Strafzumessung – und das fortgeschrittene Lebensalter

Eine Fallgestaltung, in der das Alter des Angeklagten die Erörterung seiner Chance, zu Lebzeiten “wieder der Freiheit teilhaftig zu werden”1 erfordert hätte, liegt bei einem 69 Jahre alten Angeklagten, bei dem das Landgericht auf eine Gesamtstrafe von drei Jahren und zehn Monaten erkannt hat, nicht vor, sofern keine gesundheitliche Beeinträchtigungen oder eine krankheitsbedingt reduzierte Lebenserwartung festgestellt wurden.

Strafzumessung – und das fortgeschrittene Lebensalter

Vorliegend stand der Angeklagte bis zuletzt im Erwerbsleben. Dies lässt dem Angeklagten die begründete Erwartung, seine Entlassung aus dem Strafvollzug erleben zu können.

Einen Rechtssatz des Inhalts, dass jeder Straftäter schon nach dem Maß der verhängten Strafe die Gewissheit haben muss, im Anschluss an die Strafverbüßung in die Freiheit entlassen zu werden, gibt es nicht. Insbesondere kann sich aus dem Lebensalter eines Angeklagten, etwa unter Berücksichtigung statistischer Erkenntnisse zur Lebenserwartung, keine Strafobergrenze ergeben2.

Bundesgerichtshof, Beschluss vom 8. Dezember 2016 – 1 StR 492/16

  1. BGH, Urteil vom 27.04.2006 – 4 StR 572/05, NStZ 2006, 500 f. mwN []
  2. BGH, Urteil vom 27.04.2006 – 4 StR 572/05, NStZ 2006, 500 f. mwN zur sog. “Opa-Bande”: Gesamtfreiheitsstrafen von zehn Jahren bei einem 74, von neun Jahren bei einem 75 und von 12 Jahren bei einem 65 Jahre alten Angeklagten []