Heim­tü­cke – und die vor­aus­ge­gan­ge­nen Schlä­ge

Heim­tü­ckisch han­delt, wer sein Opfer unter Aus­nut­zung von des­sen Arg- und Wehr­lo­sig­keit tötet.

Heim­tü­cke – und die vor­aus­ge­gan­ge­nen Schlä­ge

Arg­los ist das Tat­op­fer, wenn es bei Beginn des ers­ten mit Tötungs­vor­satz geführ­ten Angriffs nicht mit einem gegen sei­ne kör­per­li­che Unver­sehrt­heit gerich­te­ten schwe­ren oder doch erheb­li­chen – tät­li­chen – Angriff rech­net. Ein blo­ßer, der Tat vor­aus­ge­gan­ge­ner Wort­wech­sel, eine nur feind­se­li­ge Atmo­sphä­re oder ein gene­rel­les Miss­trau­en schlie­ßen die Heim­tü­cke nicht aus, wenn das Opfer hier­aus noch nicht die Gefahr einer Tät­lich­keit ent­nom­men hat 1. Das Opfer muss gera­de auf­grund sei­ner Arg­lo­sig­keit wehr­los sein.

Eine auf Arg­lo­sig­keit beru­hen­de Wehr­lo­sig­keit kann auch dann gege­ben sein, wenn der Täter sein arg­lo­ses Opfer zunächst nur mit Kör­per­ver­let­zungs­vor­satz angreift, die­sen – die Arg­lo­sig­keit des Opfers in der Regel besei­ti­gen­den – Angriff ohne zeit­li­che Zäsur mit Tötungs­vor­satz fort­setzt und es dem Opfer wegen des unmit­tel­ba­ren Über­gangs des über­ra­schen­den ers­ten Angriffs zur Tötungs­hand­lung nicht mehr mög­lich ist, sich erfolg­ver­spre­chend zur Wehr zu set­zen 2.

Vor­lie­gend ver­nein­te der Bun­des­ge­richts­hof gleich­wohl die Heim­tü­cke: Die Geschä­dig­te setz­te sich mit min­des­tens einem Schlag zur Wehr, brach­te dem Ange­klag­ten damit eine – wenn auch eher gering­fü­gi­ge – Ver­let­zung und Häma­to­me bei und ran­gel­te anschlie­ßend noch mit ihm; all dies spricht – auch mit Blick dar­auf, dass sie erheb­lich grö­ßer und schwe­rer als der Ange­klag­te war – deut­lich gegen eine auf Arg­lo­sig­keit beru­hen­de Wehr­lo­sig­keit im Sin­ne der genann­ten Recht­spre­chung.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 13. Mai 2015 – 3 StR 460/​14

  1. vgl. BGH, Urteil vom 15.02.2007 – 4 StR 467/​06 8 mwN[]
  2. st. Rspr.; vgl. etwa BGH, Urtei­le vom 01.03.2012 – 3 StR 425/​11, NStZ 2012, 691, 693; vom 28.06.2007 – 3 StR 185/​07 5; sowie schon Urteil vom 09.12 1986 – 1 StR 596/​86, BGHR StGB § 211 Abs. 2 Heim­tü­cke 3; Münch­Komm-StG­B/­Schnei­der, 2. Aufl., § 211 Rn. 151 jew. mwN[]