Steu­er­hin­ter­zie­hung – und der Umfang der Steu­er­ver­kür­zung

Zur Bestim­mung des Umfangs der Steu­er­ver­kür­zun­gen ist die bei wahr­heits­ge­mä­ßen Anga­ben von Geset­zes wegen ange­fal­le­ne Steu­er (Soll­Steu­er) mit der tat­säch­lich – infol­ge der wahr­heits­wid­ri­gen Anga­ben zu nied­rig – fest­ge­setz­ten (Ist­Steu­er) zu ver­glei­chen; die Dif­fe­renz aus die­sen bei­den Ergeb­nis­sen ergibt den Hin­ter­zie­hungs­be­trag 1.

Steu­er­hin­ter­zie­hung – und der Umfang der Steu­er­ver­kür­zung

Dage­gen ist es in jedem Fall feh­ler­haft, als Besteue­rungs­grund­la­ge allein die in die­sem Ver­an­la­gungs­zeit­raum aus dem Kas­sen­be­stand ent­nom­me­nen Beträ­ge her­an­zu­zie­hen. Die Soll­Steu­er lässt sich allei­ne dar­aus nicht berech­nen.

Dane­ben ist sowohl der Inhalt der betrof­fe­nen Steu­er­erklä­run­gen fest­stel­len wie auch, wann und mit wel­chem Inhalt die zuge­hö­ri­gen Ein­kom­men­steu­er­be­schei­de ergan­gen sind. Andern­falls kön­nen die Ist­Steu­er nicht fest­ge­stellt wer­den.

Glei­ches gilt auch für die Ein­zie­hung des Wer­tes von Tat­erträ­gen (§ 73 Abs. 1, § 73c Satz 1 StGB). Die­se kann eben­falls nicht anhand der im Tat­zeit­raum aus dem Kas­sen­be­stand ent­nom­me­nen Beträ­ge bemes­sen wer­den. Für eine Wert­er­satz­ein­zie­hung sind aus­schließ­lich die nicht fest­ge­setz­ten Ein­kom­men­steu­er­schul­den (§ 370 Abs. 1 Nr. 1, 2, Abs. 4 Satz 1 Halb­satz 1 AO) und daher die trotz vor­an­ge­gan­ge­nen Liqui­di­täts­zu­flus­ses (vgl. § 11 Abs. 1 Satz 1 EStG) nicht an den Fis­kus abge­führ­ten Gel­der, mit­hin die in die­sem Sin­ne erspar­ten Auf­wen­dun­gen maß­geb­lich.

Auf die hin­ter­zo­ge­nen Umsat­zund Lohn­steu­ern sowie die erspar­ten Sozi­al­ver­si­che­rungs­bei­trä­ge kann die Ein­zie­hung gegen­über dem Geschäfts­füh­rer nicht gestützt wer­den. Denn die Ver­mö­gens­vor­tei­le aus die­sen Taten in Form erspar­ter Auf­wen­dun­gen sind der GmbH zuzu­rech­nen (§ 73b Abs. 1 Satz 1 Nr. 1 StGB). Die­se Fir­ma nutz­te der Ange­klag­te nicht ledig­lich als Man­tel; das Betriebs­ver­mö­gen der GmbH ist vom Pri­vat­ver­mö­gen des Ange­klag­ten zu tren­nen 2. Dies gilt jeden­falls dann, wenn die GmbH nicht eine lee­re "Hül­le" war, an wel­cher vor­bei der Geschäfts­füh­rer die Taxier­lö­se ver­ein­nahm­te.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 8. Mai 2019 – 1 StR 242/​18

  1. BGH, Urtei­le vom 12.05.2009 – 1 StR 718/​08 Rn. 16; und vom 30.07.1985 – 1 StR 284/​85 Rn.19[]
  2. vgl. BGH, Beschlüs­se vom 14.11.2018 – 3 StR 447/​18 Rn. 911; vom 31.07.2018 – 3 StR 620/​17 Rn. 26; vom 23.10.2018 – 5 StR 185/​18; und vom 17.01.2019 – 4 StR 486/​18 Rn. 10[]