Betriebs­auf­spal­tung – und die erfor­der­li­che per­so­nel­le Ver­flech­tung

Die für die Betriebs­auf­spal­tung erfor­der­li­che sach­li­che Ver­flech­tung ergibt sich u.a. dar­aus, dass die im Allein­ei­gen­tum des Klä­gers ste­hen­den, an die GmbH –Betriebs­ge­sell­schaft– ver­pach­te­ten Grund­stü­cke die räum­li­che und funk­tio­na­le Grund­la­ge ihrer Geschäfts­tä­tig­keit bil­de­ten und es ihr ermög­lich­ten, ihren Geschäfts­be­trieb aus­zu­üben 1.

Betriebs­auf­spal­tung – und die erfor­der­li­che per­so­nel­le Ver­flech­tung

Eine für die Betriebs­auf­spal­tung eben­falls erfor­der­li­che per­so­nel­le Ver­flech­tung liegt vor, wenn eine Per­son oder Per­so­nen­grup­pe sowohl das Besitz- als auch das Betriebs­un­ter­neh­men in der Wei­se beherrscht, dass sie in bei­den Unter­neh­men einen ein­heit­li­chen Geschäfts- und Betä­ti­gungs­wil­len durch­set­zen kann 2. Dies trifft auf den Klä­ger zu, der Allein­ei­gen­tü­mer der Grund­stü­cke war und über 75 % des Stamm­ka­pi­tals der GmbH und dem­entspre­chend auch der Stimm­rech­te ver­füg­te (§ 47 Abs. 1 und 2 GmbHG).

Der per­so­nel­len Ver­flech­tung durch Beherr­schungs­iden­ti­tät steht nicht ent­ge­gen, dass der Klä­ger die die über­las­se­nen Grund­stü­cke betref­fen­den Ver­trä­ge nur mit Zustim­mung sei­ner Mut­ter, der Min­der­heits­ge­sell­schaf­te­rin, ändern konn­te und die­se als sog. Nur-Betriebs­ge­sell­schaf­te­rin am Besitz­un­ter­neh­men –den Grund­stü­cken– nicht betei­ligt war. Denn für die Beherr­schung einer GmbH genügt die Stimm­rechts­mehr­heit, die das Gesetz oder der Gesell­schafts­ver­trag für übli­che Gesell­schaf­ter­be­schlüs­se vor­schreibt. Bezüg­lich der Geschäf­te des täg­li­chen Lebens ist es auch uner­heb­lich, dass ein Gesell­schaf­ter gemäß § 47 Abs. 4 Satz 2 GmbHG bei Beschlüs­sen kein Stimm­recht hat, wel­che die Vor­nah­me eines sol­chen Rechts­ge­schäfts gegen­über die­sem Gesell­schaf­ter betref­fen 3.

Der per­so­nel­len Ver­flech­tung steht auch nicht ent­ge­gen, wenn der Gesell­schafts­ver­trag für sel­ten vor­kom­men­de Geschäf­te, die nicht zur lau­fen­den Geschäfts­füh­rung gehö­ren (sog. Geschäf­te außer­halb des täg­li­chen Lebens), ein­stim­mig zu fas­sen­de Gesell­schaf­ter­be­schlüs­se erfor­dert 4, sofern das Über­las­sungs­ver­hält­nis nicht gegen den Wil­len der Per­son, die das Besitz­un­ter­neh­men beherrscht, auf­ge­löst wer­den kann 5.

Bun­des­fi­nanz­hof, Urteil vom 30. Janu­ar 2013 – III R 72/​11

  1. vgl. BFH, Beschluss vom 16.02.2012 – X B 99/​10, BFH/​NV 2012, 1110, m.w.N.[]
  2. stän­di­ge Recht­spre­chung, vgl. u.a. BFH, Urtei­le vom 01.07.2003 – VIII R 24/​01, BFHE 202, 535, BSt­Bl II 2003, 757; vom 30.11.2005 – X R 56/​04, BFHE 212, 100, BSt­Bl II 2006, 415[]
  3. BFH, Urteil vom 26.01.1989 – IV R 151/​86, BFHE 156, 138, BSt­Bl II 1989, 455[]
  4. BFH, Urteil vom 21.08.1996 – X R 25/​93, BFHE 181, 284, BSt­Bl II 1997, 44; kri­tisch hier­zu Söf­fing, BB 1998, 397[]
  5. BFH, Urteil vom 23.03.2011 – X R 45/​09, BFHE 233, 416, BSt­Bl II 2011, 778, m.w.N.[]