Der Kreuz­band­riss einer Fuß­ball­spie­le­rin als Arbeits­un­fall

Erhielt ein Ver­eins­mit­glied für sei­ne fuß­bal­le­ri­sche Tätig­keit vom Ver­ein kein Ent­gelt son­dern bestand ledig­lich ein För­der­ver­trag, so liegt kei­ne in der gesetz­li­chen Unfall­ver­si­che­rung ver­si­cher­te Tätig­keit vor. In einem sol­chen Fall han­delt es sich bei einer Ver­let­zung wäh­rend eines Fuß­ball­spiels nicht um einen Arbeits­un­fall.

Der Kreuz­band­riss einer Fuß­ball­spie­le­rin als Arbeits­un­fall

Ein ver­trag­lich vor­ge­se­he­ner Fahrt­kos­ten­zu­schuss und der Erlass des Mit­glieds­bei­tra­ges genü­gen nicht für die Annah­me einer ent­gelt­li­chen (und damit ver­si­che­rungs­pflich­ti­gen) Tätig­keit.

So hat das Sozi­al­ge­richt Frank­furt am Main in dem hier vor­lie­gen­den Fall einer 17-jäh­ri­gen Fuß­ball­spie­le­rin ent­schie­den und deren Kla­ge gegen die Berufs­ge­nos­sen­schaft abge­wie­sen. Die Klä­ge­rin war Mit­glied eines Fuß­ball­ver­eins der Frau­en-Bun­des­li­ga und gehör­te zur Hes­sen­aus­wahl des Hes­si­schen Fuß­ball­ver­ban­des. Wäh­rend eines Spiels mit der Hes­sen­aus­wahl erlitt sie einen Kreuz­band­riss im rech­ten Knie­ge­lenk. Die Fuß­ball­spie­le­rin hat­te mit ihrem Ver­ein einen soge­nann­ten För­der­ver­trag abge­schlos­sen mit dem Ziel, sie zu einer Bun­des­li­ga-Spie­le­rin auf­zu­bau­en. Die Fuß­ball­spie­le­rin ver­pflich­te­te sich dabei unter ande­rem zur Teil­nah­me am Trai­nings- und Spiel­be­trieb der ihr zuge­ord­ne­ten Mann­schaft und der Ver­bands­aus­wah­len sowie zu regel­mä­ßi­gen Leis­tungs­tests. Aller­dings nahm sie nicht an offi­zi­el­len Spie­len der 1. Mann­schaft des Ver­eins teil. Im Fall von Erkran­kun­gen oder Ver­let­zun­gen muss­te sie nach den Rege­lun­gen des För­der­ver­trags ab dem 3. Kalen­der­tag eine ärzt­li­che Beschei­ni­gung über ihre Arbeits­un­fä­hig­keit vor­le­gen. Die ver­trag­lich vor­ge­se­he­nen För­der­maß­nah­men umfass­ten unter ande­rem Bera­tung und Unter­stüt­zung in schu­li­schen und beruf­li­chen Ange­le­gen­hei­ten, die Zah­lung eines Fahrt­kos­ten­zu­schus­ses, die Aus­stat­tung mit Fuß­ball­klei­dung und ‑schu­hen sowie den Erlass des Mit­glieds­bei­tra­ges.

Den Antrag der Fuß­ball­spie­le­rin, den Kreuz­band­riss als Arbeits­un­fall anzu­er­ken­nen, lehn­te die zustän­di­ge Berufs­ge­nos­sen­schaft ab, da die Fuß­ball­spie­le­rin nicht in einem Beschäf­ti­gungs­ver­hält­nis gestan­den habe. Dage­gen ist Kla­ge erho­ben wor­den.

Nach Auf­fas­sung des Sozi­al­ge­richts Frank­furt am Main sei die Fuß­ball­spie­le­rin kei­ne Beschäf­ti­ge des Ver­eins gewe­sen und habe daher wäh­rend des Unfalls kei­ne ver­si­cher­te Tätig­keit aus­ge­übt. Die Klä­ge­rin sei zwar in die Orga­ni­sa­ti­on des Ver­eins wei­sungs­ge­bun­den ein­ge­glie­dert gewe­sen. Dies habe sich aber nicht deut­lich von der Ein­bin­dung der sons­ti­gen akti­ven Ver­eins­mit­glie­der unter­schie­den. Die­se sei­en bereits auf­grund ihrer Mit­glied­schaft eben­falls etwa dazu ver­pflich­tet, am regel­mä­ßi­gen Trai­ning und am Ver­bands­spiel­be­trieb teil­zu­neh­men. Die Klä­ge­rin habe für ihre fuß­bal­le­ri­sche Tätig­keit von ihrem Ver­ein auch kein Ent­gelt erhal­ten. Eine Ent­gelt­zah­lung sei zwar für die Annah­me einer ver­si­cher­ten Beschäf­ti­gung nicht zwin­gend, stel­le aber ein wich­ti­ges Kri­te­ri­um für die Abgren­zung gegen­über einer rein mit­glied­schaft­li­chen Ver­eins­tä­tig­keit dar. Der ver­trag­lich vor­ge­se­he­ne Fahrt­kos­ten­zu­schuss und der Erlass des Mit­glieds­bei­tra­ges genüg­ten nicht für die Annah­me einer ent­gelt­li­chen Tätig­keit. Es sei auch nicht ersicht­lich, dass der Ver­ein mit der För­de­rung der Klä­ge­rin unmit­tel­bar eige­ne wirt­schaft­li­che Inter­es­sen ver­folgt habe. Viel­mehr die­ne das För­der­pro­gramm des Ver­eins dem Auf­bau von Nach­wuchs­spie­le­rin­nen und deren Bin­dung an den Ver­ein.

Sozi­al­ge­richt Frank­furt am Main, Urteil vom 14. Novem­ber 2019 – S 8 U 113/​18