Finan­zie­rungs­kos­ten des Eigen­heims wäh­rend des Hartz-IV-Bezugs

Die Finan­zie­rungs­kos­ten eines Eigen­heims sind im Rah­men des ALG II-Bezugs nur in Höhe der Kos­ten einer ange­mes­se­nen Miet­woh­nung zu über­neh­men, ent­schied das Bun­des­so­zi­al­ge­richt.

Finan­zie­rungs­kos­ten des Eigen­heims wäh­rend des Hartz-IV-Bezugs

Dem Urteil des Bun­deso­zi­al­ge­richts lag fol­gen­der Sach­ver­halt zugrun­de: Die mit­ein­an­der ver­hei­ra­te­ten Klä­ger bewoh­nen gemein­sam ein Eigen­heim mit einer Wohn­flä­che von 97 qm, das auf einem ca 2.400 qm gro­ßen Grund­stück in einem Natur­schutz­ge­biet in Ober­bay­ern liegt. Zum 1. April 2005 bestan­den Verbindlich­keiten der Klä­ger gegen­über einer dar­le­hens­ge­ben­den Bank in Höhe von 340.786,97 €. Dar­aus resul­tier­te für den Monat Dezem­ber 2005 eine Schuld­zins­be­las­tung in Höhe von 1.708,71 €. Dazu kamen Neben­kos­ten (Hei­zung, Grund­steu­er, Kamin­kehrer, Müll­ab­fuhr, Be- und Ent­wäs­se­rung, Wohn­ge­bäu­de­ver­si­che­rung) in Höhe von 169,13 €.

Der 1954 gebo­re­ne Klä­ger zu 1. bezog bis Mai 2005 Arbeits­lo­sen­geld. Danach war er bis ein­schließ­lich Dezem­ber 2005 ohne Ein­kom­men. Die Klä­ge­rin zu 2. ist als Beam­tin tätig und wird nach Besol­dungs­grup­pe A 12 BBe­sO ver­gü­tet; im Dezem­ber 2005 erziel­te sie (unter antei­li­ger Ein­beziehung von Ein­mal­zah­lun­gen) ein Ein­kom­men in Höhe von 3.523,70 Euro brut­to. Im März 2005 bean­trag­ten die Klä­ger Leis­tun­gen zur Siche­rung des Lebens­un­ter­halts nach dem SGB II. Der beklag­te Grund­si­che­rungs­trä­ger, der Land­kreis Mies­bach, berück­sich­tig­te für die ers­ten sechs Mona­te nach Antrag­stel­lung die von den Klä­gern gel­tend gemach­te monat­li­che Belas­tung mit Dar­le­hens­zin­sen in Höhe von 1.708,71 Euro. Für den Monat Dezem­ber 2005 lehn­te er Leis­tun­gen ab.

Die dar­auf­hin erho­be­ne Kla­ge wur­de vom Sozi­al­ge­richt Mün­chen abge­wie­sen [1], die dage­gen gerich­te­te Beru­fung vom Lan­des­so­zi­al­ge­richt Mün­chen zurück gewie­sen [2].

Mit ihrer Revi­si­on machen die Klä­ger nun vor dem Bun­des­so­zi­al­ge­richt gel­tend, der Beklag­te und die Vor­in­stan­zen hiel­ten zu Unrecht die Kos­ten für eine ver­gleich­ba­re ange­mes­se­ne Miet­woh­nung für einen geeig­ne­ten Maß­stab zur Bestim­mung der Unter­kunfts­kos­ten von Eigen­heim­be­woh­nern; dies ver­sto­ße gegen den Gleich­heits­satz und den Eigen­tums­schutz des Grund­ge­set­zes.

Das Bun­des­so­zi­al­ge­richt hat nun das Urteil des Lan­des­so­zi­al­ge­richts auf­ge­ho­ben und die Sache zur erneu­ten Ver­hand­lung und Ent­schei­dung zurück­ver­wie­sen, weil für eine abschlie­ßen­de Ent­schei­dung die not­wen­di­gen Tat­sa­chen­fest­stel­lun­gen feh­len. Das Lan­des­so­zi­al­ge­richt hat nach Ansicht des Bun­des­so­zi­al­ge­richts aller­dings zutref­fend als Kos­ten der Unter­kunft und Hei­zung ledig­lich die Kos­ten zugrun­de gelegt, die im maß­geb­li­chen ört­li­chen Bereich für ver­gleich­ba­re Miet­woh­nun­gen als ange­mes­sen anzu­se­hen sind. Nach § 22 Abs 1 Satz 1 SGB II wer­den Leis­tun­gen für Unter­kunft und Hei­zung in Höhe der tat­säch­li­chen Auf­wen­dun­gen erbracht, soweit die­se ange­mes­sen sind. Die Ange­mes­sen­heit der Woh­nungs­kos­ten ist in meh­re­ren Schrit­ten zu prü­fen: Zunächst bedarf es der Fest­stel­lung, wel­che Grö­ße die von der Bedarfs­ge­mein­schaft bewohn­te Woh­nung hat, sodann ist der Woh­nungs­stan­dard zu berück­sich­ti­gen. Ange­mes­sen sind die Auf­wen­dun­gen für eine Woh­nung, die nach Aus­stat­tung, Lage und Bau­sub­stanz ein­fa­chen und grund­le­gen­den Bedürf­nis­sen genügt und kei­nen geho­be­nen Wohn­stan­dard auf­weist.

Dabei ist als räum­li­cher Maß­stab in ers­ter Linie der Wohn­ort des Hil­fe­be­dürf­ti­gen maß­ge­bend. Schließ­lich ist zu über­prü­fen, ob auch die kon­kre­te Mög­lich­keit besteht, eine abs­trakt als ange­mes­sen ange­se­he­ne Woh­nung auf dem Woh­nungs­markt anzu­mie­ten. Die­se zu Miet­woh­nun­gen ent­wi­ckel­ten Grund­sät­ze gel­ten auch, soweit Hil­fe­be­dürf­ti­ge ein selbst genutz­tes Haus­grund­stück von ange­mes­se­ner Grö­ße bewoh­nen, das nach § 12 Abs 3 Satz 1 Nr 4 SGB II nicht als Ver­mö­gen berück­sich­tigt wird und daher den Anspruch auf Grund­si­che­rungs­leis­tun­gen nicht von vorn­her­ein aus­schließt. Die ? vom LSG vor­lie­gend unter­stell­te – Ange­mes­sen­heit des von den Klä­gern bewohn­ten Hau­ses indi­ziert jedoch nicht die Ange­mes­sen­heit der Unter­kunfts­kos­ten für die­ses Haus iS des § 22 SGB II. Die Fra­ge der Ange­mes­sen­heit der Unter­kunfts­kos­ten ist viel­mehr, wie der Senat bereits mehr­fach ent­schie­den hat, für Mie­ter und Haus­ei­gen­tü­mer nach ein­heit­li­chen Kri­te­ri­en zu beant­wor­ten. Den Ver­gleichs­maß­stab bil­det die für Wohn­be­rech­tig­te im sozia­len Miet­woh­nungs­bau jeweils maß­ge­ben­de Wohn­raum­grö­ße (im vor­lie­gen­den Fall 65 qm für die aus zwei Per­so­nen bestehen­de Bedarfs­ge­mein­schaft). Finan­zie­rungs­kos­ten für ein selbst genutz­tes Haus, die die nach den genann­ten Maß­stä­ben zu ermit­teln­den Kos­ten über­schrei­ten, sind unan­ge­mes­sen.

Bun­des­so­zi­al­ge­richt, Urteil vom 2. Juli 2009 – B 14 AS 32/​07

  1. SG Mün­chen – S 52 AS 1039/​05[]
  2. Baye­ri­sches LSG – L 7 AS 182/​06[]