Ver­gnü­gungs­steu­er für ein­ar­mi­ge Ban­di­ten

Mit drei Urtei­len hat das Ver­wal­tungs­ge­richt Aachen erneut Kla­gen von Spiel­au­to­ma­ten­auf­stel­lern gegen Ver­gnü­gungs­steu­er­be­schei­de der Stadt Aachen abge­wie­sen, mit der die­se Ver­gnü­gungs­steu­er als 5%-Anteil am Spiel­ein­satz berech­net hat­te. Das Ver­wal­tungs­ge­richt Aachen setzt sich damit in Wider­spruch zu anders lau­ten­der Recht­spre­chung des Säch­si­schen Ober­ver­wal­tungs­ge­richts, nach der die­se Berech­nung der Ver­gnü­gungs­steu­er unzu­läs­sig ist.

Ver­gnü­gungs­steu­er für ein­ar­mi­ge Ban­di­ten

Die Ver­gnü­gungs­steu­er wird von Städ­ten und Gemein­den auf­grund kom­mu­na­ler Sat­zun­gen erho­ben. Sie ist eine Auf­wand­steu­er, bei der die wirt­schaft­li­che Leis­tungs­fä­hig­keit besteu­er wird, wie sie in der Ver­wen­dung des Ein­kom­mens des Spie­lers für den per­sön­li­chen Lebens­be­darf zum Aus­druck kommt. Die Ver­gnü­gungs­steu­er ist als indi­rek­te Steu­er nicht unmit­tel­bar von den Spie­lern, son­dern von den Auto­ma­ten­auf­stel­lern zu zah­len.

Nach der 2006 in Kraft getre­te­nen Ver­gnü­gungs­steu­er­sat­zung der Stadt Aachen ist für die Besteue­rung der Ein­satz des Spie­lers maß­geb­lich. Das ist der Betrag, den der Spie­ler an einem Spiel­au­to­ma­ten ein­setzt. Die Ver­gnü­gungs­steu­er beträgt 5% davon. Die­ser Maß­stab, den neben der Stadt Aachen nur noch in weni­gen ande­ren Kom­mu­nen in Nord­rhein-West­fa­len der Besteue­rung zugrun­de legen, ist aus Sicht der Aache­ner Ver­wal­tungs­rich­ter Kam­mer nicht zu bean­stan­den.

In ihren Urtei­len hat sie sich auch mit der gegen­tei­li­gen, bun­des­weit ers­ten ober­ge­richt­li­chen Ent­schei­dung, dem Urteil des Säch­si­schen Ober­ver­wal­tungs­ge­richt vom 6. Okto­ber 2008, aus­ein­an­der­ge­setzt. Hier­zu hat die Kam­mer aus­ge­führt:

Soweit das Säch­si­sche Ober­ver­wal­tungs­ge­richt den Ein­satz als zuläs­si­ge Bewer­tungs­grund­la­ge für die Ver­gnü­gungs­steu­er ableh­ne, weil es unmög­lich sei, den Steu­er­an­teil vom Spiel­ka­pi­tal aus­zu­son­dern, fol­ge dem die Kam­mer nicht. Die vom Spie­ler auf­ge­wen­de­ten Spiel­be­trä­ge sei­en nicht aus zwei Posi­tio­nen – dem Spiel­ka­pi­tal einer­seits und dem Ver­gnü­gungs­steu­er­an­teil ande­rer­seits – zusam­men­ge­setzt. Der Spie­ler wen­de zum Erlan­gen des Spiel­ver­gnü­gens die von ihm ein­ge­setz­ten Beträ­ge auf. Ver­gnü­gungs­steu­er sei dar­in nicht antei­lig ent­hal­ten. Es sei für die indi­rek­te Besteue­rung gera­de nicht kenn­zeich­nend, dass die vom Auf­stel­ler zu ent­rich­ten­de Steu­er wie ein durch­lau­fen­der Pos­ten vom Spie­ler über den Auf­stel­ler an die Steu­er­be­hör­de flie­ße. Es müs­se nur sicher­ge­stellt sein, dass der­je­ni­ge, bei dem die Steu­er erho­ben wer­den, die­se auf die eigent­lich Steu­er­pflich­ti­gen abwäl­zen kön­ne. Die­se Vor­aus­set­zung sei hier gege­ben.

Die Ein­satz­be­steue­rung sei ent­ge­gen der Ansicht des Säch­si­schen Ober­ver­wal­tungs­ge­richt auch nicht des­halb unzu­läs­sig, weil der Anteil der Ver­gnü­gungs­steu­er nicht vor­her­seh­bar sei. Zum einen habe schon das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt in einer Grund­satz­ent­schei­dung aus dem Jah­re 1962 die feh­len­de Vor­her­seh­bar­keit des Ver­gnü­gungs­steu­er­an­teils nicht als pro­ble­ma­tisch ange­se­hen. Zum ande­ren sei­en unab­hän­gig davon die Spiel­ge­rä­te mit Geld­ge­winn­mög­lich­keit nach den Vor­ga­ben der Spiel­ver­ord­nung durch­aus dar­auf ange­legt, dass Ein­satz und Ein­spiel­ergeb­nis in einem pro­por­tio­na­len Ver­hält­nis stün­den.

Die Urtei­le sind noch nicht rechts­kräf­tig. Gegen sie kön­nen die Klä­ger Beru­fung ein­le­gen, die vom Ver­wal­tungs­ge­richt wegen grund­sätz­li­cher Bedeu­tung zuge­las­sen wor­den ist. In dem Ver­fah­ren 4 K 1077/​07 ist bereits Beru­fung ein­ge­legt wor­den. Über die­se ent­schei­det das Ober­ver­wal­tungs­ge­richt für das Land Nord­rhein-West­fa­len.

Ver­wal­tungs­ge­richt Aachen, Urtei­le vom 12. Febru­ar 2009 – 4 K 1077/​07, 4 K 1200/​07 und 4 K 1434/​07