Kräu­ter­mi­schun­gen. Legal Highs, syn­the­ti­sche Can­na­bi­noi­de – in nicht gerin­ger Men­ge

Die nicht gerin­ge Men­ge der syn­the­ti­schen Can­na­bi­noi­de JWH-018 und CP 47,497-C8-Homologes beginnt bei zwei Gramm. Die nicht gerin­ge Men­ge der syn­the­ti­schen Can­na­bi­noi­de JWH-073 und CP 47,497 beginnt bei sechs Gramm.

Kräu­ter­mi­schun­gen. Legal Highs, syn­the­ti­sche Can­na­bi­noi­de – in nicht gerin­ger Men­ge

Den Vor­schrif­ten des Betäu­bungs­mit­tel­ge­set­zes unter­fal­len die Wirk­stof­fe JWH-018 und CP 47,497 bzw. CP 47,497-C8-Homologes ab dem 22.01.2009, der Wirk­stoff JWH-073 erst ab dem 22.01.2010.

JWH-018

Nun­mehr setzt der Bun­des­ge­richts­hof den Grenz­wert der nicht gerin­gen Men­ge an JWH-018 auf eine Wirk­stoff­men­ge von 2 Gramm fest.

Hier­bei bezieht sich der Bun­des­ge­richts­hof auf die in stän­di­ger Recht­spre­chung vom Bun­des­ge­richts­hof ange­wand­te Metho­de 1. Danach ist der Grenz­wert der nicht gerin­gen Men­ge eines Betäu­bungs­mit­tels stets in Abhän­gig­keit von des­sen kon­kre­ter Wir­kungs­wei­se und inten­si­tät fest­zu­le­gen. Maß­geb­lich ist zunächst die äußerst gefähr­li­che, gar töd­li­che Dosis des Wirk­stoffs 2. Feh­len hier­zu gesi­cher­te Erkennt­nis­se, so errech­net sich der Grenz­wert als ein Viel­fa­ches der durch­schnitt­li­chen Kon­sum­ein­heit eines nicht an den Genuss die­ser Dro­ge gewöhn­ten Kon­su­men­ten. Das Viel­fa­che ist nach Maß­ga­be der Gefähr­lich­keit des Stof­fes, ins­be­son­de­re sei­nes Abhän­gig­kei­ten aus­lö­sen­den oder sonst die Gesund­heit schä­di­gen­den Poten­ti­als zu bemes­sen 3. Las­sen sich auch zum Kon­sum­ver­hal­ten kei­ne aus­rei­chen­den Erkennt­nis­se gewin­nen, so ent­schei­det ein Ver­gleich mit ver­wand­ten Wirk­stof­fen 4.

Zur Wir­kung und zur Gefähr­lich­keit von JWH-018 hat der Bun­des­ge­richts­hof Gut­ach­ten des Labor­lei­ters Foren­si­sche Toxi­ko­lo­gie der Uni­ver­si­tät Frei­burg A. sowie des Apo­the­kers für expe­ri­men­tel­le Phar­ma­ko­lo­gie und Toxi­ko­lo­gie Da. vom Bun­des­kri­mi­nal­amt ein­ge­holt. Danach ergibt sich Fol­gen­des:

Seit etwa dem Jahr 2005 ent­wi­ckel­te sich ein Markt für mit syn­the­ti­schen Can­na­bi­noi­den ver­setz­te Kräu­ter­mi­schun­gen, Räu­cher­mi­schun­gen, Bade­sal­ze u.ä. (sog. "Legal Highs" oder auch "Neue psy­cho­ak­ti­ve Sub­stan­zen"), die zur Her­bei­füh­rung eines Rausch­zu­stan­des – häu­fig als Ersatz für Can­na­bis – mit dem Ziel der Ent­span­nung, der Stim­mungs­re­gu­la­ti­on oder der Inten­si­vie­rung von Sin­nes­ein­drü­cken kon­su­miert wur­den. Die­se Stof­fe zeich­nen sich dadurch aus, dass sie in che­mi­schen Syn­the­se­la­bo­ren ohne gro­ßen tech­ni­schen Auf­wand mit Hil­fe leicht zu beschaf­fen­der Bestand­tei­le kos­ten­güns­tig her­ge­stellt wer­den kön­nen und zum Ver­kauf mit Pflan­zen­ma­te­ri­al ver­mischt wer­den. Cha­rak­te­ris­tisch für sol­che Pro­duk­te ist die ungleich­mä­ßi­ge Ver­tei­lung der syn­the­ti­schen Can­na­bi­noi­de inner­halb der pflanz­li­chen Trä­ger­mas­se. Auch die Wirk­stoff­kon­zen­tra­ti­on ist gro­ßen Schwan­kun­gen unter­wor­fen. Waren in den ers­ten Jah­ren noch Pro­duk­te mit Wirk­stoff­kon­zen­tra­tio­nen im ein­stel­li­gen Pro­zent­be­reich auf dem Markt, so sind heu­te Wirk­stoff­an­tei­le von bis zu 30 Pro­zent zu fin­den. Der Wirk­stoff­ge­halt ist dem Pro­dukt nicht anzu­se­hen. Der Wirk­stoff JWH-018 war – neben dem Wirk­stoff CP 47,497-C8-Homologes – als Haupt­wirk­stoff in den sog. "Spice"-Produkten der ers­ten Genera­ti­on ent­hal­ten, bis er nach sei­ner Auf­nah­me in Anla­ge – II zum Betäu­bungs­mit­tel­ge­setz durch ande­re syn­the­ti­sche Can­na­bi­noi­de, so z.B. JWH-073, aber auch wei­te­re, teil­wei­se hoch­po­ten­te Wirk­stof­fe, ersetzt wur­de.

Bei JWH-018 [che­mi­sche Bezeich­nung: (Naphthalin-1-yl)(1‑pentyl-1H-indol-3-yl)methanon] han­delt es sich um ein nach dem ame­ri­ka­ni­schen Che­mi­ker John W. Huff­man benann­tes voll­syn­the­ti­sches Ami­no­al­ky­lin­dol, das bis­her nicht in kli­ni­schen Stu­di­en am Men­schen getes­tet wur­de. Die Erkennt­nis­mög­lich­kei­ten zur phar­ma­ko­lo­gi­schen Wir­kung der Sub­stanz beschrän­ken sich auf ein­zel­ne wis­sen­schaft­li­che Selbst­ver­su­che und Fall­be­rich­te, in denen neben einer aus­führ­li­chen kli­ni­schen Beschrei­bung auch eine umfas­sen­de toxi­ko­lo­gi­sche Ana­ly­tik durch­ge­führt wur­de, die einen kau­sa­len Zusam­men­hang zwi­schen Wirk­stoff­auf­nah­me und Sym­pto­ma­tik bele­gen. Zudem ste­hen Daten aus Rezep­tor­bin­dungs­stu­di­en sowie Ergeb­nis­sen aus in vivo-Stu­di­en (vor allem am Maus­mo­dell) zur Ver­fü­gung, wobei eine Über­tra­gung der dar­aus gezo­ge­nen Schlüs­se auf den Men­schen nur ein­ge­schränkt mög­lich ist.

Nach der­zei­ti­gen wis­sen­schaft­li­chen Erkennt­nis­sen wird die Wir­kung der syn­the­ti­schen Can­na­bi­noi­de wie bei dem Wirk­stoff der Can­na­bis­pflan­ze über das Endo­can­na­bi­no­id­sys­tem ver­mit­telt. Die­se ver­gleich­ba­re Wir­kungs­wei­se hat trotz unter­schied­li­cher che­mi­scher Zusam­men­set­zung zur Sam­mel­be­zeich­nung als syn­the­ti­sche "Can­na­bi­noi­de" geführt. Das Endo­can­na­bi­no­id­sys­tem ist nicht nur beim Men­schen, son­dern auch bei Wir­bel­tie­ren und Fischen vor­han­den und an ver­schie­dens­ten, teil­wei­se sehr kom­ple­xen Pro­zes­sen betei­ligt. Der Wirk­stoff bin­det an die Can­na­bi­no­id-Rezep­to­ren CB1, der in hoher Dich­te im zen­tra­len Ner­ven­sys­tem vor­han­den ist, und CB2, der sich vor­wie­gend in Zel­len des Immun­sys­tems fin­det. Auf­grund der lipo­phi­len Eigen­schaf­ten der Sub­stan­zen kön­nen sie die Blut-Hirn-Schran­ke unge­hin­dert pas­sie­ren. Durch die Bin­dung an den Rezep­tor wird die Signal­über­mitt­lung in der zuge­hö­ri­gen Zel­le akti­viert. Anhand des Aus­ma­ßes der Akti­vie­rung kann zwi­schen einem vol­len Ago­nis­ten und einem nur par­ti­el­len Ago­nis­ten unter­schie­den wer­den.

Anders als der Wirk­stoff Tetra­hy­dro­can­na­bi­nol, der am CB1-Rezep­tor nur als par­ti­el­ler Ago­nist bin­det, wir­ken JWH-018 und CP 47,497-C8-Homologes dort als vol­le Ago­nis­ten. Dies führt dazu, dass sie wesent­lich stär­ke­re Effek­te, auch sol­che lebens­be­droh­li­cher Art, erzeu­gen kön­nen. Es tritt – anders als bei Tetra­hy­dro­can­na­bi­nol – kei­ne Sät­ti­gung ein, viel­mehr wer­den die Wir­kun­gen, also auch die uner­wünsch­ten Neben­wir­kun­gen durch eine höhe­re Dosie­rung ver­stärkt. JWH-073 ist hin­ge­gen eher wie Tetra­hy­dro­can­na­bi­nol als par­ti­el­ler Ago­nist anzu­se­hen.

Im Zusam­men­hang mit die­sen Unter­schie­den der Sub­stan­zen JWH-018 einer­seits und Tetra­hy­dro­can­na­bi­nol ande­rer­seits bei der sog. intrinsi­schen Akti­vi­tät ist auch zu sehen, dass JWH-018 gegen­über Tetra­hy­dro­can­na­bi­nol eine höhe­re Potenz auf­weist. Das heißt, dass das Maß der Wirk­stär­ke in Abhän­gig­keit von der Dosis oder Kon­zen­tra­ti­on deut­lich höher anzu­sie­deln ist. Ent­spre­chend ist bei JWH-018 zur Erzie­lung einer Wir­kung eine gegen­über Tetra­hy­dro­can­na­bi­nol wesent­lich gerin­ge­re Dosis erfor­der­lich. Dies steht auch in Über­ein­stim­mung mit Berich­ten von Kon­su­men­ten, die eben­falls für JWH-018 bei glei­cher Dosie­rung eine deut­lich stär­ke­re Wir­kung im Ver­gleich zu Tetra­hy­dro­can­na­bi­nol beschrei­ben. An Tie­ren durch­ge­führ­te Stu­di­en, im Rah­men derer Potenz und Rezep­toraf­fi­ni­tät ver­schie­de­ner syn­the­ti­scher Can­na­bi­noi­de im Ver­gleich zu Tetra­hy­dro­can­na­bi­nol getes­tet wur­den, las­sen den wis­sen­schaft­lich beleg­ten Schluss zu, dass der Wirk­stoff JWH-018 min­des­tens um den Fak­tor 3 poten­ter als Tetra­hy­dro­can­na­bi­nol ist. Die inso­weit erho­be­nen phar­ma­ko­dy­na­mi­schen Para­me­ter lie­ßen auch die Annah­me eines höhe­ren Fak­tors zu. Um aber dem Umstand, dass es sich um die Über­tra­gung von am Tier­mo­dell gewon­ne­nen Daten auf den Men­schen han­delt und ande­ren mög­li­chen Mess­un­si­cher­hei­ten aus­rei­chend Rech­nung zu tra­gen, ist nicht auf die­sen höhe­ren Fak­tor, son­dern auf die jeden­falls gesi­cher­te Abschät­zung der Potenz, näm­lich dem Fak­tor 3 zurück­zu­grei­fen.

Die mög­li­chen Unter­schie­de in der sog. intrinsi­schen Akti­vi­tät der syn­the­ti­schen Can­na­bi­noi­de, aber auch ihre damit zusam­men­hän­gen­de unter­schied­li­che Potenz füh­ren dazu, dass man Fest­stel­lun­gen zur Gefähr­lich­keit eines die­ser syn­the­ti­schen Can­na­bi­noi­de nicht ohne wei­te­res auf ande­re Stof­fe über­tra­gen kann. So gibt es inner­halb der Grup­pe der syn­the­ti­schen Can­na­bi­noi­de deut­li­che Potenz­un­ter­schei­de.

Betäu­bungs­mit­tel wie Hero­in, Koka­in oder Amphet­amin wei­sen hin­ge­gen einen kom­plett ande­ren Wir­kungs­me­cha­nis­mus auf.

Neben poten­ti­ell the­ra­peu­tisch nutz­ba­ren Effek­ten – wie Schmerz­lin­de­rung, Neu­ro­pro­tek­ti­on, Hem­mung gastro­in­tes­ti­na­ler Moti­li­tät, Lin­de­rung von Spas­ti­zi­tät, anti­eme­ti­sche Wir­kung, Sen­kung des Augen­in­nen­drucks, Erleich­te­rung des Schla­fes und appe­tit­an­re­gen­de Wir­kung – zeigt sich nach dem Kon­sum von syn­the­ti­schen Can­na­bi­noi­den eine berau­schen­de Wir­kung, gekenn­zeich­net durch Stim­mungs­stei­ge­rung, Eupho­rie, Red­se­lig­keit, ver­än­der­ter Wahr­neh­mung (z.B. in Bezug auf Far­ben, Musik, Geschmack und Zeit­ge­fühl) oder Gefüh­le erhöh­ter Ein­sicht und Bedeu­tung. Zu den häu­figs­ten uner­wünsch­ten Neben­wir­kun­gen nach dem Kon­sum syn­the­ti­scher Can­na­bi­noi­de gehö­ren sol­che, die auch nach Can­na­bis­kon­sum häu­fig auf­tre­ten, wie Beein­träch­ti­gung des Denk, Lern, Erin­ne­rungs- und Kon­zen­tra­ti­ons­ver­mö­gens und der psy­cho­mo­to­ri­schen Leis­tung, Gefüh­le von Unwirk­lich­keit, Deper­so­na­li­sa­ti­on und Distan­ziert­heit, Unter­bre­chung von Gedan­ken­gän­gen, Angst­zu­stän­de, Para­noia, erhöh­te Herz­fre­quenz, Pupil­len­wei­tung, Bin­de­haut­rö­tung, ver­min­der­ter Trä­nen­fluss, Mund­tro­cken­heit sowie Wir­kun­gen auf endo­kri­ne und repro­duk­ti­ve Funk­tio­nen und die Ther­mo­re­gu­la­ti­on. Dane­ben zei­gen sich aber auch Sym­pto­me, die unty­pisch für Can­na­bi­s­in­to­xi­ka­tio­nen sind, wie lan­ge anhal­ten­des Erbre­chen, Bewusst­lo­sig­keit, Wir­kung auf die Atmung und Krampf­an­fäl­le. Das Erbre­chen kann im Zusam­men­hang mit der Bewusst­seinstrü­bung und der damit ver­bun­de­nen Aspi­ra­ti­ons­ge­fahr genau­so eine lebens­ge­fähr­li­che Situa­ti­on begrün­den wie Krampf­an­fäl­le. Gera­de die­se Effek­te füh­ren zur Annah­me einer gegen­über Tetra­hy­dro­can­na­bi­nol gestei­ger­ten Gefähr­lich­keit für die Gesund­heit des Kon­su­men­ten.

Die berau­schen­de Wir­kung von JWH-018 hält etwa ein bis zwei Stun­den an, wobei die tat­säch­li­che Wir­kungs­dau­er, die davon abhängt, wie schnell die Sub­stan­zen meta­bo­li­siert und aus­ge­schie­den wer­den, immer auch von der Dosis und der Art der Auf­nah­me, aber maß­geb­lich auch von der aktu­el­len Ver­fas­sung des Kon­su­men­ten und den Umge­bungs­be­din­gun­gen beein­flusst wird.

Auch wenn die Wir­kun­gen syn­the­ti­scher Can­na­bi­noi­de in ers­ter Linie über das Endo­can­na­bi­no­id­sys­tem ver­mit­telt wer­den, gibt es Hin­wei­se dar­auf, dass die Sub­stan­zen auf wei­te­re phy­sio­lo­gi­schen Sys­te­me ein­wir­ken. So zeigt das Wir­kungs­pro­fil die­ser Sub­stan­zen im Ver­gleich zu dem von Can­na­bis ähn­li­che Sym­pto­me, aber auch mar­kan­te Unter­schie­de. Der­ar­ti­ge Sys­te­me konn­ten aber bis­her nicht iden­ti­fi­ziert wer­den, wes­halb die­se nur mög­li­chen, der­zeit nicht beleg­ba­ren Effek­te nach dem heu­ti­gen wis­sen­schaft­li­chen Kennt­nis­stand nicht Grund­la­ge der recht­lich rele­van­ten Beur­tei­lung der Wir­kung und Gefähr­lich­keit der Sub­stanz sein kön­nen. Auch die Fra­ge von Lang­zeit­to­xi­zi­tät, krebs­er­zeu­gen­den Wir­kun­gen, Beein­träch­ti­gun­gen des Erb­guts oder der Fer­ti­li­tät durch syn­the­ti­sche Can­na­bi­noi­de – auf deren mög­li­ches Vor­lie­gen als Risi­ko ins­be­son­de­re der Sach­ver­stän­di­ge Da. hin­ge­wie­sen hat – kann an- hand der man­gel­haf­ten Daten­la­ge der­zeit nicht beur­teilt wer­den.

Zur äußerst gefähr­li­chen, gar töd­li­chen Dosis des Wirk­stoffs JWH-018 lie­gen der­zeit kei­ne gesi­cher­ten wis­sen­schaft­li­chen Erkennt­nis­se vor. Zwar kön­nen Ver­gif­tun­gen mit syn­the­ti­schen Can­na­bi­noi­den zu lebens­be­droh­li­chen Zustän­den füh­ren, wobei Erbre­chen mit der Gefahr der Aspi­ra­ti­on bei Bewusst­seins­ein­trü­bun­gen, nega­ti­ve Wir­kun­gen auf die Atmung und Krampf­an­fäl­le im Vor­der­grund ste­hen. Die begrenz­te Anzahl kli­nisch und ana­ly­tisch doku­men­tier­ter Ver­gif­tungs­fäl­le bie­ten aber für eine Fest­le­gung einer äußerst gefähr­li­chen, gar töd­li­chen Dosis kei­ne vali­de Grund­la­ge, da zuver­läs­si­ge Daten zu Kon­sum­zeit­punkt und men­ge feh­len und neben den syn­the­ti­schen Can­na­bi­noi­den zumeist wei­te­re Betäu­bungs­mit­tel kon­su­miert wur­den.

Die Fest­le­gung des Grenz­werts der nicht gerin­gen Men­ge auf Grund­la­ge der durch­schnitt­li­chen Kon­sum­ein­heit eines nicht an den Genuss der Dro­ge gewöhn­ten Kon­su­men­ten kommt eben­falls nicht in Betracht. Auch zum Kon­sum­ver­hal­ten fehlt es an wis­sen­schaft­lich gesi­cher­ten Daten.

Zwar lässt sich all­ge­mein fest­stel­len, dass die Dosie­rung des Wirk­stoffs maß­geb­lich von der Kon­sum­form sowie von der Anwen­dungs­art abhängt.

Die gebräuch­lichs­te Kon­sum­form für syn­the­ti­sche Can­na­bi­noi­de sind sog. Räu­cher­mi­schun­gen, wobei das mit dem Wirk­stoff ver­setz­te pflanz­li­che Mate­ri­al als Tabak­mi­schung in einem Joint oder in einer Was­ser­pfei­fe ("Bong") geraucht wird. Die Wir­kung setzt bei die­ser Kon­sum­art auf­grund der Auf­nah­me des Wirk­stoffs über die Lun­ge inner­halb weni­ger Minu­ten ein. Anders als bei Can­na­bis muss der Wirk­stoff nicht erst aus der pflanz­li­chen Matrix frei­ge­setzt wer­den, son­dern steht sofort zur Ver­fü­gung. Da der Kon­su­ment in der Regel nicht wis­sen kann, wie­viel Wirk­stoff ent­hal­ten ist, wird er so lan­ge rau­chen, bis die gewünsch­te Wir­kung ein­ge­tre­ten ist, er "titriert". Dies beinhal­tet das Risi­ko einer Über­do­sie­rung, da schon mit den ers­ten Zügen so viel auf­ge­nom­men wor­den sein kann, dass uner­wünsch­te Neben­wir­kun­gen auf­tre­ten. Der­zeit weni­ger ver­brei­tet ist noch das Ver­damp­fen der Wirk­sub­stanz – meist unter Ein­satz des rei­nen Wirk­stof­fes – in einem "Vapo­ri­zer" oder unter Ein­satz des Wirk­stoffs in gelös­ter Form als "E‑Liquid" in einer E‑Zigarette. Dies erfor­dert im Ver­gleich zum Rau­chen nied­ri­ge­re Tem­pe­ra­tu­ren, was mit einer höhe­ren Bio­ver­füg­bar­keit auf­grund gerin­ge­rer Ver­lus­te durch Ver­bren­nung ein­her­geht. Da bei den Ver­damp­fungs­tech­ni­ken im Unter­schied zum Rau­chen in der Regel auch kei­ne Ver­lus­te durch Sei­ten­strom­rauch auf­tre­ten, rei­chen gerin­ge­re Sub­stanz­men­gen aus, um eine Wir­kung zu erzie­len. Sowohl für das Rau­chen als auch für das Ver­damp­fen gilt, dass sich der Anteil des über die Lun­ge auf­ge­nom­me­nen Wirk­stoffs je nach kon­kre­ter Durch­füh­rung (z.B. "paf­fen" oder inha­lie­ren) stark unter­schei­den kann. Ein gerin­ger Teil der Kon­su­men­ten nimmt die Sub­stan­zen oral – z.B. nach Her­stel­lung eines Auf­gus­ses – zu sich. Die Wir­kung tritt bei ora­ler Auf­nah­me mit einer erheb­li­chen Ver­zö­ge­rung von einer hal­ben bis zu meh­re­ren Stunde(n) ein, was dem Kon­su­men­ten die Dosie­rung erschwert. Auf­grund des sog. First-Pass-Effekts (Meta­bo­li­sie­rung der Sub­stanz bei der ers­ten Leber­pas­sa­ge) und der lang­sa­me­ren Resorp­ti­on wer­den bei die­ser Art der Appli­ka­ti­on bei glei­cher Dosie­rung im Ver­gleich zum Rau­chen bzw. Ver­damp­fen wesent­lich gerin­ge­re Blut­kon­zen­tra­tio­nen erreicht, so dass bei ora­ler Auf­nah­me der Sub­stanz eine wesent­lich höhe­re Dosie­rung zur Erzie­lung glei­cher Wir­kung erfor­der­lich ist.

Zur kon­kre­ten Dosie­rung von JWH-018 ste­hen jedoch neben Daten aus ver­ein­zel­ten wis­sen­schaft­li­chen Selbst­ver­su­chen, die eine zu schma­le Tat­sa­chen­ba­sis bie­ten, ledig­lich Anga­ben von Kon­su­men­ten in ein­schlä­gi­gen Inter­net­fo­ren zur Ver­fü­gung. Zwar fin­den sich dort Dosie­rungs­emp­feh­lun­gen, die – bezo­gen auf den rei­nen Wirk­stoff in Pul­ver­form – von 1 Mil­li­gramm bis maxi­mal 5 Mil­li­gramm rei­chen. Die­se Anga­ben erwei­sen sich aber für die Bestim­mung der durch­schnitt­li­chen Kon­sum­ein­heit, die zur Errei­chung eines Rausch­zu­stands bei einem nicht an den Genuss die­ser Dro­ge gewöhn­ten Kon­su­men­ten erfor­der­lich ist, als nicht geeig­net. Zum einen gehen die­se Anga­ben häu­fig auf erfah­re­ne Kon­su­men­ten zurück, bei denen bereits mit einer Tole­ranz­ent­wick­lung zu rech­nen ist. Zum ande­ren ist ange­sichts der feh­len­den Anga­be, wel­ches syn­the­ti­sche Can­na­bi­no­id in wel­cher Kon­zen­tra­ti­on in den Räu­cher­mi­schun­gen ent­hal­ten ist, nicht gesi­chert, dass die Anga­ben sich tat­säch­lich auf den genann­ten Wirk­stoff bezie­hen und die Sub­stanz­men­gen zutref­fend bezeich­net sind.

Hin­zu tritt, dass ins­be­son­de­re die syn­the­ti­schen Can­na­bi­noi­de aus der Grup­pe der Ami­no­al­ky­lin­do­le, wie JWH-018 und JWH-073, exten­siv meta­bo­li­siert wer­den und vie­le der Abbau­pro­duk­te eben­falls phar­ma­ko­lo­gi­sche Akti­vi­tät zei­gen. Dies lässt erheb­li­che inter­in­di­vi­du­el­le Unter­schie­de in der Reak­ti­on auf den Wirk­stoff erwar­ten.

Nach­dem eine Fest­set­zung des Grenz­werts der nicht gerin­gen Men­ge weder an einer äußerst gefähr­li­chen, gar töd­li­chen Dosis, noch an einer vali­de abge­si­cher­ten Kon­sum­ein­heit aus­ge­rich­tet wer­den konn­te, war ent­schei­dend ein Ver­gleich mit ande­ren, ver­gleich­bar wir­ken­den Sub­stan­zen. Im Hin­blick auf die dar­ge­leg­ten ver­wand­ten che­misch­to­xi­ko­lo­gi­schen Wir­kun­gen erscheint es dem Bun­des­ge­richts­hof ange­bracht, den Grenz­wert für JWH-018 im Ver­gleich zu Tetra­hy­dro­can­na­bi­nol zu bestim­men. Bei­de Sub­stan­zen wir­ken auf das Endo­can­na­bi­no­id­sys­tem, wei­sen ähn­li­che Wir­kungs­bil­der auf und wer­den mit dem Ziel der Ent­span­nung, der Stim­mungs­re­gu­la­ti­on oder der Inten­si­vie­rung von Sin­nes­ein­drü­cken kon­su­miert.

Ein Ver­gleich mit den Grenz­wer­ten der nicht gerin­gen Men­ge ande­rer Betäu­bungs­mit­tel – wie Hero­in 5, Koka­in 6, Amphet­amin 7, Metham­phet­amin 8, MDE/​MDMA/​MDA 9 oder LSD 10 – kam dage­gen auf­grund ihrer unter­schied­li­chen che­mi­schen Grund­struk­tu­ren, der abwei­chen­den Kon­sum­mo­ti­va­ti­on, vor allem aber des voll­kom­men abwei­chen­den Wir­kungs­me­cha­nis­mus nicht in Betracht. Zwar ist zu kon­sta­tie­ren, dass u.a. Hero­in oder Koka­in noch gefähr­li­che­re Wir­kun­gen ent­fal­ten als syn­the­ti­sche Can­na­bi­noi­de. Auf­grund der ganz unter­schied­li­chen Wir­kungs­wei­se, die erst bei ver­gleichs­wei­se hohen Dosen ein­setzt, kann dies aber nicht im los­ge­lös­ten Ver­gleich der Grenz­wer­te zum Aus­druck gebracht wer­den.

Der Bun­des­ge­richts­hof hat im Anschluss an den Sach­ver­stän­di­gen den Grenz­wert der nicht gerin­gen Men­ge für JWH-018 auf­grund eines Ver­gleichs mit Tetra­hy­dro­can­na­bi­nol auf zwei Gramm Wirk­stoff­men­ge fest­ge­setzt. Dies erscheint ange­bracht, um dem auf der Grund­la­ge heu­ti­ger wis­sen­schaft­li­cher Erkennt­nis­se fest­ste­hen­den Gefähr­dungs­po­ten­ti­al die­ses Wirk­stoffs im Ver­gleich zu ande­ren Betäu­bungs­mit­teln gerecht zu wer­den.

Maß­geb­lich ist hier­für die im Ver­gleich zu Tetra­hy­dro­can­na­bi­nol, für das der Grenz­wert der nicht gerin­gen Men­ge bei 7, 5 Gramm Tetra­hy­dro­can­na­bi­nol – ent­spre­chend 500 Kon­sum­ein­hei­ten à 15 Mil­li­gramm – ange­nom­men wird 11, höhe­re Potenz des Wirk­stoffs, sei­ne gestei­ger­te Gefähr­lich­keit auf­grund wei­ter­ge­hen­der uner­wünsch­ter Neben­wir­kun­gen, die sogar lebens­be­droh­lich wir­ken kön­nen, und die wesent­lich höhe­re Auf­tre­tens­wahr­schein­lich­keit von star­ken uner­wünsch­ten Neben­wir­kun­gen. Bei die­ser Ein­ord­nung ist stets von den für den Ange­klag­ten güns­tigs­ten rele­van­ten Para­me­tern aus­ge­gan­gen wor­den; nach der­zei­ti­gem wis­sen­schaft­li­chen Kennt­nis­stand nicht vali­de beleg­te Hin­wei­se auf ein noch erheb­li­che­res Gefähr­lich­keits­ni­veau, ins­be­son­de­re im Hin­blick auf die chro­ni­sche Toxi­zi­tät, also sol­chen Fol­gen, die erst nach wie­der­hol­tem Kon­sum auf­tre­ten, sind dabei nicht ein­ge­stellt wor­den.

Zum einen weist JWH-018 im Ver­gleich zu Tetra­hy­dro­can­na­bi­nol eine um min­des­tens den Fak­tor 3 erhöh­te Potenz auf.

Auch in Bezug auf die aku­te Toxi­zi­tät, also sol­cher Fol­gen, die bereits nach einem ein­ma­li­gen Kon­sum auf­tre­ten kön­nen, erweist sich JWH-018 im Ver­gleich zu Tetra­hy­dro­can­na­bi­nol als gefähr­li­cher für die Gesund­heit der Kon­su­men­ten. Beim Kon­sum von JWH-018 tre­ten neben den auch beim Kon­sum von Can­na­bis bekann­ten uner­wünsch­ten Neben­wir­kun­gen die beschrie­be­nen erheb­li­chen wei­te­ren Neben­wir­kun­gen auf. Die Wir­kun­gen auf das Herz-Kreis­lauf-Sys­tem, wie Herz­ra­sen und erhöh­ter Blut­druck, stel­len ins­be­son­de­re für Kon­su­men­ten mit Vor­schä­di­gun­gen ein Risi­ko dar. Wäh­rend Todes­fäl­le durch den Kon­sum von Can­na­bis nicht bekannt sind, kann es bei Ver­gif­tun­gen mit syn­the­ti­schen Can­na­bi­noi­den zu lebens­be­droh­li­chen Zustän­den, wie Erbre­chen ver­bun­den mit der Gefahr der Aspi­ra­ti­on bei Bewusst­seins­ein­trü­bun­gen, Wir­kun­gen auf die Atmung und Krampf­an­fäl­len, kom­men.

Ähn­lich wie bei Can­na­bis wur­de bei eini­gen Kon­su­men­ten die Aus­lö­sung psy­cho­ti­scher Sym­pto­me bzw. die Ver­schlech­te­rung einer bereits bestehen­den psy­chi­schen Erkran­kung beschrie­ben, wobei jedoch meist kei­ne kla­re Zuord­nung zu einer bestimm­ten Wirk­sub­stanz mög­lich war.

Das Abhän­gig­keits­po­ten­ti­al von JWH-018 ist dem von Can­na­bis jeden­falls gleich­zu­set­zen. Die in der Kasu­is­tik doku­men­tier­ten Ent­zugs­zei­chen und die von Kon­su­men­ten beschrie­be­ne, mit einer Stei­ge­rung der Dosis ver­bun­de­ne ver­gleichs­wei­se schnel­le Tole­ranz­ent­wick­lung, die anhand von Zell-model­len nach­zu­voll­zie­hen ist, deu­ten sogar dar­auf hin, dass syn­the­ti­sche Can­na­bi­noi­de schnel­ler abhän­gig machen kön­nen als Can­na­bis. Man­gels vali­der Daten­grund­la­ge kann dies aller­dings nicht zugrun­de gelegt wer­den. Für die Fra­ge der sucht­er­zeu­gen­den Wir­kung kommt auch der im Ver­gleich zu Tetra­hy­dro­can­na­bi­nol, wel­ches zwei bis drei Stun­den wirkt, kür­ze­ren Dau­er der berau­schen­den Wir­kung von ledig­lich ein bis zwei Stun­den Bedeu­tung zu, die eine erhöh­te Gefahr des zeit­na­hen wie­der­hol­ten Kon­sums ("Nach­le­gen") birgt.

Bei der Kon­sum­form des Rau­chens haben syn­the­ti­sche Can­na­bi­noi­de eine ver­gleich­ba­re kar­zi­no­ge­ne Wir­kung wie Can­na­bis­pro­duk­te.

Die Gefahr einer Über­do­sie­rung ist bei JWH-018 höher ein­zu­stu­fen als bei Can­na­bis, was die Gefähr­lich­keit stei­gert. Wäh­rend bei dem Kon­sum von Can­na­bis eine Sät­ti­gung der­ge­stalt ein­tritt, dass eine Erhö­hung der Dosis nicht mehr zu einer Stei­ge­rung der Wirk­sam­keit führt, ist eine der­ar­ti­ge Wir­kungs­de­cke­lung bei als Voll­a­gonis­ten an den Rezep­tor bin­den­den JWH-018 nicht vor­han­den. Zudem führt die ungleich­mä­ßi­ge Ver­tei­lung des Wirk­stoffs inner­halb der Trä­ger­mas­se bei gleich­blei­ben­der Dosie­rung der Kräu­ter­mi­schung zu einer vari­ie­ren­den Wirk­stoff­do­sis, die die Gefahr einer Über­do­sie­rung in stär­ke­rem Maße erhöht, als dies bei Can­na­bis­pro­duk­ten auf­grund schwan­ken­der Wirk­stoff­ge­hal­te der Fall ist. Hin­zu kommt, dass der Wirk­stoff­ge­halt in den Kräu­ter­mi­schun­gen ins­ge­samt sehr gro­ßen Schwan­kun­gen unter­liegt. Wäh­rend die Wirk­stoff­ge­hal­te in den frü­hen Pro­duk­ten meist – wie hier – im unte­ren Pro­zent­be­reich lagen, wer­den inzwi­schen nicht sel­ten Wirk­stoff­ge­hal­te von zehn bis 20 Pro­zent fest­ge­stellt. All dies birgt die gegen­über dem Kon­sum von Can­na­bis­pro­duk­ten erhöh­te Gefahr einer star­ken Aus­prä­gung der uner­wünsch­ten Neben­wir­kun­gen, was sich z.B. bei der Beein­träch­ti­gung des Herz-Kreis­lauf-Sys­tems, aber auch bei den Neben­wir­kun­gen, die bei Can­na­bis­kon­sum nicht auf­tre­ten, sehr belas­tend, sogar lebens­be­droh­lich aus­wir­ken kann.

Eine die prak­ti­sche Hand­ha­bung erleich­tern­de Fest­le­gung des Grenz­werts nach der Men­ge der Päck­chen mit Kräu­ter­mi­schun­gen, ähn­lich wie sie ergän­zend zum Wirk­stoff­men­gen­wert bei LSD vor­ge­nom­men wur­de 10, ist nicht mög­lich. Die Schwan­kun­gen im Wirk­stoff­ge­halt der unter­schied­li­chen Kräu­ter­mi­schun­gen sowie selbst zwi­schen ein­zel­nen Päck­chen von unter der­sel­ben Bezeich­nung ver­trie­be­nen Kräu­ter­mi­schun­gen las­sen eine aus­rei­chend siche­re Fest­stel­lung einer Min­dest­kon­zen­tra­ti­on des Wirk­stoffs nicht zu.

Soweit der Sach­ver­stän­di­ge dar­auf hin­ge­wie­sen hat, dass die für die Gefähr­lich­keit des Wirk­stoffs maß­geb­li­chen Aspek­te wie Lang­zeit­to­xi­zi­tät, Tera­to­ge­ni­tät, Zyto­to­xi­zi­tät oder Kaze­ro­ge­ni­tät der­zeit noch nicht hin­rei­chend beur­teilt wer­den kön­nen und aus prä­ven­ti­ven Erwä­gun­gen die Fest­set­zung des Grenz­werts der nicht gerin­gen Men­ge auf 0, 75 Gramm – ent­spre­chend 150 Kon­sum­ein­hei­ten à 5 Mil­li­gramm – ange­regt hat, sieht der Bun­des­ge­richts­hof jeden­falls der­zeit man­gels gesi­cher­ter wis­sen­schaft­li­cher Erkennt­nis­se kei­ne Basis, die eine für den Ange­klag­ten nach­tei­li­ge nied­ri­ge­re Fest­set­zung des Grenz­werts der nicht gerin­gen Men­ge recht­fer­ti­gen wür­de.

CP 47,497-C8-Homologes

Nach Auf­fas­sung des Bun­des­ge­richts­hofs ist der Grenz­wert der nicht gerin­gen Men­ge für den Wirk­stoff CP 47,497-C8-Homologes eben­falls bei 2 Gramm anzu­set­zen.

Den Aus­füh­run­gen der Sach­ver­stän­di­gen ent­nimmt der Bun­des­ge­richts­hof, dass sich die für einen Wirk­stoff gewon- nenen Erkennt­nis­se nicht auf alle syn­the­ti­schen Can­na­bi­noi­de über­tra­gen las­sen. Allein der Umstand, dass ande­re Wirk­stof­fe eben­falls über das Endo­can­na­bi­no­id­sys­tem wir­ken und an die CB-Rezep­to­ren bin­den, sagt nichts über deren Potenz und Wir­kungs­in­ten­si­tät aus. Die­se Wer­te sind viel­mehr für jeden Wirk­stoff expe­ri­men­tell zu ermit­teln. Ent­spre­chend ist der Grenz­wert der nicht gerin­gen Men­ge für jeden Wirk­stoff geson­dert fest­zu­set­zen.

Soweit der Sach­ver­stän­di­ge ange­regt hat, den­noch den Grenz­wert der nicht gerin­gen Men­ge für alle syn­the­ti­schen Can­na­bi­noi­de ein­heit­lich zu bestim­men und die­sen im Hin­blick dar­auf, dass deren Gefähr­lich­keit noch nicht hin­rei­chend beur­teilt wer­den kön­ne, aus prä­ven­ti­ven Erwä­gun­gen auf 0, 75 Gramm – ent­spre­chend 150 Kon­sum­ein­hei­ten à 5 Mil­li­gramm – fest­zu­le­gen, sieht der Bun­des­ge­richts­hof hier­für jeden­falls der­zeit kei­ne wis­sen­schaft­lich hin­rei­chend gesi­cher­te Grund­la­ge.

JWH-073

Der Bun­des­ge­richts­hof hat die Sach­ver­stän­di­gen auch zur Wir­kung und zur Gefähr­lich­keit der in den vom Ange­klag­ten gehan­del­ten Kräu­ter­mi­schun­gen ent­hal­te­nen Wirk­stof­fe CP 47,497, CP 47,497-C8-Homologes und JWH-073 befragt. Hier­zu ergibt sich Fol­gen­des:

Bei dem Wirk­stoff CP 47,497-C8-Homologes – 5122[133hydroxycyclohexyl]phenol – han­delt es sich um einen Ver­tre­ter der sog. Cyclo­he­xyl­phe­no­le, eine Grup­pe stick­stoff­frei­er Ver­bin­dun­gen, die in den 80er Jah­ren von Phar­ma­un­ter­neh­men erforscht wur­de. Auch die­ser Wirk­stoff wur­de bis­her nicht in kli­ni­schen Stu­di­en am Men­schen getes­tet, so dass für die Beur­tei­lung sei­ner Gefähr­lich­keit eben­falls nur die für den Wirk­stoff JWH-018 beschrie­be­nen Erkennt­nis­quel­len zur Ver­fü­gung ste­hen.

Auf Basis die­ser ein­ge­schränk­ten Daten­grund­la­ge weist der Wirk­stoff CP 47,497-C8-Homologes, der als vol­ler Ago­nist am CB1-Rezep­tor anzu­se­hen ist, eine ver­gleich­ba­re Potenz wie JWH-018 auf, wobei die berau­schen­de Wir­kung mit vier bis sechs Stun­den wesent­lich län­ger andau­ert (zum Ver­gleich JWH-018: ein bis zwei Stun­den; Tetra­hy­dro­can­na­bi­nol: zwei bis drei Stun­den). Auch beim Kon­sum von CP 47,497-C8-Homologes tre­ten neben den auch vom Kon­sum von Can­na­bis bekann­ten Neben­wir­kun­gen wei­te­re für Can­na­bi­s­in­to­xi­ka­tio­nen unty­pi­sche Sym­pto­me auf, die denen nach dem Kon­sum von JWH-018 ent­spre­chen.

Die ver­gleich­ba­re Potenz und Wir­kungs­in­ten­si­tät der bei­den Wirk­stof­fe sowie die im Ver­gleich zu Tetra­hy­dro­can­na­bi­nol wei­ter­ge­hen­den uner­wünsch­ten, auch poten­ti­ell lebens­ge­fähr­li­chen Neben­wir­kun­gen und die erhöh­te Auf­tre­tens­wahr­schein­lich­keit von star­ken Neben­wir­kun­gen recht­fer­ti­gen es nach Auf­fas­sung des Bun­des­ge­richts­hofs, den Grenz­wert der nicht gerin­gen Men­ge auch für den Wirk­stoff CP 47,497-C8-Homologes auf der Basis der der­zei­ti­gen wis­sen­schaft­li­chen Erkennt­nis­grund­la­gen auf 2 Gramm fest­zu­set­zen.

Dem­ge­gen­über wei­sen die Wirk­stof­fe JWH-073 – (Naph­ta­lin-1-yl) (1‑butyl-1-Hindol-3yl)methanon – und CP 47,497 – (5-(1, 1‑Dimethylheptyl)-2-[(1RS, 3SR)-3-hydroxycyclohexyl]-phenol)) , die sich von JWH-018 bzw. CP 47,497-C8-Homologes che­misch­struk­tu­rell nur gering­fü­gig unter­schei­den, nach bis­he­ri­gen wis­sen­schaft­li­chen Erkennt­nis­sen eine eher dem Tetra­hy­dro­can­na­bi­nol ver­gleich­ba­re Potenz auf. Aber auch beim Kon­sum die­ser Wirk­stof­fe tre­ten neben den auch vom Kon­sum von Can­na­bis bekann­ten Neben­wir­kun­gen wei­te­re uner­wünsch­te Effek­te auf.

Auf die­ser Grund­la­ge hält der Bun­des­ge­richts­hof den Grenz­wert der nicht gerin­gen Men­ge für den in den gehan­del­ten Kräu­ter­mi­schun­gen ent­hal­te­nen, aber im Tat­zeit­raum noch nicht unter das Betäu­bungs­mit­tel­ge­setz fal­len­den Wirk­stoff JWH-073 sowie für den Wirk­stoff CP 47,497 auf­grund sei­ner mit Tetra­hy­dro­can­na­bi­nol ver­gleich­ba­ren Potenz, aber den im Ver­gleich zum Kon­sum von Can­na­bis schwer­wie­gen­de­ren uner­wünsch­ten Neben­wir­kun­gen und der dem­ge­gen­über erhöh­ten Auf­tre­tens­wahr­schein­lich­keit sol­cher Neben­wir­kun­gen bei einer Wirk­stoff­men­ge von jeden­falls 6 Gramm für erreicht.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 14. Janu­ar 2015 – 1 StR 302/​13

  1. vgl. nur BGH, Urtei­le vom 03.12 2008 – 2 StR 86/​08, BGHSt 53, 89; und vom 17.11.2011 – 3 StR 315/​10, BGHSt 57, 60[]
  2. BGH, Urteil vom 22.12 1987 – 1 StR 612/​87, BGHSt 35, 179[]
  3. BGH, Urteil vom 03.12 2008 – 2 StR 86/​08, BGHSt 53, 89[]
  4. vgl. BGH, Urtei­le vom 24.04.2007 – 1 StR 52/​07, BGHSt 51, 318; und vom 17.11.2011 – 3 StR 315/​10, BGHSt 57, 60[]
  5. vgl. BGH, Urteil vom 07.11.1983 – 1 StR 721/​83, BGHSt 32, 162[]
  6. vgl. BGH, Urteil vom 01.02.1985 – 2 StR 685/​84, BGHSt 33, 133[]
  7. vgl. BGH, Urteil vom 11.04.1985 – 1 StR 507/​84, BGHSt 33, 169[]
  8. vgl. BGH, Urteil vom 03.12 2008 – 2 StR 86/​08, BGHSt 53, 89[]
  9. vgl. BGH, Urteil vom 09.10.1996 – 3 StR 220/​96, BGHSt 42, 255[]
  10. vgl. BGH, Urteil vom 01.09.1987 – 1 StR 191/​87, BGHSt 35, 43[][]
  11. vgl. BGH, Urteil vom 18.07.1984 – 3 StR 183/​84, BGHSt 33, 8[]
  12. 1, 1‑Dimethyloctyl[]
  13. 1RS, 3SR[]