Notwehr – und die Gegenwärtigkeit des Angriffs

Ein gegenwärtiger Angriff im Sinne des § 32 Abs. 2 StGB ist auch ein Verhalten, das zwar noch kein Recht verletzt, aber unmittelbar in eine Verletzung umschlagen kann und deshalb ein Hinausschieben der Abwehrhandlung unter den gegebenen Umständen entweder deren Erfolg gefährden oder den Verteidiger zusätzlicher nicht mehr hinnehmbarer Risiken aussetzen würde1.

Notwehr – und die Gegenwärtigkeit des Angriffs

Hat der Angreifer bereits eine Verletzungshandlung begangen, dauert der Angriff so lange an, wie eine Wiederholung und damit ein erneuter Umschlag in eine Verletzung unmittelbar zu befürchten ist2. Dabei kommt es auf die objektive Sachlage an.

Entscheidend sind daher nicht die Befürchtungen des Angegriffenen, sondern die Absichten des Angreifers und die von ihm ausgehende Gefahr einer (neuerlichen oder unverändert fortdauernden) Rechtsgutsverletzung3.

Bundesgerichtshof, Urteil vom 24. November 2016 – 4 StR 235/16

  1. vgl. BGH, Urteil vom 25.04.2013 – 4 StR 551/12, NJW 2013, 2133; Beschluss vom 08.03.2000 – 3 StR 67/00, NStZ 2000, 365; Beschluss vom 11.12 1991 – 2 StR 535/91, BGHR StGB § 32 Abs. 2 Angriff 5; Urteil vom 26.08.1987 – 3 StR 303/87, BGHR StGB § 32 Abs. 2 Angriff 1; Urteil vom 07.11.1972 – 1 StR 489/72, NJW 1973, 255 mwN[]
  2. vgl. BGH, Urteil vom 09.08.2005 – 1 StR 99/05, NStZ 2006, 152, 153; Beschluss vom 11.12 1991 – 2 StR 535/91, BGHR StGB § 32 Abs. 2 Angriff 5[]
  3. vgl. BGH, Urteil vom 18.04.2002 – 3 StR 503/01, NStZ 2002, 203; Urteil vom 09.08.2005 – 1 StR 99/05, NStZ 2006, 152, 153; Beschluss vom 11.12 1991 – 2 StR 535/91, BGHR StGB § 32 Abs. 2 Angriff 5; siehe auch Beschluss vom 28.10.2015 – 5 StR 397/15, Rn. 5[]