Die feh­ler­haf­te Post­zu­stel­lungs­ur­kun­de

Die (pri­va­te) Zustel­lungs­ur­kun­de eines Post­zu­stel­lers begrün­det gemäß § 182 Abs. 1 Satz 2 i.V.m. § 418 Abs. 1 ZPO wie eine öffent­li­che Urkun­de den vol­len Beweis der dar­in bezeug­ten Tat­sa­chen.

Die feh­ler­haf­te Post­zu­stel­lungs­ur­kun­de

Aller­dings ist der Beweis der Unrich­tig­keit der bezeug­ten Tat­sa­chen zuläs­sig (§ 418 Abs. 2 ZPO).

An die­sen Beweis sind stren­ge Anfor­de­run­gen zu stel­len. Die Beweis­wir­kung muss voll­stän­dig ent­kräf­tet und jede Mög­lich­keit aus­ge­schlos­sen sein, dass die Anga­ben der Zustel­lungs­ur­kun­de rich­tig sein kön­nen 1.

Dies war in dem hier vom Bun­des­fi­nanz­hof ent­schie­de­nen Ver­fah­ren der Fall: Es ist denklo­gisch aus­ge­schlos­sen, dass ein am 3.02.2014 vom Urkunds­be­am­ten der Geschäfts­stel­le des Bun­des­fi­nanz­hofs aus­ge­fer­tig­ter und am frü­hen Nach­mit­tag des 3.02.2014 von der Kanz­lei des Bun­des­fi­nanz­hofs per Brief­post abge­sand­ter Zulas­sungs­be­schluss dem Pro­zess­be­voll­mäch­tig­ten an des­sen über 600 km ent­fern­tem Kanz­lei­sitz noch am sel­ben Tage zuge­stellt wor­den sein kann. Die Über­zeu­gung des Bun­des­fi­nanz­hofs von der Unrich­tig­keit der Beur­kun­dung des Zustel­lungs­da­tums wur­de im hier ent­schie­de­nen Fall noch dadurch bestärkt, dass der Zustel­ler selbst auf dem Brief­um­schlag den 5.02.2014 als Tag der Zustel­lung ver­merkt hat.

Bun­des­fi­nanz­hof, Urteil vom 17. Novem­ber 2015 – X R 3/​14

  1. BGH, Beschluss vom 27.05.2003 – VI ZB 77/​02, NJW 2003, 2460, m.w.N.[]