Die Tat­be­tei­li­gung der Ban­den­mit­glie­der

Allein die Ban­den­mit­glied­schaft kann nicht zu einer Ver­ur­tei­lung wegen Betei­li­gung an allen von den Ban­den­mit­glie­dern began­ge­nen Tat­hand­lun­gen füh­ren.

Die Tat­be­tei­li­gung der Ban­den­mit­glie­der

Nach stän­di­ger Recht­spre­chung des Bun­des­ge­richts­hofs sind die Ban­den­mit­glied­schaft und die Betei­li­gung an einer Band­en­tat unab­hän­gig von­ein­an­der zu beur­tei­len 1.

Schlie­ßen sich meh­re­re Täter zu einer Ban­de zusam­men, um fort­ge­setzt Dieb­stäh­le nach § 243 Abs. 1 Satz 2, § 244a Abs. 1 StGB zu bege­hen, hat dies nicht zur Fol­ge, dass jede von einem Ban­den­mit­glied auf­grund der Ban­den­ab­re­de began­ge­ne Tat den ande­ren Ban­den­mit­glie­dern ohne wei­te­res zuge­rech­net wer­den kann.

Viel­mehr ist für jede ein­zel­ne Tat nach den all­ge­mei­nen Kri­te­ri­en fest­zu­stel­len, ob sich die ande­ren Ban­den­mit­glie­der hier­an als Mit­tä­ter, Anstif­ter oder Gehil­fen betei­ligt oder sie gege­be­nen­falls über­haupt kei­nen straf­ba­ren Tat­bei­trag geleis­tet haben 2.

Es ist aller­dings auch zu prü­fen, ob die Ban­den­mit­glie­der, denen eine kon­kre­te Betei­li­gung an den jewei­li­gen Dieb­stäh­len nicht nach­ge­wie­sen wer­den kann, durch ihre in ihrem Ver­hal­ten zum Aus­druck gebrach­te prä­sen­te Bereit­schaft, die Täter bei ihren Straf­ta­ten zu unter­stüt­zen, zumin­dest psy­chisch Hil­fe geleis­tet haben. Dies ist dann der Fall, wenn ihr Ver­hal­ten über ein blo­ßes, nicht bei­hil­fere­le­van­tes Dul­den der kri­mi­nel­len Machen­schaf­ten (hier: des Ehe­man­nes) weit hin­aus ging.

Zu erwä­gen war daher, inwie­weit die Ange­klag­te inner­halb des per­sön­li­chen Nähe­ver­hält­nis­ses durch ihre – wenn auch nicht den ver­fah­rens­ge­gen­ständ­li­chen Delik­ten kon­kret zuzu­ord­nen­de – Hil­fe­stel­lung und die damit ver­bun­de­ne täti­ge (kon­klu­den­te) Bil­li­gung der vom Mit­an­ge­klag­ten ver­üb­ten Straf­ta­ten die­sem psy­chi­schen Rück­halt bei sei­ner Tätig­keit als Ban­den­chef bot und ihn in Tat­plan, ent­schluss und aus­füh­rungs­wil­len unter­stüt­zend bestärk­te 3.

Dar­über hin­aus war im hier ent­schie­de­nen Fall in den Blick zu neh­men, dass sich die phy­si­schen Unter­stüt­zungs­hand­lun­gen der Ange­klag­ten nicht in Hand­rei­chun­gen bei ein­zel­nen Band­en­ta­ten erschöpf­ten. Viel­mehr leis­te­te sie "als ‚rech­te Hand‘ des Ange­klag­ten Li. Bei­trä­ge im Gesamt­ge­fü­ge" und war damit dau­er­haft gleich­sam als "Assis­ten­tin auf Lei­tungs­ebe­ne" für die Ban­de tätig. Das Land­ge­richt hät­te erör­tern müs­sen, ob die Ange­klag­te etwa ins­be­son­de­re durch ihre fest­ge­stell­te Bereit­schaft, ihren Ehe­mann bei des­sen Ver­hin­de­rung zu ver­tre­ten, Tat­bei­trä­ge erbracht hat, durch die alle oder meh­re­re Ein­zel­de­lik­te des Mit­an­ge­klag­ten gleich­zei­tig geför­dert wor­den sind, und sie damit zur Auf­recht­erhal­tung des auf Straf­ta­ten aus­ge­rich­te­ten "Geschäfts­be­triebs" der Ban­de Hil­fe geleis­tet hat 4.

In die­sem Fall wären ihr die gleich­zei­tig geför­der­ten ein­zel­nen Straf­ta­ten als tat­ein­heit­lich began­gen zuzu­rech­nen, da sie in ihrer Per­son durch den ein­heit­li­chen Tat­bei­trag zu einer Hand­lung im Sin­ne des § 52 Abs. 1 StGB ver­knüpft wür­den; dass der Mit­an­ge­klag­te die ein­zel­nen Delik­te tat­mehr­heit­lich began­gen hat, ist dem­ge­gen­über ohne Bedeu­tung 5. Nach die­sen Grund­sät­zen ist auch die Teil­nah­me in Form der psy­chi­schen Bei­hil­fe, die meh­re­re recht­lich selb­stän­di­ge Haupt­ta­ten geför­dert hat, als tat­ein­heit­lich began­gen zu wer­ten 6.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 11. Mai 2016 – 5 StR 583/​15

  1. vgl. BGH, Urteil vom 26.04.2012 – 4 StR 665/​11, StV 2012, 669 f. mwN[]
  2. vgl. BGH, Beschluss vom 13.06.2007 – 3 StR 162/​07, BGHR StGB § 263 Abs. 3 Satz 2 Nr. 1 Ban­de 2; vom 24.07.2008 – 3 StR 243/​08, StV 2009, 130; vom 14.11.2012 – 3 StR 403/​12, StV 2013, 386 f.; und vom 05.02.2013 – 3 StR 499/​12, wis­tra 2013, 307 f.[]
  3. vgl. Fischer, StGB, 63. Aufl., § 27 Rn. 11[]
  4. vgl. BGH, Beschluss vom 14.11.2012 – 3 StR 403/​12, StV 2013, 386, 387[]
  5. st. Rspr.; vgl. BGH, Urteil vom 17.06.2004 – 3 StR 344/​03, BGHSt 49, 177, 183 mwN[]
  6. vgl. BGH, Beschluss vom 30.06.2015 – 5 StR 71/​15, NJW 2015, 2901, 2903; Heine/​Weißer in Schönke/​Schröder, StGB, 29. Aufl., § 27 Rn. 42[]