Die zu Unrecht ver­sag­te Unter­brin­gung in der Ent­zie­hungs­an­stalt – und die Straf­zu­mes­sung

In der Regel wird aus­zu­schlie­ßen sein, dass das Tat­ge­richt bei Anord­nung der Unter­brin­gung auf eine gerin­ge­re Frei­heits­stra­fe erkannt hät­te [1].

Die zu Unrecht ver­sag­te Unter­brin­gung in der Ent­zie­hungs­an­stalt – und die Straf­zu­mes­sung

Aller­dings besteht eine vom Land­ge­richt durch einen Ver­weis her­ge­stell­te Ver­knüp­fung zwi­schen den vom Rechts­feh­ler behaf­te­ten Aus­füh­run­gen zum Vor­lie­gen eines Han­ges und der Straf­rah­men­wahl, wenn das Land­ge­richt trotz Vor­lie­gens einer alko­hol­be­ding­ten erheb­li­chen Ver­min­de­rung der Steue­rungs­fä­hig­keit von der Mög­lich­keit der Straf­rah­men­ver­schie­bung kei­nen Gebrauch gemacht hat.

So hat­te im vor­lie­gen­den Fall das Land­ge­richt hier­für – auf dem Boden der aktu­el­len Recht­spre­chung [2] – dar­auf abge­stellt, dass es für den Ange­klag­ten vor­aus­seh­bar war, dass sich sein Risi­ko der Bege­hung von Gewalt­straf­ta­ten unter Alko­hol­kon­sum erhöht und er sich "unein­ge­schränkt vor­werf­bar" betrun­ken hat. Unter aus­drück­li­cher Bezug­nah­me auf die Aus­füh­run­gen zum Hang hat es aus­ge­schlos­sen, dass der Ange­klag­te "alko­hol­krank war oder auf­grund eines unwi­der­steh­li­chen oder ihn weit beherr­schen­den Hangs trank".

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 22. Mai 2017 – 1 StR 163/​17

  1. vgl. hier­zu BGH, Urtei­le vom 15.03.2016 – 1 StR 526/​15 Rn. 28, StV 2017, 29; und vom 28.04.2014 – 1 StR 594/​14 Rn. 23[]
  2. vgl. BGH, Urteil vom 17.08.2004 – 5 StR 93/​04, BGHSt 49, 239[]