Abschrei­bun­gen wegen dau­ern­dem Wert­ver­lust bei Akti­en

Wann ist eine Wert­min­de­rung bei Akti­en „vor­aus­sicht­lich dau­ernd“ im Sin­ne des § 6 Abs. 1 Nr. 2 EStG und berech­tigt zu einer gewinn­min­dern­den Abschrei­bung? Nach Ansicht des Finanz­ge­richts Müns­ters ist dies dann der Fall, wenn der Bör­sen­kurs am Bilanz­stich­tag um mehr als 20% oder an zwei auf­ein­an­der­fol­gen­den Bilanz­stich­ta­gen um mehr als 10% unter den Kauf­preis gesun­ken ist.

Abschrei­bun­gen wegen dau­ern­dem Wert­ver­lust bei Akti­en

In dem vom Finanz­ge­richt Müns­ter ent­schie­de­nen Streit­fall hielt die Klä­ge­rin Akti­en in ihrem Betriebs­ver­mö­gen. Deren Wert war zum Bilanz­stich­tag aller­dings deut­lich unter die ursprüng­li­chen Anschaf­fungs­kos­ten gesun­ken – teil­wei­se lag er etwa 8%, teil­wei­se sogar um fast 30% nied­ri­ger. Die Klä­ge­rin sah die Wert­min­de­run­gen als „vor­aus­sicht­lich dau­ernd“ an und nahm eine gewinn­min­dern­de Teil­wert­ab­schrei­bung gem. § 6 Abs. 1 Nr. 2 EStG vor. Das Finanz­amt erkann­te die Abschrei­bung nicht an. Es berief sich dabei ins­be­son­de­re auf eine all­ge­mei­ne Ver­wal­tungs­an­wei­sung, nach der eine Teil­wert­ab­schrei­bung vor­aus­setzt, dass der Bör­sen­kurs zum jewei­li­gen Bilanz­stich­tag um mehr als 40% unter die Anschaf­fungs­kos­ten gesun­ken ist.

Das Finanz­ge­richt Müns­ter sah dies anders und gab der Kla­ge teil­wei­se statt: Ist der Kurs­wert einer Aktie zum Bilanz­stich­tag unter die Anschaf­fungs­kos­ten gesun­ken und lie­gen im Zeit­punkt der Bilanz­er­stel­lung kei­ne Anhalts­punk­te für einen als­bal­di­gen Kurs­an­stieg vor, so ist grund­sätz­lich von einer vor­aus­sicht­lich dau­ern­den Wert­min­de­rung aus­zu­ge­hen. Aller­dings kön­ne und müs­se, so das Finanz­ge­richt Müns­ter wei­ter, nicht jede Wert­ver­än­de­rung in der Bilanz nach­voll­zo­gen wer­den. Viel­mehr sei bei Akti­en ein Absin­ken des Bör­sen­kur­ses inner­halb einer bestimm­ten Band­brei­te noch als Aus­druck einer ledig­lich vor­über­ge­hen­den Wert­schwan­kung anzu­se­hen. In typi­sie­ren­der Wei­se kön­ne eine Teil­wert­ab­schrei­bung aber dann allein auf die Kurs­ent­wick­lung gestützt wer­den, wenn der Bör­sen­kurs am Bilanz­stich­tag ent­we­der um mehr als 20% unter dem Kurs beim Erwerb des Wert­pa­piers lie­ge oder die­ser an zwei auf­ein­an­der­fol­gen­den Bilanz­stich­ta­gen jeweils um mehr als 10% unter den Kurs beim Kauf des Papiers gesun­ken sei. Aller­dings sei die Höhe der Teil­wert­ab­schrei­bung begrenzt, wenn zwar der Bör­sen­kurs am Bilanz­stich­tag unter der maß­geb­li­chen Gren­ze lie­ge, er aber am Tag der Bilanz­auf­stel­lung wie­der höher notie­re.

Finanz­ge­richt Müns­ter, Urteil vom 31. August 2010 – 9 K 3466/​09 K, G (Revi­si­on beim Bun­des­fi­nanz­hof anhän­gig – I R 89/​10)