Psy­chi­sche Fol­gen einer aus­ge­heil­ten Hepa­ti­tis

Psy­chi­sche Fol­gen einer aus­ge­heil­ten Hepa­ti­tis sind nach einem Urteil des Sozi­al­ge­richts Det­mold als mit­tel­ba­re Fol­ge einer Berufs­krank­heit anzu­er­ken­nen.

Psy­chi­sche Fol­gen einer aus­ge­heil­ten Hepa­ti­tis

In dem jetzt vom Sozi­al­ge­richt Det­mold ent­schie­de­nen Fall hat­te eine im Jahr 1961 gebo­re­ne Labor­as­sis­ten­tin geklagt, die sich im Rah­men ihrer Tätig­keit bereits Anfang der 80er Jah­re eine chro­ni­sche Leber­ent­zün­dung (Hepa­ti­tis) zuge­zo­gen hat­te. Nach­dem die Klä­ge­rin seit Dezem­ber 1993 wegen der Fol­gen der Erkran­kung eine Ver­letz­ten­ren­te nach einer MdE von 20 % erhal­ten hat­te, ver­trat die beklag­te Berufs­ge­nos­sen­schaft nach ver­schie­de­nen Unter­su­chun­gen die Auf­fas­sung, durch die medi­ka­men­tö­se Behand­lung (mit Inter­fe­ron und Riba­vi­rin) sei es zu einer voll­stän­di­gen Aus­hei­lung gekom­men. Die Ren­te wur­de im Juni 2009 ent­zo­gen, obgleich die Klä­ge­rin dar­auf hin­ge­wie­sen hat­te, kör­per­lich und see­lisch wenig belast­bar zu sein und wei­ter­hin unter Beschwer­den wie Schlaf­lo­sig­keit, Inter­es­sen­ver­lust und depres­si­ver Ver­stim­mung zu lei­den.

Das Sozi­al­ge­richt Det­mold hat nun auch die­se Beein­träch­ti­gun­gen als Fol­ge der Berufs­krank­heit ein­ge­ord­net. Selbst wenn es mit Hil­fe der Medi­ka­men­te gelun­gen ist, den Zer­stö­rungs­pro­zess der Leber­zel­len zu stop­pen, müs­sen die psy­chi­schen Fol­gen als mit­tel­ba­re Schä­di­gung der anti­vi­ra­len The­ra­pie oder der Hepa­ti­tis ange­se­hen wer­den. Für das Vor­lie­gen ande­rer die Sym­pto­me erklä­ren­der Erkran­kun­gen bestan­den kei­ne Anhalts­punk­te. Dies stand für das Gericht nach Ein­ho­lung von Fach­gut­ach­ten fest. Dabei kri­ti­sier­te das Sozi­al­ge­richt Det­mold ins­be­son­de­re, dass eine posi­ti­ve Beein­flus­sung des Krank­heits­ver­laufs durch früh­zei­ti­ge psy­cho­the­ra­peu­ti­sche Beglei­tung mög­lich gewe­sen wäre, wenn die Beklag­te nicht die rein soma­ti­sche Betrach­tung des Sach­ver­halts in den Vor­der­grund ihrer Beur­tei­lung gestellt hät­te.

Sozi­al­ge­richt Det­mold, Urteil vom 8. Sep­tem­ber 2011 – S 14 U 161/​09