Poli­cen­dar­lehn und die Zins­cap-Gebühr

Bezahlt der Steu­er­pflich­ti­ge mit Mit­teln aus einem durch eine Lebens­ver­si­che­rung gesi­cher­ten Poli­cen­dar­le­hen eine Zins­be­gren­zungs­prä­mie (Zins­cap-Gebühr), dient das Dar­le­hen nicht unmit­tel­bar und aus­schließ­lich der Finan­zie­rung der Anschaf­fungs­kos­ten eines dau­ernd zur Erzie­lung von Ein­künf­ten bestimm­ten Wirt­schafts­gu­tes i.S. des § 10 Abs. 2 Satz 2 Buchst. a EStG 1.

Poli­cen­dar­lehn und die Zins­cap-Gebühr

Nicht steu­er­pflich­tig sind die­se Zin­sen aller­dings nach § 20 Abs. 1 Nr. 6 Satz 2 EStG, wenn sie aus Ver­si­che­run­gen i.S. des § 10 Abs. 1 Nr. 2 Buchst. b EStG her­rüh­ren, die mit (als Son­der­aus­ga­ben abzieh­ba­ren) Bei­trä­gen ver­rech­net oder im Ver­si­che­rungs­fall oder im Fall des Rück­kaufs des Ver­trags nach Ablauf von zwölf Jah­ren seit dem Ver­trags­ab­schluss aus­ge­zahlt wer­den. Für die­sen Fall sieht § 20 Abs. 1 Nr. 6 Satz 3 EStG 2 die Steu­er­be­frei­ung vor, wenn die Vor­aus­set­zun­gen für den Son­der­aus­ga­ben­ab­zug nach § 10 Abs. 2 Satz 2 Buchst. a oder b EStG erfüllt sind oder soweit bei Ver­si­che­rungs­ver­trä­gen Zin­sen in Ver­an­la­gungs­zeit­räu­men gut­ge­schrie­ben wer­den, in denen Bei­trä­ge nach § 10 Abs. 2 Satz 2 Buchst. c EStG abge­zo­gen wer­den kön­nen.

Das auf sie auf­ge­nom­me­ne Poli­cen­dar­le­hen steht dem Abzug der Ver­si­che­rungs­prä­mi­en als Son­der­aus­ga­ben aber ent­ge­gen, wenn die Ansprü­che aus den Ver­si­che­rungs­ver­trä­gen nicht wie von § 10 Abs. 2 Satz 2 Buchst. a EStG vor­aus­ge­setzt- der Siche­rung von Dar­le­hen die­nen, die selbst "unmit­tel­bar und aus­schließ­lich der Finan­zie­rung von Anschaf­fungs- oder Her­stel­lungs­kos­ten eines (zur Ein­künf­te­er­zie­lung bestimm­ten) Wirt­schafts­gu­tes die­nen" 3.

Die­se Vor­aus­set­zung sah der Bun­des­fi­nanz­hof im Streit­fall schon des­halb als nicht erfüllt an, weil mit dem Poli­cen­dar­le­hen Auf­wen­dun­gen finan­ziert wur­den, die nicht zu den Anschaf­fungs- oder Her­stel­lungs­kos­ten eines Wirt­schafts­guts gehö­ren und ihrem Umfang nach über die Baga­tell­gren­ze von 2.556 EUR nach § 10 Abs. 2 Satz 2 Buchst. a EStG hin­aus­ge­hen:

Auch wenn die Dau­er des Ver­bleibs der Dar­le­hens­va­lu­ta auf einem ver­zins­li­chen Giro­kon­to des Steu­er­pflich­ti­gen über die von der Ver­wal­tung frü­her gefor­der­te 30TageFrist hin­aus nicht grund­sätz­lich gegen die Annah­me einer unmit­tel­ba­ren und aus­schließ­li­chen Ver­wen­dung zur Finan­zie­rung von Anschaf­fungs­kos­ten spricht 4, steht im Streit­fall fest, dass mit dem Dar­le­hen auch Finan­zie­rungs­kos­ten in Form der Zins­cap-Gebühr finan­ziert wor­den sind.

Wie der Bun­des­fi­nanz­hof bereits 5 ent­schie­den hat, gehö­ren Zins­be­gren­zungs­prä­mi­en wie die hier in Höhe von 7.200 EUR ver­ein­bar­te Zins­cap-Gebühr nicht zu den Anschaf­fungs- oder Her­stel­lungs­kos­ten i.S. des § 255 des Han­dels­ge­setz­buchs 6 und damit nicht zu den Anschaf­fungs- und Her­stel­lungs­kos­ten von Wirt­schafts­gü­tern des Anla­ge­ver­mö­gens i.S. des § 10 Abs. 2 Satz 2 Buchst. a EStG 7.

Der Ein­wand, die Ansprü­che aus dem Ver­si­che­rungs­ver­trag sei­en nur teil­wei­se zur Siche­rung des betrieb­li­chen Dar­le­hens abge­tre­ten wor­den und hät­ten in die­sem Umfang ohne jede Ein­schrän­kung der Finan­zie­rung der Anschaf­fungs­kos­ten gedient, recht­fer­tigt kei­ne ande­re Beur­tei­lung, weil § 10 Abs. 2 Satz 2 Buchst. a EStG die unein­ge­schränk­te unmit­tel­ba­re und aus­schließ­li­che Ver­wen­dung des (Gesamt-)Darlehens zur Finan­zie­rung von Anschaf­fungs- und Her­stel­lungs­kos­ten vor­aus­setzt.

Im Übri­gen ist nach der Recht­spre­chung grund­sätz­lich eine Auf­tei­lung in einen steu­er­schäd­li­chen und einen steue­run­schäd­li­chen Teil des Dar­le­hens aus­ge­schlos­sen 8.

Bun­des­fi­nanz­hof, Urteil vom 12. Okto­ber 2011 – VIII R 49/​09

  1. Anschluss an BFH, Urteil vom 12.10.2005 – VIII R 19/​04, BFH/​NV 2006, 288[]
  2. i.d.F. des Steu­er­än­de­rungs­ge­set­zes 1992 vom 25.02.1992, BGBl – I 1992, 297, BSt­Bl I 1992, 146; nach­fol­gend bis zum 31.12.2004: § 20 Abs. 1 Nr. 6 Satz 4 EStG[]
  3. vgl. BFH, Urtei­le vom 23.11.2004 – IX R 2/​04, BFH/​NV 2005, 694; vom 01.03.2005 – IX R 58/​03, BFHE 209, 299, BSt­Bl II 2005, 597; vom 07.07.2005 – IX R 20/​04, BFH/​NV 2006, 264[]
  4. BFH, Urteil vom 09.02.2010 – VIII R 21/​07, BFHE 229, 108, BSt­Bl II 2011, 257[]
  5. BFH, Urteil vom 12.10.2005 – VIII R 19/​04, BFH/​NV 2006, 288[]
  6. vgl. Schmidt/​Glanegger, EStG, 23. Aufl., § 6 Rz 140, Stich­wort "Finan­zie­rungs­kos­ten"; Schmidt/​Heinicke, a.a.O., § 10 Rz 190; Klein­diek in Groß­kommH­GB, 4. Aufl.2002, § 255 Rz 10; Baumbach/​Hopt, HGB, 30. Aufl., § 255 Rz 3[]
  7. zum Son­der­fall der Anschluss­fi­nan­zie­rung von Anschaf­fungs- und Her­stel­lungs­kos­ten durch Neu­dar­le­hen mit Dis­agio­ver­ein­ba­rung s. BFH, Urteil vom 19.01.2010 – VIII R 40/​06, BFHE 228, 216, BSt­Bl II 2011, 254[]
  8. BFH, Urtei­le vom 07.11.2006 – VIII R 1/​06, BFHE 215, 486, BSt­Bl II 2010, 18; vom 24.11.2009 – VIII R 29/​07, BFHE 228, 36, BSt­Bl II 2011, 251; BFH, Beschluss vom 23.04.2010 – VIII B 48/​08, BFH/​NV 2010, 1439; vgl. dazu auch BMF, Schrei­ben vom 15.06.2000 – IV C 4 S 2221- 86/​00, BSt­Bl I 2000, 1118[]