Erb­schaft­steu­er­klas­sen

Die erb­schaft­steu­er­li­che Gleich­stel­lung der Erwer­ber der Steu­er­klas­se II (z.B. Eltern, Geschwis­ter) mit Erwer­bern der Steu­er­klas­se III (alle übri­gen Erwer­ber) durch §19 Abs. 1 ErbStG ist nach Auf­fas­sung des Finanz­ge­richts Düs­sel­dorf nicht ver­fas­sungs­wid­rig.

Erb­schaft­steu­er­klas­sen

Im hier vom Finanz­ge­richt Düs­sel­dorf ent­schie­de­nen Streit­fall hat­te der Nef­fe sei­nen Onkel beerbt. Das beklag­te Finanz­amt erhob auf den sich nach Abzug eines Frei­be­trags von 20.000 Euro erge­ben­den steu­er­pflich­ti­gen Erwerb von abge­run­det 31.200 Euro einen Steu­er­satz von 30%. Nach erfolg­lo­sem Ein­spruchs­ver­fah­ren hat­te der Klä­ger Kla­ge erho­ben. Zur Begrün­dung führ­te er aus, die Gleich­stel­lung der Erwer­ber der Steu­er­klas­se II mit Erwer­bern der Steu­er­klas­se III durch § 19 Abs. 1 ErbStG i.d.F. des Erb­schaft­steu­er­re­form­ge­set­zes vom 24.12.2008 1 ver­sto­ße gegen Art. 6 Abs. 1 GG. Der Begriff der Fami­lie i.S.d. Art. 6 Abs. 1 GG sei nicht auf einen bestimm­ten Grad der ver­wandt­schaft­li­chen Bezie­hun­gen beschränkt. Nahe Fami­li­en­an­ge­hö­ri­ge des Erb­las­sers, die der Steu­er­klas­se II zuzu­ord­nen sei­en, dürf­ten nicht mit den­sel­ben Steu­er­sät­zen wie frem­de Drit­te mit Erb­schaft­steu­er belas­tet wer­den.

Das Finanz­ge­richt Düs­sel­dorf folg­te die­ser Auf­fas­sung nicht und wies die Kla­ge ab. Sei­ner Mei­nung nach liegt kein Ver­stoß gegen Art. 6 Abs. 1 GG vor. Der Begriff der Fami­lie i.S.d. Art. 6 Abs. 1 GG umfas­se nach der Recht­spre­chung des BVerfG die Gemein­schaft zwi­schen Eltern und Kin­dern. Dem­ge­mäß sei der erb­schaft­steu­er­li­che Zugriff (nur) bei Fami­li­en­an­ge­hö­ri­gen im Sin­ne der Steu­er­klas­se I der­art zu mäßi­gen, dass jedem die­ser Steu­er­pflich­ti­gen der jeweils auf ihn über­kom­me­ne Nach­lass zumin­dest zum deut­lich über­wie­gen­den Teil oder, bei klei­ne­ren Ver­mö­gen, völ­lig steu­er­frei zugu­te kom­me. Zwar könn­ten auch nahe Ver­wand­te – wie zum Bei­spiel Groß­el­tern und Enkel – dem Schutz­be­reich des Art. 6 Abs. 1 GG unter­fal­len. Als Nef­fe des Erb­las­sers sei der Klä­ger jedoch kein naher Ver­wand­ter. Die Gleich­stel­lung der Erwer­ber der Steu­er­klas­se II mit Erwer­bern der Steu­er­klas­se III durch § 19 Abs. 1 ErbStG ver­sto­ße auch nicht gegen Art. 3 Abs. 1 GG. Der Gesetz­ge­ber des Erb­schaft­steu­er­re­form­ge­set­zes habe Erwer­ber der Steu­er­klas­se II und Erwer­ber der Steu­er­klas­se III in § 19 Abs. 1 ErbStG gleich­ge­stellt, obgleich die erst­ge­nann­te Per­so­nen­grup­pe im Gegen­satz zur letzt­ge­nann­ten Per­so­nen­grup­pe regel­mä­ßig eine ver­wandt­schaft­li­che Nähe zum Erb­las­ser oder Schen­ker auf­wei­se.

Finanz­ge­richt Düs­sel­dorf, Urteil vom 12. Janu­ar 2011 – 4 K 2574/​10 Erb [Revi­si­on anhän­gig beim BFH – II R 9/​11]

  1. BGBl I, 3018[]