zünd­li­che Haut­re­ak­ti­on zeig­te.

Sozi­al­ge­richt Han­no­ver, Urteil vom 19. Sep­tem­ber 2018 – S 86 KR 384/​18 (nicht rechts­kräf­tig)