Hof­er­ben – und die steu­er­li­chen Fol­gen einer Abfin­dung

Besteht ein Abfin­dungs­an­spruch auf Über­tra­gung von Grund­stü­cken, hat der Hof­ei­gen­tü­mer trotz einer sich dar­aus erge­ben­den erheb­li­chen Steu­er­last die­sen zu erfül­len.

Hof­er­ben – und die steu­er­li­chen Fol­gen einer Abfin­dung

Mit die­ser Begrün­dung hat das Ober­lan­des­ge­richt Hamm in dem hier vor­lie­gen­den Fall eine Hof­ei­gen­tü­me­rin dazu ver­pflich­tet, dem Bru­der ihres ver­stor­be­nen Man­nes auf­grund eines Abfin­dungs­an­spruchs die Grund­stü­cke unent­gelt­lich und las­ten­frei zu über­tra­gen. Die Steu­er­last von ca. 445.000,00 Euro, die sich durch die Her­aus­nah­me der betref­fen­den Grund­stü­cke aus dem Betriebs­ver­mö­gen des Hofes ergibt, hat die Hof­be­sit­ze­rin allein zu tra­gen. Nach Auf­fas­sung des Ober­lan­des­ge­richts Hamm ist bereits beim Ver­trags­ab­schluss erkenn­bar gewe­sen, dass es auf­grund einer Dif­fe­renz zwi­schen Buch­wert und tat­säch­li­chen Ver­kehrs­wert zu einer erhöh­ten Ein­kom­men­steu­er­last des Hof­ei­gen­tü­mers kom­men wird, wenn die Abfin­dungs­flä­che aus dem Hof­ver­mö­gen ent­nom­men wird.

Die­se finan­zi­ell schwie­ri­ge Situa­ti­on hät­te nicht ein­tre­ten müs­sen. Ein kom­pe­ten­ter Steu­er­be­ra­ter hät­te bereits bei der Ver­ein­ba­rung der Hof­über­tra­gung durch die Eltern und der gleich­zei­tig fest­ge­leg­ten Erb- und Pflicht­teils­an­sprü­che umfas­sen­den Abfin­dung auf mög­li­che spä­te­re Fol­gen hin­wei­sen kön­nen. Gera­de bei sol­chen, die gesam­te Exis­tenz betref­fen­den Rege­lun­gen kann es von Vor­teil sein, sich von Fach­leu­ten bera­ten zu las­sen. Unab­hän­gig vom Stand­ort des Hofes, ist sowohl ein erfah­re­ner Steu­er­be­ra­ter aus Dort­mund genau­so wie einer aus Lands­hut in der Lage, auf die Schwie­rig­kei­ten hin­zu­wei­sen. Dar­über hin­aus kann ein Steu­er­be­ra­ter im Hin­blick auf eine zukünf­ti­ge Erfül­lung einer Abfin­dung den Hof­ei­gen­tü­mer unter­stü­zen, recht­zei­tig Rück­la­gen zu bil­den und die künf­ti­ge Steu­er­last zu min­dern.

In dem hier vor­lie­gen­den Fall han­delt es sich um einen in Müns­ter-Wol­beck gele­ge­nen Hofes eines Eltern­paa­res von zwei 1934 und 1929 gebo­re­nen Söh­nen. Die Eltern sind bereits in den 1970er Jah­ren ver­stor­ben. Im Jah­re 1969 über­tru­gen sie den Hof­be­sitz ihrem älte­ren Sohn, dem dama­li­gen Ehe­mann der Antrags­geg­ne­rin. Die­ser ver­starb im Jah­re 2002 und wur­de von der Antrags­geg­ne­rin allein beerbt. Neben der Hof­über­tra­gung ist mit den Söh­nen auch eine Erb- und Pflicht­teils­an­sprü­che umfas­sen­de Abfin­dung des jün­ge­ren Soh­nes ver­ein­bart wor­den. Danach soll­te er nicht nur ein mit einem Wohn­haus bebau­tes Grund­stück in Müns­ter erhal­ten, son­dern auch damals land­wirt­schaft­lich genutz­te Grund­stü­cke mit einer Grö­ße von 3.750 m² aus dem über­tra­ge­nen Hof­be­sitz – sobald die­se bebau­ungs­reif sein soll­ten. Die­se Grund­stü­cke soll­ten dann unent­gelt­lich und las­ten­frei über­tra­gen wer­den. 2004 trat auf­grund eines ver­ab­schie­de­ten neu­en Bebau­ungs­plans die Bebau­ungs­rei­fe ein. Nach­dem 2013 der jün­ge­re Sohn die Über­tra­gung der Grund­stü­cke erfolg­los ein­for­der­te, hat er sein Ziel vor Gericht wei­ter­ver­folgt.

Trotz der zu erwar­ten­den Ein­kom­men­steu­er von ca. 445.000,00 Euro hat das Ober­lan­des­ge­richt Hamm die Beschwer­de der Hof­be­sit­ze­rin zurück­ge­wie­sen und das Begeh­ren auf Über­tra­gung der Grund­stü­cke als rech­tens ange­se­hen. Der Abfin­dungs­an­spruch ist nach Auf­fas­sung des Ober­lan­des­ge­richts Hamm nicht ver­jährt und dar­über hin­aus rechts­wirk­sam zwi­schen dem Antrag­stel­ler und sei­nem Bru­der ver­ein­bart wor­den – und nun­mehr von der Antrags­geg­ne­rin als Erbin des ver­stor­be­nen Bru­ders zu erfül­len.

Ober­lan­des­ge­richt Hamm, Beschluss vom 8. Dezem­ber 2016 – 10 W 208/​15