Die weg­ge­nom­me­ne Fan-Jacke

Wer einem ande­ren eine Sache weg­nimmt und sich die Ent­schei­dung dar­über vor­be­hält, was mit der Sache letzt­lich gesche­hen soll, der ver­hält sich so als wür­de ihm die Sache gehö­ren – damit eig­net er sie sich zu, und ein sol­ches Vor­ge­hen ist als Raub zu bewer­ten.

Die weg­ge­nom­me­ne Fan-Jacke

Mit die­ser Begrün­dung hat das Ober­lan­des­ge­richt Nürn­berg in dem hier vor­lie­gen­den Fall die Weg­nah­me einer Fan-Jacke nicht als Baga­tel­le ange­se­hen, son­dern als Raub ein­ge­stuft. Zwei Anhän­ger des 1. FC Nürn­berg hat­ten einem Anhän­ger der Spiel­ver­ei­ni­gung Greu­ther Fürth gewalt­sam die Fan-Jacke weg­ge­nom­men. Dafür waren die bei­den Club-Fans waren in ers­ter Instanz vom Amts­ge­richt Fürth zu einer Bewäh­rungs­stra­fe ver­ur­teilt wor­den, weil sie im März 2011 dem Geschä­dig­ten nach einem Spiel gefolgt waren und ihm sei­ne weiß-grü­ne Fan-Jacke vom Leib gezerrt hat­ten. Einer der bei­den ver­steck­te die Jacke zunächst unter sei­nem Pull­over. Als sie bemerk­ten, dass sich die Poli­zei näher­te, ver­stau­ten sie die Jacke im Kof­fer­raum ihres ca. 30 m ent­fernt gepark­ten Autos.

Auf die Beru­fung der Ange­klag­ten hin, hat das Land­ge­richt Nürn­berg-Fürth die ver­häng­te Stra­fe bestä­tigt. Es hat die Tat recht­lich als Raub ein­ge­ord­net, weil es zu der Über­zeu­gung gekom­men ist, dass die Ange­klag­ten erst spä­ter ent­schei­den woll­ten, ob sie die Jacke ver­nich­ten oder als Tro­phäe behal­ten wür­den.

Gegen die­ses Urteil hat einer der bei­den Ange­klag­ten Revi­si­on zum Ober­lan­des­ge­richt Nürn­berg ein­ge­legt. Er war der Mei­nung, dass nur ein Baga­tell­de­likt vor­lie­ge, nicht aber ein Raub, weil Fans, die ihren „Geg­nern“ deren Fan-Uten­si­li­en weg­neh­men, sich die­se nicht zueig­nen wol­len.

Nach Auf­fas­sung des Ober­lan­des­ge­richts Nürn­berg lie­ge ein Raub tat­säch­lich nur dann vor, wenn der Täter sich die Sache, die er weg­ge­nom­men hat, zueig­nen will. Dar­an feh­le es, wenn er die Sache von vor­ne­her­ein nur ver­nich­ten oder weg­wer­fen will. Wer sich aber die Ent­schei­dung dar­über vor­be­hält, was mit der Sache letzt­lich gesche­hen soll, der ver­hält sich so als wür­de ihm die Sache gehö­ren – in der Spra­che der Juris­ten: er eig­net sie sich zu. Das Land­ge­richt habe die Tat des­halb zu Recht als Raub bewer­tet.

Ober­lan­des­ge­richt Nürn­berg, Beschluss vom 7. Novem­ber 2012 – 1 St OLG Ss 258/​12