Zu alt zur künst­li­chen Befruch­tung auf Kas­sen­kos­ten

Die seit dem Jahr 2004 für den Anspruch auf Leis­tun­gen zur Her­bei­füh­rung einer Schwan­ger­schaft ("Künst­li­che Befruch­tung") gemäß § 27a SGB V gel­ten­de Ein­schrän­kung, dass die Ehe­frau das 40. Lebens­jahr noch nicht voll­endet haben darf, ver­stößt nicht gegen das Grund­ge­setz. Das hat das Bun­des­so­zi­al­ge­richt heu­te ent­schie­den.

Zu alt zur künst­li­chen Befruch­tung auf Kas­sen­kos­ten

Die unglei­che Behand­lung von Ehe­frau­en vor und nach Voll­endung ihres 40. Lebens­jah­res ist sach­lich gerecht­fer­tigt. Der Gesetz­ge­ber hat sei­nen wei­ten Gestal­tungs­spiel­raum nicht über­schritten. Es sind kei­ne Leis­tun­gen aus dem Kern­be­reich der Kran­ken­ver­si­che­rung oder gar aus dem Bereich der töd­lich ver­lau­fen­den Krank­hei­ten betrof­fen, bei denen die­ser Spiel­raum ein­ge­schränkt sein kann. Der Gesetz­ge­ber hat sich ua davon lei­ten las­sen, dass bei Frau­en bereits jen­seits des 30. Lebens­jah­res die Wahr­schein­lich­keit einer Befruch­tung abnimmt und jen­seits des 40. Lebens­jah­res gering ist. Das galt auch 2006: Hier lag die Schwan­ger­schafts­ra­te nach ICSI (intra­zy­to­plas­ma­ti­sche Spermien­injektion) bei Frau­en im 40. Lebens­jahr nur bei 18 %, selbst im 30. Lebens­jahr aber mit 34 % noch fast dop­pelt so hoch. Der Gesetz­ge­ber muss­te das Höchst­al­ter der Frau weder indi­vi­du­ell noch mög­lichst punkt­ge­nau und aktu­ell nach den neu­es­ten Sta­tis­ti­ken fest­le­gen oder die Rege­lung zeit­nah an den jewei­li­gen Kennt­nis­stand anpas­sen. Dass der Bun­des­ge­richts­hof die Leis­tungs­pflicht von pri­va­ten Kran­ken­ver­si­che­rungs­un­ter­neh­men erst bei einer Erfolgs­aus­sicht von weni­ger als 15 % ver­neint 1, ist dabei ohne Belang. Die Ungleich­behandlung von Ver­si­cher­ten der GKV ist Fol­ge der ver­fas­sungs­recht­lich hin­zu­neh­men­den Entschei­dung des Gesetz­ge­bers für zwei unter­schied­li­che Kran­ken­ver­si­che­rungs­sys­te­me.

Bereits vor zwei Jah­ren hat­te das Bun­des­so­zi­al­ge­richt in der gesetz­li­chen Kran­ken­ver­si­che­rung die Alters­gren­ze des 50. Lebens­jah­res für Män­ner 2 sowie die Begren­zung des Anspruchs für Leis­tun­gen der künst­li­chen Befruch­tung auf 50 % der Behand­lungs­kos­ten 3 als ver­fas­sungs­ge­mäß ange­se­hen. Nach der Recht­spre­chung des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts ist es mit dem Grund­ge­setz ver­ein­bar, dass das Gesetz die Gewäh­rung medi­zi­ni­scher Maß­nah­men zur Her­bei­füh­rung einer Schwan­ger­schaft in der gesetz­li­chen Kran­ken­ver­si­che­rung auf Per­so­nen be­schränkt, die mit­ein­an­der ver­hei­ra­tet sind 4.

Bun­des­so­zi­al­ge­richt, Urteil vom 3. März 2009 – B 1 KR 12/​08 R

  1. BGHZ 164, 122[]
  2. Urteil vom 24. Mai 2007 – B 1 KR 10/​06 R, SozR 4 – 2500 § 27a Nr 4[]
  3. Urteil vom 19. Sep­tem­ber 2007 – B 1 KR 6/​07 R, SozR 4 – 2500 § 27a Nr 5[]
  4. Urteil vom 28. Febru­ar 2007 – 1 BvL 5/​03, BVerfGE 117, 316 = SozR 4 – 2500 § 27a Nr 3[]