Das nicht noch­mals erteil­te letz­te Wort

Die Ver­pflich­tung zur – ggf. erneu­ten – Ertei­lung des letz­ten Wor­tes gilt zwar der Natur der Sache nach nicht im Ver­hält­nis zu den Mit­an­ge­klag­ten, wohl aber, wenn die Ver­tei­di­ger der Mit­an­ge­klag­ten Aus­füh­run­gen gemacht haben 1; eine vor­her­ge­hen­de Pro­zess­hand­lung des Gerichts ist nicht erfor­der­lich 2.

Das nicht noch­mals erteil­te letz­te Wort

Sinn der Rege­lung des Äuße­rungs­rechts in § 258 StPO ist die Wah­rung des recht­li­chen Gehörs. Wird dem Ver­tei­di­ger und dem Ange­klag­ten nach dem Schluss­vor­trag des Staats­an­walts das Recht zum Schluss­vor­trag ein­ge­räumt und hat­te der Ange­klag­te vor der Urteils­be­ra­tung als letz­ter Ver­fah­rens­be­tei­lig­ter Gele­gen­heit zur Äuße­rung 3, so ist das recht­li­che Gehör umfas­send gewährt wor­den, weil der Ange­klag­te unmit­tel­bar vor der Bera­tung zu dem gesam­ten ent­schei­dungs­er­heb­li­chen Pro­zess­stoff Stel­lung neh­men konn­te 4.

Nach der hier gewähl­ten Ver­fah­rens­ge­stal­tung – zunächst Schluss­vor­trag des Ver­tei­di­gers von A und letz­tes Wort von A, dann Plä­doy­er des Ver­tei­di­gers und letz­tes Wort von B – hat­te der Ange­klag­te A, nach­dem er das "letz­te Wort" hat­te, kei­ne Gele­gen­heit mehr, zu dem jewei­li­gen Sach­vor­trag der Ver­tei­di­ger der ande­ren Ange­klag­ten Stel­lung zu neh­men, obwohl die­sen die Mit­wir­kung an dem­sel­ben straf­ba­ren Gesche­hen vor­ge­wor­fen wor­den war. Das genügt nicht.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 30. März 2016 – 4 StR 63/​16

  1. BGH, Beschluss vom 17.01.2003 – 2 StR 443/​02, BGHSt 48, 181, 182; KK-StPO/Ott, 7. Aufl., § 258 Rn.19[]
  2. vgl. BGH, Beschluss vom 24.06.2014 – 3 StR 185/​14, StV 2015, 474[]
  3. vgl. BGH, Urtei­le vom 20.03.1959 – 4 StR 416/​58, BGHSt 13, 53, 59 f.; und vom 13.05.1993 – 4 StR 169/​93, NStZ 1993, 551[]
  4. vgl. BGH, Beschluss vom 27.03.2001 – 4 StR 414/​00, NJW 2001, 2109; Münch­Komm-StPO/Cier­niak/­Nie­haus, § 258 Rn. 14, 18[]