Kein Kin­der­geld für poli­tisch akti­ve Stu­den­ten

Die Tätig­keit im Bun­des­vor­stand eines einer poli­ti­schen Par­tei nahe ste­hen­den Stu­den­ten­ver­ban­des kann nach Ansicht des Finanz­ge­richts Rhein­land-Pfalz nicht zur Berufs­aus­bil­dung im Sin­ne des Kin­der­geld­rechts gezählt wer­den.

Kein Kin­der­geld für poli­tisch akti­ve Stu­den­ten

In dem von den Neu­städ­ter Finanz­rich­tern zu ent­schei­den­den Streit­fall hat­te der Sohn des Klä­gers ab dem Win­ter­se­mes­ter 2005/​2006 an einer Uni­ver­si­tät ein Stu­di­um der Rechts­wis­sen­schaf­ten begon­nen. Vom 1. April 2007 bis zum 31. März 2008 war er beur­laubt, wäh­rend die­ser Zeit war er gegen Zah­lung einer Auf­wands­ent­schä­di­gung als Mit­glied im Bun­des­vor­stand (Schatz­meis­ter) des poli­ti­schen Stu­den­ten­ver­ban­des beschäf­tigt.

Mit Bescheid der Fami­li­en­kas­se vom 31. Janu­ar 2008 wur­de die Kin­der­geld­fest­set­zung für S auf­ge­ho­ben und das von April 2007 bis Febru­ar 2008 aus­ge­zahl­te Kin­der­geld in Höhe von 1.694.- € zurück­ge­for­dert. Das wur­de damit begrün­det, dass eine kin­der­geld­schäd­li­che Unter­bre­chung der Berufs­aus­bil­dung z.B. dann vor­lie­ge, wenn sich ein Stu­die­ren­der wegen Mit­ar­beit in der stu­den­ti­schen Selbst­ver­wal­tung der Hoch­schu­le vom Stu­di­um beur­lau­ben las­se. Bei der Tätig­keit als Schatz­meis­ter han­de­le es sich pri­mär um eine bezahl­te, pro­fes­sio­nel­le Vor­stands­tä­tig­keit in einem bun­des­weit täti­gen poli­ti­schen Stu­den­ten­ver­band. Es wer­de nicht bestrit­ten, dass die­se Vor­stands­tä­tig­keit einem Stu­den­ten der Rechts­wis­sen­schaf­ten Gele­gen­heit bie­te, sei­ne im bis­he­ri­gen Stu­di­um erwor­be­nen Kennt­nis­se und Fer­tig­kei­ten dort ein­zu­brin­gen. Dem Klä­ger kön­ne aber nicht dar­in gefolgt wer­den, wenn er die Tätig­keit als Vor­stands­mit­glied als Berufs­aus­bil­dung auf­wer­ten wol­le.

Mit sei­ner Kla­ge trug der Klä­ger u.a. vor, die Tätig­keit sei­nes Soh­nes als Vor­stand und Schatz­meis­ter sei – ver­gleich­bar einem Prak­ti­kum – als Beruf­aus­bil­dung zu berück­sich­ti­gen. Es kom­me allein dar­auf an, ob das Kind im Prak­ti­kum Fähig­kei­ten und Kennt­nis­se erwer­be, die als Grund­la­ge für die Aus­übung des ange­streb­ten Berufs geeig­net sei­en, das habe der Bun­des­fi­nanz­hof zu einer Tätig­keit in einem Anwalts­bü­ro ent­schie­den. Als wei­te­res Indiz, dass die Tätig­keit als kon­kret berufs­be­zo­ge­ne Aus­bil­dungs­maß­nah­me zu sehen sei, kön­ne gewer­tet wer­den, dass der Sohn zwi­schen­zeit­lich wie­der an der Uni für das Som­mer­se­mes­ter 2008 ein­ge­schrie­ben sei und wie von Anfang an vor­ge­se­hen, wie­der im vol­len Umfang am Vor­le­sungs­be­trieb teil­neh­men wer­de.

Die Kla­ge hat­te vor dem Finanz­ge­richt aller­dings kei­nen Erfolg: Nach der Recht­spre­chung des Bun­des­fi­nanz­ho­fes befin­de sich nur in Berufs­aus­bil­dung, wer sein Berufs­ziel noch nicht erreicht habe, sich aber ernst­lich dar­auf vor­be­rei­te. Der Vor­be­rei­tung auf ein Berufs­ziel dien­ten alle Maß­nah­men, bei denen es sich um den Erwerb von Kennt­nis­sen, Fähig­kei­ten und Erfah­run­gen han­de­le, die als Grund­la­gen für die Aus­übung des ange­streb­ten Berufs geeig­net sei­en. Nach Über­zeu­gung des Finanz­ge­richts Rhein­land-Pfalz han­de­le es sich bei der Vor­stands­tä­tig­keit aber nicht um ein Prak­ti­kum, bzw. um eine Maß­nah­me zum Erwerb von Kennt­nis­sen, Fähig­kei­ten und Erfah­run­gen, die als Grund­la­gen für die Aus­übung des ange­streb­ten Berufs geeig­net sei­en.

In sei­nem ers­ten Antrag auf Beur­lau­bung vom Stu­di­um habe der Sohn kei­ne ent­spre­chen­den Anga­ben gemacht. Selbst wenn der Sohn als Beur­lau­bungs­grund die Ableis­tung eines Prak­ti­kums ange­ge­ben hät­te, wür­de sich kein ande­res Ergeb­nis erge­ben, weil die Bezeich­nung einer Tätig­keit als „Prak­ti­kum” – für sich gese­hen – wenig ergie­big sei. Eine hin­rei­chen­de Eig­nung der Vor­stands­tä­tig­keit be deim poli­ti­schen Stu­den­ten­ver­band zum Erwerb von Kennt­nis­sen, Fähig­kei­ten und Erfah­run­gen, die als Aus­übung sei­nes ange­streb­ten Berufs geeig­net sein soll­ten, kön­ne das Gericht nicht erken­nen. Auch wenn die Vor­stands­tä­tig­keit das Erfah­rungs­wis­sen des Soh­nes sicher­lich berei­chert habe und sich för­der­lich auf die spä­te­re Berufs­tä­tig­keit aus­wir­ke, reich­ten die­se posi­ti­ven Wir­kun­gen hin­ge­gen nicht aus, um als „Berufs­aus­bil­dung” im Sin­ne des Kin­der­geld­rechts qua­li­fi­ziert wer­den zu kön­nen, da sol­che Wir­kun­gen von einer Viel­zahl, die Lebens­er­fah­rung berei­chern­den all­ge­mei­nen Betä­ti­gun­gen aus­gin­gen.

Finanz­ge­richt Rhein­land-Pfalz, Urteil vom 20. Novem­ber 2009 – 5 K 2456/​08