Form­un­wirk­sam­keit einer Abtre­tungs­an­zei­ge – der feh­ler­haf­te Vor­druck der Finanz­ver­wal­tung

Nach § 46 Abs. 2 und 3 AO ist eine Abtre­tung von Ansprü­chen auf Erstat­tung von Steu­ern nur wirk­sam, wenn sie der Gläu­bi­ger der zustän­di­gen Finanz­be­hör­de unter Anga­be u.a. des Abtre­tungs­grun­des auf einem amt­lich vor­ge­schrie­be­nen Vor­druck anzeigt.

Form­un­wirk­sam­keit einer Abtre­tungs­an­zei­ge – der feh­ler­haf­te Vor­druck der Finanz­ver­wal­tung

Die­se Vor­schrift hat der Bun­des­fi­nanz­hof 1 dahin aus­ge­legt, dass die in einer Abtre­tungs­an­zei­ge not­wen­di­gen Anga­ben zum Abtre­tungs­grund auch dann (zusätz­lich) eine kur­ze stich­wort­ar­ti­ge Kenn­zeich­nung des zugrun­de lie­gen­den schuld­recht­li­chen Lebens­sach­ver­halts erfor­dern, wenn das auf dem amt­li­chen Vor­druck vor­ge­se­he­ne Feld "Siche­rungs­ab­tre­tung" ange­kreuzt wor­den ist.

Dass die Gestal­tung des nach dem Gesetz zu ver­wen­den­den amt­li­chen Vor­drucks dazu ver­lei­ten kön­ne, nur unzu­rei­chen­de Anga­ben zum Abtre­tungs­grund zu machen –der amt­li­che (inzwi­schen neu gefass­te, im Streit­fall jedoch noch zu ver­wen­den­de und ver­wand­te) Vor­druck ent­hielt im Fal­le der Siche­rungs­ab­tre­tung kein frei­es Feld, kei­ne Leer­zei­le odgl. für wei­te­re Ein­tra­gun­gen zum Grund der Abtre­tung – , recht­fer­ti­ge es nicht, eine unvoll­stän­di­ge Abtre­tungs­an­zei­ge gleich­wohl als form­wirk­sam anzu­se­hen. Denn nach dem Grund­satz von Treu und Glau­ben kön­ne eine form­un­wirk­sa­me Abtre­tungs­an­zei­ge nur dann aus­nahms­wei­se als wirk­sam ange­se­hen wer­den, wenn die Beru­fung auf die Form­un­wirk­sam­keit zu einem schlecht­hin untrag­ba­ren Ergeb­nis füh­re. Ein sol­cher Aus­nah­me­fall sei ins­be­son­de­re des­halb nicht gege­ben, weil der Irr­tum, mit dem Ankreu­zen des Fel­des "Siche­rungs­ab­tre­tung" die erfor­der­li­chen Anga­ben zum Abtre­tungs­grund gemacht zu haben, wegen des Urteils des Bun­des­fi­nanz­hofs vom 13. Novem­ber 2001 2 nicht unver­meid­bar gewe­sen sei.

So liegt es auch im hier vom Bun­des­fi­nanz­hof ent­schie­de­nen Fall: Die strei­ti­ge Abtre­tungs­er­klä­rung ent­hielt kei­ner­lei Anga­ben zu dem der Abtre­tung zugrun­de lie­gen­den schuld­recht­li­chen Lebens­sach­ver­halt und war des­halb unwirk­sam, wor­auf sich zu beru­fen dem Finanz­amt nicht nach Treu und Glau­ben ver­wehrt ist. Denn es hät­te bei Abga­be der Abtre­tungs­an­zei­ge anhand vor­ge­nann­ten Urteils des Bun­des­fi­nanz­hofs, das bereits vor­lag und ver­öf­fent­licht wor­den war, erkannt wer­den kön­nen, wel­che Anga­ben zum Grund der Abtre­tung vom Gesetz ver­langt wer­den.

Dass die Tat­sa­chen, über die sol­che Anga­ben zu machen sind, dem Finanz­amt ander­weit bekannt gewe­sen sein mögen, ändert an den Anfor­de­run­gen an die Form einer Abtre­tungs­an­zei­ge nichts, zumal die­se nach vor­ge­nann­ter Recht­spre­chung des Bun­des­fi­nanz­hofs nicht nur eine Warn­funk­ti­on gegen­über dem Zeden­ten erfül­len soll –durch deren Aus­fül­lung soll sich der Zedent den ihr zugrun­de lie­gen­den Lebens­sach­ver­halt noch ein­mal vor Augen füh­ren – , son­dern die auch der Finanz­be­hör­de die Bear­bei­tung der Sache erleich­tern soll, indem sie die­ser auf den ers­ten Blick einen Anhalts­punkt dafür lie­fert, ob eine nähe­re Prü­fung der Wirk­sam­keit der Abtre­tung nach Maß­ga­be des § 46 Abs. 4 AO ange­zeigt ist.

Bun­des­fi­nanz­hof, Urteil vom 28. August 2012 – VII R 62/​11

  1. BFH, Urteil in BFHE 235, 111, BSt­Bl II 2012, 92[]
  2. BFH, Urteil vom 13.11.2001 – VII R 107/​00, BFHE 197, 5, BSt­Bl II 2002, 402[]