Das ambu­lan­te Dia­ly­se­zen­trum – und die Gewer­be­steu­er­be­frei­ung

Ein Dia­ly­se­zen­trum, in wel­chem die Dia­ly­se­pa­ti­en­ten ambu­lant behan­delt wer­den, ist weder ein Kran­ken­haus i.S. des § 3 Nr.20 Buchst. b GewStG a.F. noch eine Ein­rich­tung zur vor­über­ge­hen­den Auf­nah­me pfle­ge­be­dürf­ti­ger Per­so­nen noch eine Ein­rich­tung zur ambu­lan­ten Pfle­ge kran­ker und pfle­ge­be­dürf­ti­ger Per­so­nen i.S. des § 3 Nr.20 Buchst. d GewStG a.F.

Das ambu­lan­te Dia­ly­se­zen­trum – und die Gewer­be­steu­er­be­frei­ung

Nach § 3 Nr.20 GewStG kön­nen Kran­ken­häu­ser, Ein­rich­tun­gen zur vor­über­ge­hen­den Auf­nah­me pfle­ge­be­dürf­ti­ger Per­so­nen, Ein­rich­tun­gen zur ambu­lan­ten Pfle­ge kran­ker und pfle­ge­be­dürf­ti­ger Per­so­nen sowie Ein­rich­tun­gen zur ambu­lan­ten oder sta­tio­nä­ren Reha­bi­li­ta­ti­on von der Gewer­be­steu­er befreit sein. Der Bun­des­fi­nanz­hof hat nun ent­schie­den, dass ambu­lan­te Dia­ly­se­zen­tren von die­ser Gewer­be­steu­er­be­frei­ung nicht erfasst sind.

Offen las­sen konn­te der Bun­des­fi­nanz­hof hin­ge­gen die Fra­ge, ob ambu­lan­te Dia­ly­se­zen­tren als Ein­rich­tun­gen zur ambu­lan­ten oder sta­tio­nä­ren Reha­bi­li­ta­ti­on anzu­se­hen sind. Die­ser Befrei­ungs­tat­be­stand (ab 2015) war für den Streit­fall zeit­lich (noch) nicht anwend­bar.

Im hier vom Bun­des­fi­nanz­hof ent­schie­de­nen Streit­fall betrieb eine GmbH zwei Dia­ly­se­zen­tren, in denen Kran­ken­fach­kräf­te und pfle­ger die Pati­en­ten wäh­rend der ambu­lant vor­ge­nom­me­nen Dia­ly­se betreu­ten. Damit war aller­dings der nach sozi­al­recht­li­chen Vor­ga­ben gepräg­te Begriff "Kran­ken­haus" (der die Mög­lich­keit der Voll­ver­sor­gung der Pati­en­ten erfor­dert) nicht erfüllt. Für eine Gleich­stel­lung mit einem kran­ken­häus­li­chen Dia­ly­se­zen­trum fehlt die Rechts­grund­la­ge: Die gesetz­ge­be­ri­sche Ein­engung der Steu­er­be­frei­ung auf Kran­ken­häu­ser, nicht aber sämt­li­cher Ein­rich­tun­gen, deren Leis­tun­gen über die Sozi­al­ver­si­che­rungs­trä­ger abge­rech­net wer­den kön­nen, ist nach Auf­fas­sung des BFH auf­grund der Bedeu­tung der Voll­ver­sor­gung und deren beson­de­rer Kos­ten­struk­tur nicht zu bean­stan­den.

Die Dia­ly­se­zen­tren konn­ten auch nicht als Ein­rich­tun­gen zur vor­über­ge­hen­den Auf­nah­me pfle­ge­be­dürf­ti­ger Per­so­nen ange­se­hen wer­den. Denn ein dafür erfor­der­li­cher auf die Unter­stüt­zung bei gewöhn­li­chen und regel­mä­ßig wie­der­keh­ren­den Ver­rich­tun­gen der Per­so­nen gerich­te­ter Zweck lag nicht bereits dar­in, den Pati­en­ten wäh­rend des Auf­ent­halts Hil­fe­stel­lung in dem für die Inan­spruch­nah­me der nicht­pfle­ge­ri­schen Leis­tung (der Dia­ly­se) erfor­der­li­chen Maß zu geben. Die Ein­rich­tun­gen der GmbH dien­ten auch nicht zur ambu­lan­ten Pfle­ge kran­ker und pfle­ge­be­dürf­ti­ger Per­so­nen; denn damit sind nur Pfle­ge­diens­te gemeint, die Pfle­ge­be­dürf­ti­ge in ihrer Woh­nung pfle­gen und haus­wirt­schaft­lich ver­sor­gen.

Gemäß § 3 Nr.20 Buchst. b GewStG a.F. sind Kran­ken­häu­ser von der Gewer­be­steu­er befreit, wenn im Erhe­bungs­zeit­raum die in § 67 Abs. 1 oder 2 AO bezeich­ne­ten Vor­aus­set­zun­gen erfüllt wor­den sind.

Im Streit­fall kann offen blei­ben, ob die Dia­ly­se­zen­tren der GmbH in den Erhe­bungs­zeit­räu­men dem Gesetz über die Ent­gel­te für voll- und teil­sta­tio­nä­re Kran­ken­haus­leis­tun­gen (Kran­ken­haus­ent­gelt­ge­setz ‑KHEntgG-) oder der Ver­ord­nung zur Rege­lung der Kran­ken­haus­pfle­ge­sät­ze (Bun­des­pfle­ge­satz­ver­ord­nung ‑BPflV-) unter­stan­den und min­des­tens 40 % der jähr­li­chen Bele­gungs­ta­ge oder Berech­nungs­ta­ge auf Pati­en­ten ent­fie­len, bei denen nur Ent­gel­te für all­ge­mei­ne Kran­ken­haus­leis­tun­gen (§ 7 KHEntgG, § 10 BPflV) berech­net wer­den (§ 67 Abs. 1 AO), oder ob min­des­tens 40 % der jähr­li­chen Bele­gungs­ta­ge oder Berech­nungs­ta­ge auf Pati­en­ten ent­fie­len, bei denen für die Kran­ken­haus­leis­tun­gen kein höhe­res Ent­gelt als nach § 67 Abs. 1 AO berech­net wird (§ 67 Abs. 2 AO). Die Dia­ly­se­zen­tren der GmbH sind kei­ne Kran­ken­häu­ser i.S. des § 3 Nr.20 Buchst. b GewStG a.F.

Der Begriff des Kran­ken­hau­ses ist gewer­be­steu­er­recht­lich nicht defi­niert. § 3 Nr.20 Buchst. b GewStG a.F. knüpft jedoch über den Ver­weis auf § 67 AO an das Sozi­al­recht an, so dass ins­be­son­de­re die in § 2 Nr. 1 des Geset­zes zur wirt­schaft­li­chen Siche­rung der Kran­ken­häu­ser und zur Rege­lung der Kran­ken­haus­pfle­ge­sät­ze (Kran­ken­haus­fi­nan­zie­rungs­ge­setz ‑KHG-) und in § 107 Abs. 1 des Fünf­ten Buchs Sozi­al­ge­setz­buch (SGB V) ent­hal­te­nen Defi­ni­tio­nen erläu­ternd her­an­zu­zie­hen sind1.

Kran­ken­häu­ser i.S. des § 2 Nr. 1 KHG sind Ein­rich­tun­gen, in denen durch ärzt­li­che und pfle­ge­ri­sche Hil­fe­leis­tung Krank­hei­ten, Lei­den oder Kör­per­schä­den fest­ge­stellt, geheilt oder gelin­dert wer­den sol­len oder Geburts­hil­fe geleis­tet wird und in denen die zu ver­sor­gen­den Per­so­nen unter­ge­bracht und ver­pflegt wer­den kön­nen. Auch die ähn­li­che Defi­ni­ti­on des § 107 Abs. 1 SGB V2 erfor­dert ‑neben fach­lich-medi­zi­ni­schen Vor­aus­set­zun­gen- in sei­ner Nr. 4 eine Ein­rich­tung, in denen die Pati­en­ten unter­ge­bracht und ver­pflegt wer­den kön­nen. Eben­so setzt der für Zwe­cke der gesetz­li­chen Kran­ken­ver­si­che­rung (§ 39 Abs. 1 Satz 3 Halb­satz 1 SGB V; § 2 Abs. 1 Halb­satz 1 BPflV) ver­wen­de­te Begriff der Kran­ken­haus­be­hand­lung vor­aus, dass Pati­en­ten Unter­kunft und Ver­pfle­gung erhal­ten.

Letz­te­res erfor­dert die Mög­lich­keit der Über­nach­tung sowie der Voll­ver­pfle­gung und damit die Mög­lich­keit sta­tio­nä­rer Behand­lung3. Da sich die Begrif­fe der Kran­ken­haus­be­hand­lung (§ 39 Abs. 1 Satz 1 SGB V) und der Pfle­ge­sät­ze (§ 2 Nr. 4 KHG) sowohl auf sta­tio­nä­re als auch auf teil­sta­tio­nä­re Leis­tun­gen des Kran­ken­hau­ses erstre­cken, ist jedoch eine ganz­tä­gi­ge ärzt­li­che und pfle­ge­ri­sche Leis­tung nicht zwin­gend erfor­der­lich. In der Fol­ge kön­nen auch teil­sta­tio­nä­re Ein­rich­tun­gen, ins­be­son­de­re in der Form von Tag- oder Nacht­kli­ni­ken, als Kran­ken­häu­ser anzu­se­hen sein4. Hin­ge­gen fehlt es Ein­rich­tun­gen, die aus­schließ­lich der ambu­lan­ten Behand­lung der Kran­ken die­nen, jeden­falls an der Mög­lich­keit der ‑auch im Rah­men der teil­sta­tio­nä­ren Auf­nah­me vor­zu­hal­ten­den- Voll­ver­pfle­gung5.

Auch die Dia­ly­se­zen­tren der GmbH boten im vor­lie­gen­den Fall kei­ne sol­che Ver­sor­gungs­mög­lich­keit6; es wur­den weder sta­tio­nä­re noch teil­sta­tio­nä­re Leis­tun­gen erbracht. Vor die­sem Hin­ter­grund ist eine mög­li­che Ver­gleich­bar­keit der tech­ni­schen Aus­stat­tung der Dia­ly­se­zen­tren mit ent­spre­chen­den Fach­ab­tei­lun­gen von Kran­ken­häu­sern ‑anders als die GmbH meint- für sich genom­men nicht hin­rei­chend, um eine teil­sta­tio­nä­re Ein­rich­tung zu begrün­den.

Auch unter Gleich­be­hand­lungs­ge­sichts­punk­ten ist eine Befrei­ung der GmbH von der Gewer­be­steu­er nicht gebo­ten.

Zwar sind Ein­rich­tun­gen, in denen sowohl eine sta­tio­nä­re als auch eine ambu­lan­te Ver­sor­gung ‑etwa in Form eines kran­ken­häus­li­chen Dia­ly­se­zen­trums- statt­fin­det, auch hin­sicht­lich der ambu­lant erbrach­ten Leis­tun­gen nach § 3 Nr.20 Buchst. b GewStG a.F. von der Gewer­be­steu­er befreit, sofern ein wesent­li­cher Teil der Gesamt­leis­tun­gen auf die sta­tio­nä­ren ‑ein­schließ­lich der teil­sta­tio­nä­ren- Leis­tun­gen ent­fällt7. Jedoch ver­stößt der Umstand, dass die GmbH dem­ge­gen­über mit ver­gleich­ba­ren Leis­tun­gen nicht unter den Tat­be­stand des § 3 Nr.20 Buchst. b GewStG a.F. fällt, ‑unge­ach­tet der Fra­ge, ob die GmbH dar­aus eine Gewer­be­steu­er­be­frei­ung ablei­ten kann8- nicht gegen den aus Art. 3 Abs. 1 des Grund­ge­set­zes ableit­ba­ren Grund­satz der Wett­be­werbs­neu­tra­li­tät des Steu­er­rechts.

Der Gesetz­ge­ber hat den ihm bei der Ent­schei­dung, wel­che Sach­ver­hal­te, Per­so­nen oder Unter­neh­men mit einer steu­er­li­chen Ver­scho­nungs­re­ge­lung geför­dert wer­den sol­len, zuste­hen­den Gestal­tungs­spiel­raum9 nicht dadurch über­schrit­ten, dass er Ein­rich­tun­gen, die rein ambu­lan­te Leis­tun­gen erbrin­gen, nicht in den Anwen­dungs­be­reich des § 3 Nr.20 Buchst. b GewStG a.F. ein­be­zo­gen hat. Der Zweck die­ser Vor­schrift liegt ins­be­son­de­re dar­in, die bestehen­den Ver­sor­gungs­struk­tu­ren bei der Behand­lung kran­ker und pfle­ge­be­dürf­ti­ger Per­so­nen zu ver­bes­sern und die Sozi­al­ver­si­che­rungs­trä­ger von Auf­wen­dun­gen zu ent­las­ten10. Der Umstand, dass der Gesetz­ge­ber zur Errei­chung die­ses Zwecks Kran­ken­häu­ser auf­grund der beson­de­ren Bedeu­tung der Voll­ver­sor­gung und deren sich ‑ins­be­son­de­re auf­grund der vor­zu­hal­ten­den Mög­lich­keit der Unter­kunft und Voll­ver­pfle­gung- von einer rein ambu­lan­ten Behand­lung unter­schei­den­den Kos­ten­struk­tur von der Gewer­be­steu­er befreit hat, nicht aber sämt­li­che Ein­rich­tun­gen, deren Leis­tun­gen über die Sozi­al­ver­si­che­rungs­trä­ger abge­rech­net wer­den kön­nen, stellt eine zuläs­si­ge Dif­fe­ren­zie­rung dar. Ob es dem Zweck der Gewer­be­steu­er­be­frei­ung des § 3 Nr.20 Buchst. b GewStG a.F. steu­er­po­li­tisch ent­spricht, auch ambu­lan­te Dia­ly­se­zen­tren zu erfas­sen, ist inso­weit ohne Bedeu­tung11.

Die Dia­ly­se­zen­tren erfül­len im vor­lie­gen­den Fall nicht die Vor­aus­set­zun­gen des § 3 Nr.20 Buchst. d GewStG a.F.

Nach die­ser Vor­schrift sind Ein­rich­tun­gen zur vor­über­ge­hen­den Auf­nah­me pfle­ge­be­dürf­ti­ger Per­so­nen und Ein­rich­tun­gen zur ambu­lan­ten Pfle­ge kran­ker und pfle­ge­be­dürf­ti­ger Per­so­nen von der Gewer­be­steu­er befreit, wenn im Erhe­bungs­zeit­raum die Pfle­ge­kos­ten in min­des­tens 40 % der Fäl­le von den gesetz­li­chen Trä­gern der Sozi­al­ver­si­che­rung oder Sozi­al­hil­fe ganz oder zum über­wie­gen­den Teil getra­gen wor­den sind.

Weder der Begriff der Ein­rich­tun­gen zur vor­über­ge­hen­den Auf­nah­me pfle­ge­be­dürf­ti­ger Per­so­nen noch der in der Begrün­dung12 des Ent­wurfs des Geset­zes zur Bekämp­fung des Miß­brauchs und zur Berei­ni­gung des Steu­er­rechts (Miß­brauchs­be­kämp­fungs- und Steu­er­be­rei­ni­gungs­ge­setz) vom 21.12 199313 ver­wen­de­te Begriff der Kurz­zeit­pfle­ge­ein­rich­tun­gen haben eine unmit­tel­ba­re Ent­spre­chung im Sozi­al­recht. Dabei muss der Bun­des­fi­nanz­hof nicht ent­schei­den, ob die Defi­ni­ti­on der ambu­lan­ten (Pfle­ge­diens­te, § 71 Abs. 1 SGB XI) sowie sta­tio­nä­ren (Pfle­ge­hei­me, § 71 Abs. 2 SGB XI) Pfle­ge­ein­rich­tun­gen oder die sozi­al­recht­li­chen Vor­schrif­ten über die Kurz­zeit­pfle­ge (§ 42 SGB XI) erläu­ternd her­an­zu­zie­hen sind14.

Dies kann offen blei­ben, weil es sich bei den Dia­ly­se­zen­tren der GmbH nicht um Ein­rich­tun­gen "zur" Auf­nah­me pfle­ge­be­dürf­ti­ger Per­so­nen i.S. des § 3 Nr.20 Buchst. d Vari­an­te 1 GewStG a.F. han­delt. Nach den gleich­lau­ten­den Begriffs­be­stim­mun­gen des § 14 Abs. 1 SGB XI in der bis zum 31.12 2016 gel­ten­den Fas­sung und des § 61 Abs. 1 Satz 1 des Zwölf­ten Buchs Sozi­al­ge­setz­buch in der bis zum 31.12 2016 gel­ten­den Fas­sung sind Per­so­nen pfle­ge­be­dürf­tig, die wegen einer kör­per­li­chen, geis­ti­gen oder see­li­schen Krank­heit oder Behin­de­rung für die gewöhn­li­chen und regel­mä­ßig wie­der­keh­ren­den Ver­rich­tun­gen im Ablauf des täg­li­chen Lebens auf Dau­er in erheb­li­chem oder höhe­rem Maße der Hil­fe bedür­fen.

Ein auf die Unter­stüt­zung bei sol­chen Ver­rich­tun­gen oder auf deren Über­nah­me gerich­te­ter Zweck liegt nicht bereits dann vor, wenn zu den auf­zu­neh­men­den Per­so­nen auch pfle­ge­be­dürf­ti­ge Per­so­nen gehö­ren und die­se wäh­rend des Auf­ent­halts in der Ein­rich­tung Hil­fe­stel­lung in dem für die Inan­spruch­nah­me der ange­bo­te­nen nicht­pfle­ge­ri­schen Leis­tun­gen erfor­der­li­chen Maß erhal­ten. Viel­mehr muss die Auf­nah­me in die Ein­rich­tung gera­de zum Zweck der Erbrin­gung pfle­ge­ri­scher Leis­tun­gen erfol­gen15. Vor die­sem Hin­ter­grund ist uner­heb­lich, dass im Streit­fall neben der Dia­ly­se, die nicht zu den gewöhn­li­chen und regel­mä­ßig wie­der­keh­ren­den Ver­rich­tun­gen gesun­der bzw. nicht behin­der­ter Per­so­nen gehört16, auch Leis­tun­gen der Grund­pfle­ge erbracht wur­den, die auch bei einem häus­li­chen Auf­ent­halt der Pati­en­ten erfor­der­lich gewe­sen wären. Sol­che Leis­tun­gen wur­den ledig­lich erbracht, um die Inan­spruch­nah­me einer ande­ren Leis­tung ‑der Dia­ly­se- auch für pfle­ge­be­dürf­ti­ge Per­so­nen zu ermög­li­chen.

Offen blei­ben kann, ob ‑wie die GmbH gel­tend macht- die im Streit­fall vor­ge­nom­me­nen Hil­fe­leis­tun­gen bei der Dia­ly­se als Pfle­ge kran­ker Per­so­nen i.S. des § 3 Nr.20 Buchst. d Vari­an­te 2 GewStG a.F. anzu­se­hen ist17. Denn die GmbH erfüllt die Anfor­de­run­gen der ‑für die Aus­le­gung des Begriffs der Ein­rich­tun­gen zur ambu­lan­ten Pfle­ge her­an­zu­zie­hen­den18- Legal­de­fi­ni­ti­on des § 71 Abs. 1 SGB XI nicht. Danach sind unter ambu­lan­ten Pfle­ge­ein­rich­tun­gen (Pfle­ge­diens­te) Ein­rich­tun­gen zu ver­ste­hen, die unter stän­di­ger Ver­ant­wor­tung einer aus­ge­bil­de­ten Pfle­ge­fach­kraft Pfle­ge­be­dürf­ti­ge in ihrer Woh­nung pfle­gen und haus­wirt­schaft­lich ver­sor­gen. Sämt­li­che Leis­tun­gen der GmbH wur­den jedoch in ihren Ein­rich­tun­gen, nicht aber im häus­li­chen Bereich der Dia­ly­se­pa­ti­en­ten erbracht.

Der Bun­des­fi­nanz­hof muss eben­falls nicht ent­schei­den, ob es sich bei den von der GmbH geführ­ten Dia­ly­se­zen­tren um Ein­rich­tun­gen zur ambu­lan­ten oder sta­tio­nä­ren Reha­bi­li­ta­ti­on i.S. des § 3 Nr.20 Buchst. e GewStG i.d.F. des Art. 5 Nr. 2 Buchst. b Dop­pel­buchst. cc Kroa­ti­en-AnpG han­delt. Nach Art. 28 Abs. 1 Kroa­ti­en-AnpG ist das Gesetz am Tag nach der Ver­kün­dung ‑damit am 31.07.2014- in Kraft getre­ten und ist nach § 36 Abs. 1 GewStG in der eben­falls durch das Kroa­ti­en-AnpG geän­der­ten Fas­sung erst­mals für den Erhe­bungs­zeit­raum 2015 anzu­wen­den.

Bun­des­fi­nanz­hof, Urteil vom 25. Janu­ar 2017 – I R 74/​14

  1. BFH, Urtei­le vom 22.10.2003 – I R 65/​02, BFHE 204, 278, BSt­Bl II 2004, 300; vom 22.06.2011 – I R 59/​10, BFH/​NV 2012, 61; BFH, Urtei­le vom 02.10.2003 – IV R 48/​01, BFHE 204, 80, BSt­Bl II 2004, 363; vom 09.09.2015 – X R 2/​13, BFHE 251, 59, BSt­Bl II 2016, 286; BFH, Beschluss vom 01.03.1995 – IV B 43/​94, BFHE 177, 126, BSt­Bl II 1995, 418; s. für § 67 Abs. 1 AO BFH, Urteil vom 06.04.2005 – I R 85/​04, BFHE 209, 345, BSt­Bl II 2005, 545; vgl. auch BFH, Urteil vom 02.03.1989 – IV R 83/​86, BFHE 156, 183, BSt­Bl II 1989, 506 []
  2. s. im Ein­zel­nen BFH, Urtei­le in BFHE 204, 278, BSt­Bl II 2004, 300; in BFHE 209, 345, BSt­Bl II 2005, 545 []
  3. BFH, Urteil in BFHE 204, 278, BSt­Bl II 2004, 300; BFH, Urteil in BFHE 251, 59, BSt­Bl II 2016, 286; eben­so Säch­si­sches FG, Urteil vom 10.10.2013 – 4 K 1898/​11 []
  4. vgl. BFH, Urteil in BFHE 156, 183, BSt­Bl II 1989, 506; s. zu § 107 SGB V: BSG, Urteil vom 28.01.2009 – B 6 KA 61/​07 R, BSGE 102, 219; s.a. die Begrün­dung des Gesetz­ent­wurfs zu § 2 Nr. 1 KHG in BT-Drs. VI/​1874, S. 11 []
  5. vgl. Büh­rer in Bergemann/​Wingler, GewStG, § 3 Rz 142; BVerwG, Urteil vom 18.10.1984 – 1 C 36/​83, BVerw­GE 70, 201 zu § 30 GewO; s. für § 107 Abs. 1 SGB V Kingreen/​Bogan in Rolfs/​Giesen/​Kreikebohm/​Udsching, Beck’scher Online-Kom­men­tar Sozi­al­recht, § 107 SGB V Rz 6; Altmiks/​Joussen in Bergmann/​Pauge/​Steinmeyer, Gesam­tes Medi­zin­recht, 2. Aufl., § 107 SGB V Rz 4; Wahl in Schlegel/​Voelzke, juris­PK-SGB V, 3. Aufl., § 107 Rz 38 []
  6. vgl. zur Ein­ord­nung der Dia­ly­se als ambu­lan­te Behand­lung BFH, Beschluss in BFHE 177, 126, BSt­Bl II 1995, 418; BFH, Urtei­le vom 31.07.2013 – I R 82/​12, BFHE 243, 180, BSt­Bl II 2015, 123, und – I R 31/​12, BFH/​NV 2014, 185; s.a. BSG, Urteil vom 20.12 1978 3 RK 40/​78, BSGE 47, 285 zu § 185b der Reichs­ver­si­che­rungs­ord­nung; BVerwG, Urteil in BVerw­GE 70, 201 zu § 30 GewO []
  7. vgl. BFH, Urtei­le in BFHE 243, 180, BSt­Bl II 2015, 123; in BFH/​NV 2014, 185; BFH, Urteil in BFHE 156, 183, BSt­Bl II 1989, 506; s.a. BFH, Urteil vom 29.06.1994 – I R 102/​93, BFHE 175, 82, BSt­Bl II 1995, 249 []
  8. vgl. BFH, Beschluss vom 18.09.2007 – I R 30/​06, BFHE 219, 184, BSt­Bl II 2009, 126 []
  9. vgl. z.B. BVerfG, Urteil vom 20.04.2004 – 1 BvR 905/​00, BVerfGE 110, 274 []
  10. BFH, Urtei­le vom 22.06.2011 – I R 43/​10, BFHE 233, 551, BSt­Bl II 2011, 892; in BFH/​NV 2012, 61; in BFHE 204, 278, BSt­Bl II 2004, 300; BFH, Beschluss vom 08.09.2011 – I R 78/​10, BFH/​NV 2012, 44; s.a. die Geset­zes­be­grün­dung zu § 3 Nr.20 Buchst. d GewStG a.F. in BT-Drs. 12/​5764, S. 43 []
  11. BFH, Urteil in BFHE 251, 59, BSt­Bl II 2016, 286 []
  12. BT-Drs. 12/​5764, S. 43 []
  13. BGBl I 1993, 2310, BSt­Bl I 1994, 50 []
  14. s. für eine Bezug­nah­me auf § 71 SGB XI BFH, Beschluss in BFHE 219, 184, BSt­Bl II 2009, 126; offen gelas­sen im BFH, Urteil in BFHE 251, 59, BSt­Bl II 2016, 286 []
  15. BFH, Urteil in BFHE 251, 59, BSt­Bl II 2016, 286 []
  16. BSG, Urtei­le vom 12.11.2003 B 3 P 5/​02 R, Sozi­al­recht ‑SozR- 4 – 3300 § 14 Nr. 3; vom 08.10.2014 B 3 P 4/​13 R, SozR 4 – 3300 § 14 Nr. 8 []
  17. vgl. zum Begriff der krank­heits­spe­zi­fi­schen Pfle­ge­maß­nah­men BSG, Urteil vom 19.02.1998 B 3 P3/​97 R, BSGE 82, 27 []
  18. BFH, Beschluss in BFHE 219, 184, BSt­Bl II 2009, 126; BFH, Urteil in BFHE 251, 59, BSt­Bl II 2016, 286; eben­so Schles­wig-Hol­stei­ni­sches FG, Urteil vom 21.02.2001 – II 279/​00, EFG 2001, 645; Sächs. FG, Urteil vom 10.10.2013 – 4 K 1898/​11, juris; Gür­off in Glanegger/​Güroff, GewStG, 8. Aufl., § 3 Nr.20 Rz 435; vgl. auch BFH, Urteil vom 08.09.1994 – IV R 85/​93, BFHE 175, 451, BSt­Bl II 1995, 67 []