Grund­stücks­er­werb und Ehe­gat­ten­ge­sell­schaf­ten

Die all­ge­mei­ne Steu­er­ver­güns­ti­gung des § 3 Nr. 4 GrEStG für Grund­stücks­er­wer­be durch den Ehe­gat­ten fin­det im Rah­men des § 6 GrEStG ent­spre­chen­de Anwen­dung.

Grund­stücks­er­werb und Ehe­gat­ten­ge­sell­schaf­ten

Nach § 6 Abs. 3 Satz 1 i.V.m. Abs. 1 Satz 1 GrEStG wird die Steu­er nicht erho­ben, soweit Antei­le der Gesell­schaft am Ver­mö­gen der erwer­ben­den Gesamt­hand den jewei­li­gen Antei­len die­ser Gesell­schaf­ter am Ver­mö­gen der über­tra­gen­den Gesamt­hand ent­spre­chen. Bei dop­pel­stö­cki­gen Gesamt­hands­ge­mein­schaf­ten, bei denen eine Gesamt­hand unmit­tel­bar an einer ande­ren betei­ligt ist, ist nicht die Gesamt­hand als sol­che als Zurech­nungs­ob­jekt anzu­se­hen, son­dern ein Rück­griff auf die am Ver­mö­gen der Gesamt­hand Betei­lig­ten gebo­ten 1.

Der im Ver­schmel­zungs­ver­trag bestimm­te Kapi­tal­an­teil der A‑KG an der Klä­ge­rin von nun­mehr 99, 39 % hat, ver­gli­chen mit dem Kapi­tal­an­teil der A‑KG an der R‑KG vor der Ver­schmel­zung in Höhe von 99, 11 %, zu einer Erhö­hung der ver­mö­gens­mä­ßi­gen Betei­li­gung der S an der Klä­ge­rin um 0, 2782 % geführt. Die­ser Meh­rerwerb der S zu Las­ten der ver­mö­gens­mä­ßi­gen Betei­li­gung des Z an der A‑KG ist gemäß § 3 Nr. 4 GrEStG und § 6 Abs. 3 Satz 1 i.V.m. Abs. 1 Satz 1 GrEStG des­halb begüns­tigt, weil S und Z im Zeit­punkt des ver­schmel­zungs­be­ding­ten Meh­rerwerbs noch Ehe­gat­ten waren. Die all­ge­mei­ne Steu­er­ver­güns­ti­gung des § 3 Nr. 4 GrEStG für Grund­stücks­er­wer­be durch den Ehe­gat­ten fin­det im Rah­men des § 6 GrEStG ent­spre­chen­de Anwen­dung 2.

Die Vor­aus­set­zun­gen für die Nicht­er­he­bung der Steu­er gemäß § 6 Abs. 3 Satz 1 i.V.m. Abs. 1 Satz 1 GrEStG sind dadurch rück­wir­kend i.S. des § 175 Abs. 1 Satz 1 Nr. 2 i.V.m. Abs. 2 Satz 1 Alter­na­ti­ve 1 AO ent­fal­len, dass S ihre Kom­man­dit­be­tei­li­gung in Höhe von 90 % an der A‑KG mit Wir­kung zum 1.07.2006 auf die B‑GmbH über­tra­gen hat.

Gemäß § 6 Abs. 3 Satz 2 GrEStG ist § 6 Abs. 1 GrEStG beim Über­gang eines Grund­stücks von einer Gesamt­hand auf eine ande­re Gesamt­hand inso­weit nicht ent­spre­chend anzu­wen­den, als sich der Anteil des Gesamt­hän­ders am Ver­mö­gen der erwer­ben­den Gesamt­hand inner­halb von fünf Jah­ren nach dem Über­gang des Grund­stücks von der einen auf die ande­re Gesamt­hand ver­min­dert. Kommt es inner­halb die­ses Zeit­raums zu einer Ver­min­de­rung des Anteils des Gesamt­hän­ders am Ver­mö­gen der erwer­ben­den Gesamt­hand, so ist danach die Grund­er­werb­steu­er für den ursprüng­li­chen Erwerbs­vor­gang abwei­chend von § 6 Abs. 3 Satz 1 i.V.m. Abs. 1 Satz 1 GrEStG zu erhe­ben.

Nach der Ziel­set­zung des § 6 Abs. 3 i.V.m. Abs. 1 GrEStG soll der Über­gang eines Grund­stücks von einer Gesamt­hand auf eine ande­re Gesamt­hand nur in dem Umfang begüns­tigt sein, in dem sich die Betei­li­gung der Gesell­schaf­ter am Ver­mö­gen der über­tra­gen­den Gesamt­hand am Ver­mö­gen der erwer­ben­den Gesamt­hand fort­setzt. Damit knüpft § 6 GrEStG an die für die Gesamt­hand kenn­zeich­nen­de unmit­tel­ba­re ding­li­che Mit­be­rech­ti­gung der Gesamt­hän­der am Gesell­schafts­ver­mö­gen an 3. Die­se ding­li­che Mit­be­rech­ti­gung geht durch den Über­gang eines Anteils an einer Gesamt­hand auf eine Kapi­tal­ge­sell­schaft ver­lo­ren. Dem­ge­mäß lie­gen die Vor­aus­set­zun­gen des § 6 Abs. 3 Satz 2 GrEStG dann vor, wenn die erwer­ben­de Gesamt­hand inner­halb von fünf Jah­ren nach dem Grund­stücks­über­gang in eine Kapi­tal­ge­sell­schaft umge­wan­delt wird 4.

Bun­des­fi­nanz­hof, Urteil vom 17. Dezem­ber 2014 – II R 24/​13

  1. BFH, Urtei­le vom 27.04.2005 – II R 61/​03, BFHE 210, 56, BSt­Bl II 2005, 649; vom 29.02.2012 – II R 57/​09, BFHE 237, 244, BSt­Bl II 2012, 917; vom 25.09.2013 – II R 17/​12, BFHE 243, 404, BSt­Bl II 2014, 268; vom 03.06.2014 – II R 1/​13, BFHE 245, 386, BSt­Bl II 2014, 855[]
  2. z.B. BFH, Urtei­le vom 11.06.2008 – II R 58/​06, BFHE 222, 87, BSt­Bl II 2008, 879; vom 16.01.2013 – II R 66/​11, BFHE 240, 191, BSt­Bl II 2014, 266[]
  3. BFH, Urteil in BFHE 237, 244, BSt­Bl II 2012, 917, Rz 22, m.w.N.[]
  4. BFH, Urteil in BFHE 243, 404, BSt­Bl II 2014, 268[]