Beson­de­re Schwe­re der Schuld – und die Berück­sich­ti­gung wei­te­rer Straf­ta­ten

Bei der Bewer­tung sons­ti­ger straf­recht­lich rele­van­ter Ver­hal­tens­wei­sen ohne geson­der­te Ankla­ge – bei Beach­tung der Unschulds­ver­mu­tung und der Ver­mei­dung einer Dop­pel­be­stra­fung – kann es in aller Regel nur dar­um gehen, Umstän­de fest­zu­stel­len, die wegen ihrer engen Bezie­hung zur Tat als Anzei­chen für Schuld oder Gefähr­lich­keit des Täters ver­wert­bar sind.

Beson­de­re Schwe­re der Schuld – und die Berück­sich­ti­gung wei­te­rer Straf­ta­ten

Die­se durch Sinn und Zweck von § 46 Abs. 2 StGB gezo­ge­ne Gren­ze ist jeden­falls dann über­schrit­ten, wenn es an dem not­wen­di­gen inne­ren Zusam­men­hang mit dem ange­klag­ten Tat­vor­wurf fehlt [1].

Eine sol­che enge Bezie­hung der unab­hän­gig von dem Mord began­ge­nen Dieb­stahls­ta­ten zum Mord ist im hier vom Bun­des­ge­richts­hof ent­schie­de­nen Fall nicht dar­ge­tan [2]. Denn es han­delt sich bei die­sen Taten weder um ver­gleich­ba­re bzw. gleich­ar­ti­ge Schuld­vor­wür­fe, aus denen sich unmit­tel­ba­re Rück­schlüs­se auf die Tat­schuld des Ange­klag­ten ablei­ten lie­ßen, noch waren die Dieb­stahls­ta­ten Anlass für die Tötung der Geschä­dig­ten oder stan­den dazu in einem sons­ti­gen inne­ren Zusam­men­hang.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 19. Mai 2015 – 1 StR 152/​15

  1. BGH, Beschluss vom 19.11.2013 – 4 StR 448/​13, NStZ 2014, 202 mwN[]
  2. vgl. hier­zu BGH, Urteil vom 08.08.2001 – 3 StR 162/​01[]