Zusam­men­fas­sung meh­re­rer Erwer­be in einem Schen­kungsteu­er­be­scheid

Bei der Zusam­men­fas­sung meh­re­rer Erwer­be in einem Schen­kungsteu­er­be­scheid genügt die­ser Bescheid bei einer nicht auf­ge­glie­der­ten Steu­er­fest­set­zung für die ein­zel­nen Erwer­be nicht den Anfor­de­run­gen an die inhalt­li­che Bestimmt­heit (§ 119 Abs. 1 AO) und ist des­halb nach § 125 Abs. 1 i.V.m. § 124 Abs. 3 AO unwirk­sam.

Zusam­men­fas­sung meh­re­rer Erwer­be in einem Schen­kungsteu­er­be­scheid

Schrift­li­che Steu­er­be­schei­de müs­sen inhalt­lich hin­rei­chend bestimmt sein (§ 119 Abs. 1 AO) und die fest­ge­setz­te Steu­er nach Art und Betrag bezeich­nen (§ 157 Abs. 1 Satz 2 AO). Wer­den meh­re­re Erwer­be (Steu­er­fäl­le) in einem Bescheid besteu­ert, bedarf es neben der genau­en Anga­be, wel­che Lebens­sach­ver­hal­te (Besteue­rungs­tat­be­stän­de, Besteue­rungs­zeit­räu­me) besteu­ert wer­den sol­len, für jeden Steu­er­fall einer geson­der­ten Fest­set­zung der Steu­er 1. Erfor­der­lich ist eine Auf­glie­de­rung der Steu­er­schuld ins­be­son­de­re dann, wenn das recht­li­che Schick­sal der ver­schie­de­nen Steu­er­an­sprü­che nach Anspruchs­grund bzw. des­sen Weg­fall, hin­sicht­lich mög­li­cher Befrei­ungs­tat­be­stän­de und des Ein­tritts der Ver­jäh­rung einen unter­schied­li­chen Ver­lauf neh­men sowie der für den Ein­zel­fall fest­ge­setz­ten Steu­er eine wei­te­re recht­li­che Bedeu­tung für wei­te­re Steu­er­fäl­le (z.B. im Rah­men des § 14 ErbStG) zukom­men kann 2.

Es ist des­halb unzu­läs­sig, bei meh­re­ren Lebens­sach­ver­hal­ten die ver­schie­de­nen Steu­er­schul­den des­sel­ben Steu­er­schuld­ners in einem Betrag ohne Auf­glie­de­rung zusam­men­zu­fas­sen 3.

Die Zusam­men­fas­sung meh­re­rer Steu­er­fäl­le in einem Bescheid ohne Auf­glie­de­rung der ver­schie­de­nen Steu­er­schul­den führt bei der Schen­kungsteu­er zur Nich­tig­keit des Bescheids nach § 125 Abs. 1 AO, wenn nicht aus­nahms­wei­se eine dif­fe­ren­zier­te Fest­set­zung der Schen­kungsteu­er für jeden ein­zel­nen Schen­kungs­vor­gang ver­zicht­bar ist 2.

So war auch in dem hier vom Bun­des­fi­nanz­hof ent­schie­de­nen Fall der von der Klä­ge­rin ange­foch­te­ne Schen­kungsteu­er­be­scheid wegen inhalt­li­cher Unbe­stimmt­heit unwirk­sam: Das Finanz­amt hat die Schen­kungsteu­er für meh­re­re schen­kungsteu­er­recht­lich rele­van­te Sach­ver­hal­te, bei denen es sich um jeweils getrennt zu beur­tei­len­de Steu­er­fäl­le han­delt, unauf­ge­glie­dert zusam­men­ge­fasst. Aus der Anla­ge zum Schen­kungsteu­er­be­scheid ist zwar erkenn­bar, wel­che Zuwen­dun­gen des E im Ein­zel­nen als Erwer­be der Klä­ge­rin erfasst wer­den soll­ten. Das Finanz­amt hat aber im Schen­kungsteu­er­be­scheid und in der Ein­spruchs­ent­schei­dung nicht ange­ge­ben, wel­che Schen­kungsteu­er für die auf­ge­führ­ten Zuwen­dun­gen jeweils fest­ge­setzt wur­de. Der geson­der­te Aus­weis der Schen­kungsteu­er für jeden ein­zel­nen Erwerb wäre im Steu­er­be­scheid schon des­halb erfor­der­lich gewe­sen, weil die jewei­li­gen Erwer­be unter­schied­li­chen Steu­er­sät­zen nach § 19 Abs. 1 ErbStG unter­la­gen.

Es kann offen blei­ben, ob die Unbe­stimmt­heit des Bescheids durch die Ein­spruchs­ent­schei­dung geheilt oder der unbe­stimm­te Bescheid durch die Ein­spruchs­ent­schei­dung ersetzt wer­den konn­te, denn das Finanz­amt setz­te sowohl den feh­len­den Aus­weis der auf den ein­zel­nen Erwerb ent­fal­len­den Schen­kungsteu­er als auch die feh­ler­haf­te Berech­nung der Schen­kungsteu­er in der Ein­spruchs­ent­schei­dung fort. Die Steu­er­fest­set­zung wur­de zwar nach § 129 AO berich­tigt, weil im ursprüng­li­chen Steu­er­be­scheid ein Addi­ti­ons­feh­ler unter­lau­fen sei. Es wur­de aber nicht ange­ge­ben, für wel­chen Erwerb die Schen­kungsteu­er berich­tigt wur­de und wel­che Schen­kungsteu­er nun­mehr nach der Berich­ti­gung für den jewei­li­gen Erwerb fest­ge­setzt wird. Das Finanz­amt wen­de­te wie­der­um einen ein­heit­li­chen Steu­er­satz für alle Erwer­be an, ohne nach der zeit­li­chen Abfol­ge der Erwer­be zu dif­fe­ren­zie­ren. Damit ist nicht hin­rei­chend bestimmt, wie sich die in der Ein­spruchs­ent­schei­dung fest­ge­setz­te Schen­kungsteu­er auf die ein­zel­nen Erwer­be auf­teilt.

Bun­des­fi­nanz­hof, Urteil vom 20. Novem­ber 2013 – II R 64/​11

  1. vgl. BFH, Urtei­le vom 09.12 1998 – II R 6/​97, BFH/​NV 1999, 1091; vom 22.09.2004 – II R 50/​03, BFH/​NV 2005, 993; vom 15.03.2007 – II R 5/​04, BFHE 215, 540, BSt­Bl II 2007, 472; vom 06.06.2007 – II R 17/​06, BFHE 217, 398, BSt­Bl II 2008, 46[]
  2. vgl. BFH, Urteil in BFH/​NV 2005, 993, m.w.N.[][]
  3. BFH, Urtei­le vom 28.01.1983 – VI R 35/​78, BFHE 138, 188, BSt­Bl II 1983, 472, und in BFH/​NV 1999, 1091[]

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