Zula­gen­recht­li­che Ein­heits­be­trach­tung bei Betriebs­auf­spal­tung

Besitz- und Betriebs­un­ter­neh­men sind im Zula­gen­recht auch dann ein­heit­lich zu betrach­ten (sog. Merk­mals­zu­rech­nung), wenn bei­de Kapi­tal­ge­sell­schaf­ten sind. Eigen­ge­werb­li­che Tätig­kei­ten der Besitz­ge­sell­schaft ste­hen dem nicht ent­ge­gen.

Zula­gen­recht­li­che Ein­heits­be­trach­tung bei Betriebs­auf­spal­tung

Ein vom Betriebs­un­ter­neh­men ange­schaff­tes Wirt­schafts­gut gehört im zula­gen­recht­li­chen Sin­ne wei­ter­hin zu des­sen Anla­ge­ver­mö­gen, wenn es nach Ver­äu­ße­rung an das Besitz­un­ter­neh­men auf­grund eines Lea­sing­ver­hält­nis­ses wei­ter genutzt wird (Sale-and-lea­se-back-Ver­trag).

Für die Anschaf­fung abnutz­ba­rer beweg­li­cher Wirt­schafts­gü­ter wird – im För­der­ge­biet der neu­en Bun­des­län­der – nach Maß­ga­be des § 2 Abs. 1 Satz 1 i.V.m. § 10 Abs. 4a Satz 1 InvZulG 1999 eine Inves­ti­ti­ons­zu­la­ge gewährt. Dazu müs­sen die Wirt­schafts­gü­ter –neben wei­te­ren hier nicht strei­ti­gen Vor­aus­set­zun­gen– min­des­tens drei Jah­re nach ihrer Anschaf­fung zum Anla­ge­ver­mö­gen eines Betriebs oder einer Betriebs­stät­te im För­der­ge­biet gehö­ren (Zuge­hö­rig­keits­vor­aus­set­zung).

Da die blo­ße Über­las­sung von Maschi­nen an eine GmbH im För­der­ge­biet kei­nen Betrieb und kei­ne Betriebs­stät­te des Über­las­sen­den begrün­det 1, unter­hielt in dem jetzt vom Bun­des­fi­nanz­hof ent­schie­de­nen Streit­fall die Klä­ge­rin im Gegen­satz zur GmbH kei­ne Betriebs­stät­te im För­der­ge­biet. Die Fer­ti­gungs­stra­ße gehör­te daher infol­ge ihrer Ver­äu­ße­rung von der GmbH an die Klä­ge­rin vom 1. Juli 2002 an nicht mehr zum Anla­ge­ver­mö­gen eines Betriebs oder einer Betriebs­stät­te im För­der­ge­biet.

Bei einer Betriebs­auf­spal­tung kann die Zuge­hö­rig­keits­vor­aus­set­zung aber auch dann erfüllt sein, wenn das außer­halb des För­der­ge­biets ansäs­si­ge Besitz­un­ter­neh­men dem Betriebs­un­ter­neh­men im För­der­ge­biet wesent­li­che Betriebs­grund­la­gen über­las­sen hat.

Der Bun­des­fi­nanz­hof hat wie­der­holt ent­schie­den, dass ein Wirt­schafts­gut im zula­gen­recht­li­chen Sin­ne auch dann zum Anla­ge­ver­mö­gen einer Betriebs­stät­te im För­der­ge­biet gehö­ren kann, wenn es im Rah­men einer Betriebs­auf­spal­tung mit betriebs­ver­mö­gens­mä­ßi­ger Ver­flech­tung von dem inves­tie­ren­den Besitz­un­ter­neh­men außer­halb des För­der­ge­biets an das Betriebs­un­ter­neh­men im För­der­ge­biet über­las­sen wird 2. Denn es wür­de der Rechts­na­tur der Betriebs­auf­spal­tung als blo­ßer Auf­tei­lung der Funk­tio­nen eines nor­ma­ler­wei­se ein­heit­li­chen Betriebs auf zwei Rechts­trä­ger wider­spre­chen, wenn die Zula­ge unter dem for­ma­len Gesichts­punkt ver­sagt wür­de, dass Besitz- und Betriebs­un­ter­neh­men recht­lich selb­stän­di­ge Unter­neh­men sind. Die­se Ein­heits­be­trach­tung wird auch bei § 2 FördG 3 und bei § 3 Abs. 1 des Zonen­rand­för­de­rungs­ge­set­zes 4 ange­wandt, deren Zweck, Inves­ti­tio­nen in einem bestimm­ten Gebiet zu för­dern, im Wesent­li­chen mit den Zwe­cken des InvZulG 1999 über­ein­stimmt.

Der Bun­des­fi­nanz­hof hat die ein­heit­li­che Betrach­tung von betriebs­ver­mö­gens­mä­ßig unmit­tel­bar mit­ein­an­der ver­bun­de­nen Besitz- und Betriebs­un­ter­neh­men im Zula­gen­recht auch für die kapi­ta­lis­ti­sche Betriebs­auf­spal­tung aner­kannt 5, denn auch die kapi­ta­lis­ti­sche Betriebs­auf­spal­tung kenn­zeich­net sich durch die Auf­tei­lung der Funk­tio­nen eines ein­heit­li­chen Betriebs auf zwei Rechts­trä­ger 6. Es wäre auch nicht gerecht­fer­tigt, eine Besitz­ka­pi­tal­ge­sell­schaft schlech­ter zu behan­deln als eine Besitz­per­so­nen­ge­sell­schaft, wenn bei­de die För­de­rungs­vor­rau­set­zung eines Betriebs oder einer Betriebs­stät­te im För­der­ge­biet nicht selbst erfül­len und daher –unab­hän­gig von ihrer Rechts­form– ohne die Ein­heits­be­trach­tung von Besitz- und Betriebs­un­ter­neh­men kei­ne Zula­ge erhal­ten könn­ten.

Bun­des­fi­nanz­hof, Urteil vom 20. Mai 2010 – III R 28/​08

  1. BFH, Urteil in BFHE 188, 176, BSt­Bl II 1999, 607[]
  2. z.B. BFH, Urte­le in BFHE 188, 176, BSt­Bl II 1999, 607, betr. § 2 Satz 1 Nr. 1 InvZulG 1991; in BFHE 202, 181, BSt­Bl II 2003, 613; vom 19.08.2009 – III R 68/​06, BFH/​NV 2010, 241[]
  3. BFH, Urteil in BFHE 201, 36, BSt­Bl II 2003, 272[]
  4. BFH, Urteil vom 14.05.2009 – IV R 27/​06, BFHE 225, 187, BSt­Bl II 2009, 881[]
  5. zum Begriff vgl. Gluth in Herrmann/​Heuer/​Raupach, § 15 EStG Rz 781; Schmidt/​Wacker, EStG, 29. Aufl., § 15 Rz 863[]
  6. BFH, Urteil vom 16.09.1994 – III R 45/​92, BFHE 176, 98, BSt­Bl II 1995, 75; BFH, Beschlüs­se vom 26.02.1998 – III B 170/​94, BFH/​NV 1998, 1258; vom 09.08.2002 – III B 34/​02, BFH/​NV 2002, 1616; zustim­mend Schmidt/​Wacker, a.a.O., § 15 Rz 863; Blümich/​Stuhrmann, § 15 EStG Rz 592[]

Kommentar hinterlassen

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.