Aus­lie­fe­rung nach Argen­ti­ni­en

Im ver­trag­lo­sen Aus­lie­fe­rungs­ver­kehr (hier: Aus­lie­fe­rung an Argen­ti­ni­en) gel­ten auch dann die Fris­ten des § 16 Abs. 2 IRG für die Vor­la­ge des Aus­lie­fe­rungs­er­su­chens und der Aus­lie­fe­rungs­un­ter­la­gen, wenn der ersu­chen­de Staat im umge­kehr­ten Fall kür­ze­re Fris­ten setzt. Das Prin­zip der Gegen­sei­tig­keit (§ 5 IRG) fin­det für die Frist­be­rech­nung kei­ne Anwen­dung.

Aus­lie­fe­rung nach Argen­ti­ni­en

Im Aus­lie­fe­rungs­ver­kehr mit der Argen­ti­ni­schen Repu­blik gilt gemäß § 16 Abs. 2 Satz 2 IRG die Frist von drei Mona­ten.

Der Aus­lie­fe­rungs­ver­kehr mit der Argen­ti­ni­schen Repu­blik erfolgt ver­trag­los. Gemäß Zif­fer I.4 des RiVASt-Län­der­teils für die Argen­ti­sche Repu­blik wird die vor­läu­fi­ge Aus­lie­fe­rungs­haft auf­ge­ho­ben, wenn das Aus­lie­fe­rungs­er­su­chen und die Unter­la­gen nicht inner­halb von 30 Tagen nach der Ver­haf­tung bei der argen­ti­ni­schen Regie­rung ein­ge­hen. Die Frist kann auf Antrag zehn Tage ver­län­gert wer­den.

Auf­grund die­ser – für deut­sche Aus­lie­fe­rungs­er­su­chen an die Argen­ti­ni­sche Repu­blik gel­ten­den – Rege­lung wird in der Lite­ra­tur die Mei­nung ver­tre­ten, eine ein­sei­tig fest­ge­leg­te kür­ze­re Frist kön­ne unter Umstän­den im Rah­men der Gegen­sei­tig­keit Bedeu­tung gewin­nen 1. Dem wird jedoch mit Recht ent­ge­gen gehal­ten, dass das Prin­zip der Gegen­sei­tig­keit (§ 5 IRG) für die Frist­be­rech­nung kei­ne Anwen­dung fin­det 2.

Das Prin­zip der Gegen­sei­tig­keit erstreckt sich nicht auf die Aus­ge­stal­tung des Aus­lie­fe­rungs­ver­fah­rens 3. Es ist für die Zuläs­sig­keit vor­be­rei­ten­der Maß­nah­men wie der Aus­lie­fe­rungs­haft, der vor­läu­fi­gen Aus­lie­fe­rungs­haft und der vor­läu­fi­gen Fest­nah­me nur inso­fern von Bedeu­tung, als die Aus­lie­fe­rung, deren Vor­be­rei­tung und Siche­rung sie die­nen sol­len, gemäß §15 Abs. 2 IRG nicht von vorn­her­ein unzu­läs­sig erschei­nen darf 4.

Nach § 5 IRG ist eine Aus­lie­fe­rung nur zuläs­sig, wenn erwar­tet wer­den kann, dass der ersu­chen­de Staat einem ver­gleich­ba­ren deut­schen Ersu­chen ent­spre­chen wür­de. Es kommt des­halb in Form einer Pro­gno­se­ent­schei­dung dar­auf an, ob der ersu­chen­de Staat ein ver­gleich­ba­res Aus­lie­fe­rungs­er­su­chen bewil­li­gen wür­de. Maß­geb­li­cher Zeit­punkt für die Beant­wor­tung die­ser Fra­ge ist frü­hes­tens die Ent­schei­dung des Ober­lan­des­ge­richts gemäß § 32 IRG über die Zuläs­sig­keit der Aus­lie­fe­rung 5. Dabei kommt es allein auf die mate­ri­el­le inner­staat­li­che Aus­lie­fe­rungs­be­fug­nis und den poli­ti­schen Aus­lie­fe­rungs­wil­le des ersu­chen­den Staa­tes an, nicht jedoch auf Beson­der­hei­ten im Aus­lie­fe­rungs­ver­fah­ren des ersuch­ten Staa­tes. Des­halb kann der ersuch­te Staat sein Aus­lie­fe­rungs­ver­fah­rens­recht auch dann anwen­den, wenn es groß­zü­gi­ger und aus­lie­fe­rungs­freund­li­cher ist, als das des ersu­chen­den Staa­tes 6.

Ober­lan­des­ge­richt Dres­den, Beschluss vom 27. März 2014 – OLG­Ausl 53/​14

  1. Schomburg/​Lagodny/​Gleß/​Hackner, Inter­na­tio­na­le Rechts­hil­fe in Straf­sa­chen 5. Aufl. § 16 IRG Rdnr. 29[]
  2. Grütz­ner/Pöt­z/Kreß-Böhm, Inter­na­tio­na­ler Rechts­hil­fe­ver­kehr in Straf­sa­chen 3. Aufl. § 16 IRG Rdnr. 31[]
  3. Grütz­ner/Pöt­z/Kreß-Böhm, § 16 IRG Rdnr. 9; OLG Karls­ru­he MDR 1989, 764[]
  4. vgl. auch BGHSt 20, 152 bereits für Aus­lie­fe­run­gen nach dem Deut­schen Aus­lie­fe­rungs­ge­setz[]
  5. vgl. Schomburg/​Lagodny/​Gleß/​Hackner, § 16 IRG Rdnr. 13[]
  6. Grütz­ner/Pöt­z/Kreß-Vogel, § 5 IRG Rdnr. 15; Schomburg/​Lagodny/​Gleß/​Hackner, § 5 Rdnr. 7 jeweils m.w.N.[]

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