Her­an­zie­hung der Grund­be­sitz­wer­te für die Grund­er­werb­steu­er

Das Finanz­ge­richt Müns­ter hat erheb­li­che Beden­ken an der Ver­fas­sungs­mä­ßig­keit der gesetz­li­chen Rege­lung zur Fest­stel­lung von Grund­be­sitz­wer­ten gemäß § 8 Abs. 2 GrEStG in Ver­bin­dung mit §§ 138 ff. BewG geäu­ßert und daher die Voll­zie­hung der strei­ti­gen Grund­er­werb­steu­er­be­schei­de aus­ge­setzt.

Her­an­zie­hung der Grund­be­sitz­wer­te für die Grund­er­werb­steu­er

Im Streit­fall war es im Rah­men von gesell­schafts­recht­li­chen Umstruk­tu­rie­run­gen zur Über­tra­gung von bebau­ten Grund­stü­cken gekom­men, die der Grund­er­werb­steu­er unter­lie­gen. Umstrit­ten ist aller­dings, in wel­cher Höhe die Grund­er­werb­steu­er fest­zu­set­zen ist. Grund­sätz­lich bemisst sich die Grund­er­werb­steu­er nach dem Wert der Gegen­leis­tung (§ 8 Abs. 1 GrEStG). Beim Kauf eines Grund­stü­ckes ist Bemes­sungs­grund­la­ge für die Grund­er­werb­steu­er daher der Kauf­preis. Ist aber kei­ne Gegen­leis­tung ver­ein­bart, was z.B. bei Unter­neh­mens­um­struk­tu­rie­run­gen häu­fig der Fall ist, so ist die Steu­er nach den Wer­ten des § 138 Abs. 2 oder 3 BewG zu bemes­sen (§ 8 Abs. 2 GrEStG). Die dort vor­ge­se­he­ne Bewer­tung für bebau­te und unbe­bau­te Grund­stü­cke hat das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt im Zusam­men­hang mit der Fest­set­zung von Erb­schaft- und Schen­kungsteu­er bereits mit Beschluss vom 7. Novem­ber 2006 1 als ver­fas­sungs­wid­rig ange­se­hen.

Das Finanz­ge­richt Müns­ter hat jetzt klar­ge­stellt, dass die Aus­füh­run­gen des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts nicht nur auf Wert­ermitt­lun­gen im Rah­men der Fest­set­zung von Erb­schaft- und Schen­kungsteu­er beschränkt sind, son­dern auch für die Bemes­sung der Grund­er­werb­steu­er gem. § 8 Abs. 2 GrEStG gel­ten. Ent­spre­chen­des hat­te der Bun­des­fi­nanz­hof in einer Bei­tritts­auf­for­de­rung an das Bun­des­mi­nis­te­ri­um der Finan­zen in einem noch lau­fen­den Ver­fah­ren geäu­ßert 2, eine Ent­schei­dung des Bun­des­fi­nanz­hofs zu die­ser Fra­ge liegt aller­dings noch nicht vor.

An einer Aus­set­zung der Voll­zie­hung der strei­ti­gen Beschei­de sah sich das Finanz­ge­richt Müns­ter auch nicht durch ein über­wie­gen­des öffent­li­ches Inter­es­se, ins­be­son­de­re das staat­li­che Inter­es­se an einer geord­ne­ten Haus­halts­füh­rung, gehin­dert, da die Ent­schei­dung kei­ne Aus­wir­kung auf sämt­li­che Grund­er­werb­steu­er­fest­set­zun­gen habe. Das Aus­set­zungs­in­ter­es­se der Antrag­stel­le­rin sei – so das Gericht – auch des­halb nicht nach­ran­gig, weil das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt mög­li­cher­wei­se die strei­ti­gen Nor­men mit Wir­kung für die Ver­gan­gen­heit – d.h. ab dem 1. Janu­ar 2009 – für nich­tig erklä­re.

Finanz­ge­richt Müns­ter, Beschluss vom 4. August 2010 – 3 V 936/​10 F

  1. BVerfG, Beschluss vom 07.11.2006 – 1 BvL 10/​02[]
  2. BFH, Beschluss vom 27.05.2009 – II R 64/​08[]