Bera­ter­ver­trag zwi­schen nahen Ange­hö­ri­gen

Maß­ge­bend für die steu­er­li­che Aner­ken­nung von Ange­hö­ri­gen­ver­trä­gen ist die Gesamt­heit der objek­ti­ven Gege­ben­hei­ten. Die ein­zel­nen Kri­te­ri­en des Fremd­ver­gleichs sind als Beweis­an­zei­chen im Rah­men der gebo­te­nen Gesamt­be­trach­tung unter dem Gesichts­punkt zu wür­di­gen, ob sie den Rück­schluss auf eine pri­vat ver­an­lass­te Ver­ein­ba­rung zulas­sen. Kein Kri­te­ri­um hat den Rang eines Tat­be­stands­merk­mals, so dass nicht jede gering­fü­gi­ge Abwei­chung ein­zel­ner Sach­ver­halts­merk­ma­le vom Übli­chen ohne Wei­te­res die steu­er­li­che Aner­ken­nung des Ver­trags­ver­hält­nis­ses aus­schließt 1.

Bera­ter­ver­trag zwi­schen nahen Ange­hö­ri­gen

Die feh­len­de Fremd­üb­lich­keit des Ver­trags­in­halts ist aller­dings nur ein ein­zel­nes ‑wenn auch gewich­ti­ges- Beweis­an­zei­chen gegen die Zuord­nung der Ver­trags­be­zie­hung zum betrieb­li­chen Bereich. Zu wür­di­gen ist ins­be­son­de­re auch die tat­säch­li­che Ver­trags­durch­füh­rung, vor allem im Hin­blick auf die Erfül­lung der gegen­sei­ti­gen Haupt­pflich­ten. Leis­tet ein Ange­hö­ri­ger näm­lich die von ihm ver­trag­lich geschul­de­ten Diens­te nicht, bezieht aber den­noch die ver­trag­lich vor­ge­se­he­ne Ver­gü­tung, so stellt gera­de die­ser Umstand ein gewich­ti­ges Indiz gegen die ertrag­steu­er­li­che Aner­ken­nung des Ver­trags­ver­hält­nis­ses dar. Umge­kehrt ver­lie­ren z.B. nicht fremd­üb­li­che Neben­be­stim­mun­gen in der Gesamt­wür­di­gung an Gewicht, wenn fest­steht, dass der Ver­trag in sei­nen Haupt­be­stand­tei­len mit Leben erfüllt wur­de.

Im Hin­blick auf die bereichs- und anlass­spe­zi­fi­schen Anfor­de­run­gen an die Prü­fung von Ange­hö­ri­gen­ver­trä­gen 2 wird im Streit­fall zunächst zu klä­ren sein, ob die Ver­trags­be­zie­hung zwi­schen dem Klä­ger und sei­ner Toch­ter als Arbeits­ver­hält­nis, arbeit­neh­mer­ähn­li­ches Ver­hält­nis oder, wie vom Klä­ger aus­drück­lich gel­tend gemacht, als frei­es Mit­ar­bei­ter­ver­hält­nis i.S. des § 7 der Steu­er­be­ra­ter­be­rufs­ord­nung, also als Geschäfts­be­sor­gungs­ver­trag 3, zu qua­li­fi­zie­ren ist. Erst im Anschluss dar­an kön­nen die ‑unter­schied­li­chen- Maß­stä­be für den Ver­gleich des kon­kre­ten Ver­trags­in­halts mit den fremd­üb­li­chen Bedin­gun­gen ent­wi­ckelt wer­den. So könn­te etwa bei der vom Finanz­ge­richt als frem­dun­üb­lich bewer­te­ten Haf­tungs­be­gren­zung zu berück­sich­ti­gen sein, dass bei einem frei­en Mit­ar­bei­ter­ver­hält­nis regel­mä­ßig gar kein rele­van­tes Haf­tungs­ri­si­ko für den Mit­ar­bei­ter besteht bzw. die­ses von der Berufs­haft­pflicht des Steu­er­be­ra­ters mit abge­deckt ist 4. Bei Schlecht­leis­tun­gen und zu gerin­ger Aus­las­tung des frei­en Mit­ar­bei­ters käme anstel­le einer Ent­gelt­min­de­rung eher die Kün­di­gung (§§ 620 ff. BGB) des Geschäfts­be­sor­gungs­ver­tra­ges in Betracht.

Dem Steu­er­pflich­ti­gen obliegt es, sub­stan­ti­iert vor­zu­tra­gen und nach­zu­wei­sen, dass der Ange­hö­ri­ge Arbeits- oder Bera­tungs­leis­tun­gen in einem der zuge­sag­ten Hono­rie­rung ange­mes­se­nen Umfang tat­säch­lich erbracht hat 5. Ist der Steu­er­pflich­ti­ge zu einem in die Ein­zel­hei­ten gehen­den sub­stan­ti­ier­ten Tat­sa­chen­vor­trag nicht bereit oder nicht in der Lage oder gelingt ihm der Nach­weis nicht, dann ist davon aus­zu­ge­hen, dass ver­trag­li­che Haupt­leis­tungs­pflich­ten nicht erfüllt wur­den.

Bun­des­fi­nanz­hof, Beschluss vom 23. Dezem­ber 2013 – III B 84/​12

  1. vgl. BFH, Urtei­le vom 13.07.1999 – VIII R 29/​97, BFHE 191, 250, BSt­Bl II 2000, 386; vom 17.07.2013 – X R 31/​12, BFH/​NV 2013, 1968; vgl. auch BFH, Urteil vom 29.10.1997 – I R 24/​97, BFHE 184, 482, BSt­Bl II 1998, 573[]
  2. vgl. BFH, Urteil vom 22.10.2013 – X R 26/​11, Deut­sches Steu­er­recht 2013, 2677; vgl. Stap­per­fend in Herrmann/​Heuer/​Raupach, § 4 EStG Rz 858 ff.[]
  3. vgl. hier­zu z.B. Urban, INF 1999, 339; Späth, INF 1998, 217[]
  4. vgl. Späth, INF 1998, 217, und Urban, INF 1999, 339[]
  5. vgl. BFH, Urteil in BFH/​NV 2013, 1968[]

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