Kei­ne Bei­trags­ent­las­tung für Eltern in der Sozi­al­ver­si­che­rung

Nach Ansicht des Bun­des­so­zi­al­ge­richts ist es nicht ver­fas­sungs­wid­rig, dass der Gesetz­ge­ber kei­ne Bei­trags­ent­las­tung für Eltern wegen ihrer Betreu­ungs- und Erzie­hungs­leis­tun­gen in der gesetz­li­chen Ren­ten­ver­si­che­rung, Kran­ken­ver­si­che­rung und Pfle­ge­ver­si­che­rung vor­ge­se­hen hat.

Kei­ne Bei­trags­ent­las­tung für Eltern in der Sozi­al­ver­si­che­rung

Unbe­streit­bar leis­ten, so das Bun­des­so­zi­al­ge­richt, Eltern durch die Betreu­ung und Erzie­hung von Kin­dern über ihre mone­tä­ren Bei­trä­ge hin­aus auch einen gene­ra­ti­ven Bei­trag, der sich auf den Erhalt der umla­ge­fi­nan­zier­ten gesetz­li­chen Ren­ten­ver­si­che­rung aus­wirkt, wenn die Kin­der spä­ter selbst zu Bei­trags­zah­lern wer­den. Dass Eltern und Kin­der­lo­se bei der Bei­trags­be­mes­sung den­noch gleich behan­delt wer­den, ver­stößt jedoch nicht gegen die Ver­fas­sung, weil es im Leis­tungs­recht der gesetz­li­chen Ren­ten­ver­si­che­rung zusätz­li­che Leis­tun­gen für Eltern gibt, zum Bei­spiel Kin­der­er­zie­hungs­zei­ten. Hier­durch hat der Gesetz­ge­ber nach Auf­fas­sung des Bun­des­so­zi­al­ge­richts den ihm bei der Gestal­tung der gesetz­li­chen Ren­ten­ver­si­che­rung zukom­men­den Spiel­raum in ver­fas­sungs­recht­lich unbe­denk­li­cher Wei­se genutzt.

Inwie­weit eine stär­ke­re Berück­sich­ti­gung der Betreu­ungs- und Erzie­hungs­leis­tung mög­li­cher­wei­se sozi­al­po­li­tisch wün­schens­wert oder ange­zeigt ist, obliegt allein der Ent­schei­dung des hier­zu beru­fe­nen par­la­men­ta­ri­schen Gesetz­ge­bers. Das Bun­des­so­zi­al­ge­richt hat damit sei­ne in den Urtei­len aus den Jah­ren 2006 und 2015 geäu­ßer­te Rechts­auf­fas­sung bestä­tigt 1. Eine Vor­la­ge an das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt erfolg­te wie­der­um nicht.

In for­ma­ler Hin­sicht beka­men die kla­gen­den Eltern zwar recht: Das Bun­des­so­zi­al­ge­richt hob die ange­foch­te­nen Beschei­de aus for­ma­len Grün­den auf, weil dar­in zu Unrecht ein Anspruch auf Über­prü­fung frü­he­rer Beschei­de ver­neint wur­de. Mit ihrem eigent­li­chen Begeh­ren einer Bei­trags­ent­las­tung in der gesetz­li­chen Ren­ten- und Kran­ken­ver­si­che­rung sowie in der sozia­len Pfle­ge­ver­si­che­rung dran­gen die Klä­ger aber auch in die­sem Ver­fah­ren nicht durch, weil ihr ursprüng­li­cher Antrag nur die gesetz­li­che Ren­ten­ver­si­che­rung betraf.

Bun­des­so­zi­al­ge­richt, Urteil vom 20. Juli 2017 – B 12 KR 14/​15 R

  1. BSG, Urtei­le vom 05.07.2006 – B 12 KR 20/​04 R; und om 30. Sep­tem­ber 2015 – B 12 KR 15/​14 R und B 12 KR 13/​13 R[]