Befan­gen­heits­grund: frü­he­re Tätig­keit in der Finanz­ver­wal­tung

Eine frü­he­re Tätig­keits in der Finanz­ver­wal­tung begrün­det bei Rich­tern am Finanz­ge­richt oder am Bun­des­fi­nanz­hof nicht den Ableh­nungs­grund des § 51 Abs. 3 FGO.

Befan­gen­heits­grund: frü­he­re Tätig­keit in der Finanz­ver­wal­tung

Nach § 42 Abs. 1 Alter­na­ti­ve 2 ZPO i.V.m. § 51 Abs. 1 Satz 1 FGO kann ein Rich­ter wegen Besorg­nis der Befan­gen­heit abge­lehnt wer­den. Die Ableh­nung fin­det in die­sen Fäl­len statt, wenn ein Grund vor­liegt, der geeig­net ist, Miss­trau­en gegen die Unpar­tei­lich­keit eines Rich­ters zu recht­fer­ti­gen (§ 42 Abs. 2 ZPO). Dabei kommt es nach stän­di­ger höchst­rich­ter­li­cher Recht­spre­chung dar­auf an, ob der Betei­lig­te von sei­nem Stand­punkt aus bei ver­nünf­ti­ger und objek­ti­ver Betrach­tung davon aus­ge­hen darf, der Rich­ter wer­de nicht unvor­ein­ge­nom­men, son­dern will­kür­lich ent­schei­den 1.

Nach § 51 Abs. 3 FGO ist die Besorg­nis der Befan­gen­heit stets dann begrün­det, wenn der Rich­ter oder ehren­amt­li­che Rich­ter der Ver­tre­tung einer Kör­per­schaft ange­hört oder ange­hört hat, deren Inter­es­sen durch das Ver­fah­ren berührt wer­den. Zu den Ange­hö­ri­gen der "Ver­tre­tung einer Kör­per­schaft" gehö­ren indes nur sol­che Rich­ter, die als Minis­ter den Bund oder ein Land ver­tre­ten, eine ent­spre­chen­de Funk­ti­on in einer Gemein­de aus­ge­übt haben oder als gesetz­li­cher Ver­tre­ter einer an dem Rechts­streit inter­es­sier­ten Kapi­tal­ge­sell­schaft tätig waren; eine frü­he­re Funk­ti­on in der Finanz­ver­wal­tung reicht hier­für nicht aus 2.

Abge­se­hen davon begrün­det allein die frü­he­re Tätig­keit eines Rich­ters in der Finanz­ver­wal­tung kei­ne Ver­mu­tung man­geln­der Unab­hän­gig­keit, wie sowohl der Bun­des­fi­nanz­hof 3 als auch das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt 4 bereits mehr­fach ent­schie­den haben.

Bun­des­fi­nanz­hof, Beschluss vom 23. Juni 2014 – X R 13/​14

  1. BFH, Beschluss vom 24.08.2011 – V S 16/​11, BFH/​NV 2011, 2087[]
  2. vgl. mit aus­führ­li­cher Begrün­dung BFH, Beschluss vom 07.05.1974 – IV S 5 – 6/​74, BFHE 112, 25, BSt­Bl II 1974, 385; fer­ner BFH, Beschluss vom 14.04.1986 – III B 47/​84, BFH/​NV 1986, 547[]
  3. BFH, Ent­schei­dun­gen vom 18.02.1997 – VIII R 54/​95, BFHE 183, 6, BSt­Bl II 1997, 647, unter A.; vom 03.08.2000 – VIII B 80/​99, BFH/​NV 2001, 783; und vom 16.12 2009 – V B 23/​08, BFH/​NV 2010, 1866, unter II. 2.a[]
  4. BVerfG, Beschluss vom 09.12 1987 – 1 BvR 1271/​87, HFR 1989, 272[]