Urteils­grün­de – als Ver­geu­dung per­so­nel­ler Res­sour­cen

Den gesetz­li­chen Anfor­de­run­gen an eine – aus sich her­aus ver­ständ­li­che – Beweis­wür­di­gung genügt es, klar und bestimmt die für die Über­zeu­gungs­bil­dung des Tat­ge­richts maß­geb­li­chen Gesichts­punk­te im Rah­men einer struk­tu­rier­ten, ver­stan­des­mä­ßig ein­sich­ti­gen Dar­stel­lung her­vor­zu­he­ben.

Urteils­grün­de – als Ver­geu­dung per­so­nel­ler Res­sour­cen

Als Ergeb­nis einer wer­ten­den Aus­wahl des Tat­ge­richts zwi­schen Wesent­li­chem und Unwe­sent­li­chem ist das Beweis­ergeb­nis daher nur soweit zu erör­tern, wie es für die Ent­schei­dung von Bedeu­tung ist. Eine Doku­men­ta­ti­on des Ermitt­lungs­ver­fah­rens und der Beweis­auf­nah­me, etwa indem über hun­der­te von Sei­ten weit­ge­hend gleich­lau­ten­de Aus­sa­gen sowie poli­zei­li­che Ver­neh­mun­gen von Zeu­gen im Wort­laut mit­ge­teilt wer­den, wird dem nicht gerecht.

Das Abfas­sen unan­ge­mes­sen brei­ter Urteils­grün­de führt zu einer ver­meid­ba­ren Ver­geu­dung per­so­nel­ler Res­sour­cen. Ange­sichts der durch­weg hohen Belas­tun­gen der Straf­jus­tiz soll­te es im Inter­es­se der Tat­ge­rich­te lie­gen, Arbeits­kraft und Zeit nicht für das Ver­fas­sen meh­re­rer hun­dert Sei­ten star­ker Urteils­grün­de in ein­fach gela­ger­ten Fäl­len auf­zu­wen­den [1].

So klingt der Bun­des­ge­richts­hof, wenn er zwar eine Revi­si­on als unbe­grün­det ver­wirft, aber auf­grund der Fas­sung einer 450 Sei­ten umfas­sen­den Urteils­grün­de sicht­lich genervt ist.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 1. Sep­tem­ber 2020 – 2 StR 115/​20

  1. BGH, Beschluss vom 07.12.2006 ? 2 StR 470/​06, NStZ 2007, 720; Beschluss vom 11.03.2020 ? 2 StR 380/​19, NStZ-RR 2020, 258; Mey­er-Goß­ner/Appl, Die Urtei­le in Straf­sa­chen, 29. Aufl., Rn. 350 ff. jew. mwN[]