Kei­ne Pati­en­ten­un­ter­la­gen für die Kran­ken­kas­se

Das Lan­des­so­zi­al­ge­richt Nie­der­sach­sen-Bre­men hat in einem jetzt rechts­kräf­tig gewor­de­nen Urteil das Begeh­ren einer gesetz­li­chen Kran­ken­kas­se abge­lehnt, die von einem zuge­las­se­nen Kran­ken­haus die Her­aus­ga­be von bzw. Ein­sicht­nah­me in Behand­lungs­un­ter­la­gen einer bei ihr ver­si­cher­ten Pati­en­tin gefor­dert hat­te.

Kei­ne Pati­en­ten­un­ter­la­gen für die Kran­ken­kas­se

Das Lan­des­so­zi­al­ge­richt hat in sei­ner Ent­schei­dung unter ande­rem klar­ge­stellt, dass die Rege­lung des § 249a SGB V Mit­tei­lungs­pflich­ten der Ärz­te und Kran­ken­häu­ser gegen­über einer Kran­ken­kas­se nur bei sog. „dritt­ver­ur­sach­ten“ Gesund­heits­schä­den begrün­det, jedoch nicht, wenn die Kran­ken­kas­se selbst – wie im vor­lie­gen­den Fal­le – die Kran­ken­haus­ab­rech­nung über­prü­fen und mög­li­che Erstat­tungs­an­sprü­che wegen zu Unrecht abge­rech­ne­ter Leis­tun­gen gel­tend machen will. In der­ar­ti­gen Fäl­len kann die Kran­ken­kas­se nur über ein in § 275 SGB V gere­gel­tes Prüf­ver­fah­ren die Her­aus­ga­be der Behand­lungs­un­ter­la­gen an den Medi­zi­ni­schen Dienst der Kran­ken­kas­sen (MDK) ver­lan­gen.

Die kla­gen­de gesetz­li­che Kran­ken­kas­se hat­te die vom Lan­des­so­zi­al­ge­richt zuge­las­se­ne Revi­si­on gegen die­ses Urteil ein­ge­legt [1]. In der münd­li­chen Ver­hand­lung vor dem Bun­des­so­zi­al­ge­richt am 12. August 2010 hat die Kran­ken­kas­se die Revi­si­on nun nach einem recht­li­chen Hin­weis des Bun­des­so­zi­al­ge­richts zurück­ge­nom­men. Die Ent­schei­dung des Lan­des­so­zi­al­ge­richts ist damit rechts­kräf­tig.

Für das Begeh­ren einer gesetz­li­chen Kran­ken­kas­se gegen ein zuge­las­se­nes Kran­ken­haus auf Her­aus­ga­be der bzw. Ein­sicht­nah­me in die Behand­lungs­un­ter­la­gen eines bei ihr ver­si­cher­ten Pati­en­ten ist der Rechts­weg zu den Sozi­al­ge­rich­ten gege­ben, § 51 Abs. 1 Nr. 2, Abs. 2 Satz 1 SGG. Dies gilt auch, wenn die Ein­sicht in die Behand­lungs­un­ter­la­gen der Prü­fung eines etwai­gen Scha­dens­er­satz­an­spruchs gegen das Kran­ken­haus bzw. des­sen Ärz­te, der vor den Zivil­ge­rich­ten gel­tend zu machen wäre, die­nen soll.

Die Mit­tei­lungs­pflich­ten von Ärz­ten und Kran­ken­häu­sern an die gesetz­li­chen Kran­ken­kas­sen nach § 294a SGB V wer­den nur dann aus­ge­löst, wenn durch Drit­te ver­ur­sach­te Gesund­heits­schä­den in Rede ste­hen. Drit­te in die­sem Sin­ne sind weder das Kran­ken­haus selbst noch die dort täti­gen Ärz­te.

Soweit die gesetz­li­che Kran­ken­kas­se eine mög­li­che feh­ler­haf­te Behand­lung ihres Ver­si­cher­ten prü­fen will, kann sie über das in § 275 SGB V gere­gel­te Prüf­ver­fah­ren die Her­aus­ga­be der Behand­lungs­un­ter­la­gen an den Medi­zi­ni­schen Dienst der Kran­ken­kas­sen (MDK) ver­lan­gen. Sie hat in der­ar­ti­gen Fäl­len jedoch kei­nen Anspruch auf die Her­aus­ga­be an sich selbst nach § 294a SGB V.

Lan­des­so­zi­al­ge­richt Nie­der­sach­sen-Bre­men, Urteil vom 11. Novem­ber 2009 – L 1 KR 152/​08

  1. BSG – B 3 KR 16/​09 R[]