Frei­spruch – und die Über­prü­fung der Beweis­wür­di­gung

Spricht das Tat­ge­richt einen Ange­klag­ten frei, weil es Zwei­fel an sei­ner Täter­schaft oder am Vor­lie­gen der tat­säch­li­chen Vor­aus­set­zun­gen eines straf­ba­ren Ver­hal­tens nicht zu über­win­den ver­mag, ist dies durch das Revi­si­ons­ge­richt in der Regel hin­zu­neh­men. Die revi­si­ons­ge­richt­li­che Prü­fung ist dar­auf beschränkt, ob dem Tat­ge­richt Rechts­feh­ler unter­lau­fen sind.

Frei­spruch – und die Über­prü­fung der Beweis­wür­di­gung

Das ist in sach­lich­recht­li­cher Hin­sicht dann der Fall, wenn die Beweis­wür­di­gung wider­sprüch­lich, unklar oder lücken­haft ist oder gegen Denk­ge­set­ze oder gesi­cher­te Erfah­rungs­sät­ze ver­stößt. Rechts­feh­ler­haft ist es auch, wenn sich das Tat­ge­richt bei sei­ner Beweis­wür­di­gung dar­auf beschränkt, die ein­zel­nen Belas­tungs­in­di­zi­en geson­dert zu erör­tern und auf ihren jewei­li­gen Beweis­wert zu prü­fen, ohne eine Gesamt­wür­di­gung aller für und gegen die Täter­schaft spre­chen­den Umstän­de vor­zu­neh­men. Denn ein­zel­ne Belas­tungs­in­di­zi­en, die für sich genom­men zum Beweis der Täter­schaft nicht aus­rei­chen, kön­nen doch in ihrer Gesamt­heit die für eine Ver­ur­tei­lung not­wen­di­ge Über­zeu­gung des Tat­ge­richts begrün­den. Des­halb bedarf es einer Gesamt­ab­wä­gung aller für und gegen die Täter­schaft spre­chen­den Umstän­de.

Der revi­si­ons­ge­richt­li­chen Über­prü­fung unter­liegt zudem, ob über­spann­te Anfor­de­run­gen an die für die Ver­ur­tei­lung erfor­der­li­che Gewiss­heit gestellt wor­den sind und dabei nicht beach­tet wur­de, dass eine abso­lu­te, das Gegen­teil den­knot­wen­dig aus­schlie­ßen­de und von nie­man­dem anzwei­fel­ba­re Gewiss­heit nicht erfor­der­lich ist, viel­mehr ein nach der Lebens­er­fah­rung aus­rei­chen­des Maß an Sicher­heit genügt, das ver­nünf­ti­ge und nicht bloß auf denk­theo­re­ti­schen Mög­lich­kei­ten gegrün­de­te Zwei­fel nicht zulässt [1].

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 21. April 2016 – 1 StR 456/​15

  1. st. Rspr.; vgl. nur BGH, Urtei­le vom 03.06.2015 – 5 StR 55/​15, NStZ-RR 2015, 255; vom 17.07.2014 – 4 StR 129/​14; vom 27.04.2010 – 1 StR 454/​09, NStZ 2011, 108, 109; vom 01.02.2011 – 1 StR 408/​10 Rn. 15, NStZ-RR 2011, 184; vom 07.06.2011 – 5 StR 26/​11 Rn. 9; vom 07.11.2012 – 5 StR 322/​12 Rn. 10; und vom 18.12 2012 – 1 StR 415/​12 Rn. 28 [inso­weit in BGHSt 58, 72 nicht abge­druckt][]